→Springe direkt zum Inhalt

Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

18.09.2018 | Neuerscheinung

TAB-Sensor Nr. 1 zeigt, wie junge Menschen personalisierte Onlinemedien bewerten.

Das neue Publikationsformat »TAB-Sensor« stellt gesellschaftliche Wahrnehmungen, Bewertungen und Sichtweisen zum wissenschaftlich-technischen Wandel vor.

Suchmaschinen, soziale Medien, Video- und Nachrichtenportale bieten insbesondere für junge Menschen einen wichtigen Zugangsweg zu Informationen aus Politik und Gesellschaft. Informationsintermediäre wie Google und Facebook ergänzen das Angebot klassischer massenmedialer Nachrichtenanbieter nicht nur, sondern ersetzen es teilweise sogar. Mittels algorithmenbasierter Verfahren wird dabei für jede Nutzerin und jeden Nutzer eine personalisierte Nachrichtenauswahl zusammengestellt. Dafür greifen die Intermediäre auf zuvor gesammelte Daten wie Interessen- und Freundeslisten, gespeicherte Suchanfragen oder aufgerufene Nachrichtenartikel zurück. Der TAB-Sensor nähert sich dem Thema deshalb aus der Perspektive junger Menschen und behandelt Fragen zur Nutzung und Bewertung einer personalisierten Nachrichtenauswahl. Die bundesweite Repräsentativbefragung von Menschen zwischen 18 und 23 Jahren stellt einen Baustein der Untersuchung des TAB zum Thema »Algorithmen in digitalen Medien und ihr Einfluss auf die Meinungsbildung« dar. Die Ergebnisse helfen, einen Dialog über das Thema zu führen und Handlungsempfehlungen für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu formulieren.

Für junge Menschen besitzen Informationsintermediäre als Nachrichtenquelle einen hohen Stellenwert. In der täglichen Nutzung liegen soziale Medien, Suchmaschinen, Videoportale und Nachrichtenaggregatoren deutlich vor den Angeboten klassischer Medien.

In der Gruppe der Informationsintermediäre nutzen zwei Drittel der Befragten am häufigsten Angebote, die durch Facebook oder Google betrieben werden. Der Kurznachrichtendienst Twitter wird sehr viel seltener genutzt.

Zwei von zehn Befragten ist nicht bekannt, dass viele Informationsintermediäre die Nachrichtenauswahl mittels Nutzungsdaten personalisieren. Sechs von zehn haben zwar davon gehört, sich aber noch nicht gezielt zu diesem Thema informiert. Das Wissen über die Personalisierung steigt mit dem Bildungsabschluss.

Die automatische Vorauswahl von Meldungen und Beiträgen anhand persönlicher Daten wird sowohl als Chance als auch als Risiko beurteilt. Obwohl drei Viertel der Befragten angeben, dass sie Informationen außerhalb ihrer Interessenschwerpunkte nicht mehr wahrnehmen, bestätigt immerhin jede zweite Person, dass die Personalisierung hilft, sich besser zu informieren.

Drei von fünf Befragten halten es für wichtig, dass Nachrichten unterschiedliche Positionen darstellen. Nur knapp die Hälfte legt Wert darauf, dass Nachrichten von professionellen Journalistinnen und Journalisten erstellt werden.

Die Vertrauenswürdigkeit von Nachrichten in Onlinemedien wird häufiger als gering eingeschätzt. Allerdings gilt auch: Zwei von fünf Befragten vertrauen eher Augenzeugenberichten in sozialen Medien als Beiträgen in traditionellen Medien.

Die Reihe TAB-Sensor stellt in Zukunft regelmäßig gesellschaftliche Wahrnehmungen, Bewertungen und Sichtweisen zu Fragen des wissenschaftlich-technischen Wandels vor. Grundlage sind empirische Erhebungen bei gesellschaftlichen Stakeholdern, die nach wissenschaftlichen Standards entwickelt und ausgewertet werden.

Zum Seitenanfang