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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Vergabe eines Gutachtens

»Postdienste und moderne Informations- und Kommunikationstechnologien«

Gutachter im Rahmen des TA-Projekts gesucht

Die Einreichungsfrist für Angebote ist abgelaufen.

Hintergrund

In Art 87 f GG gewährleistet der Bund im Bereich des Postwesens und der Telekommunikation flächendeckend angemessene und ausreichende Dienstleistungen. Vor diesem Hintergrund soll in der TA-Untersuchung »Postdienste und moderne Informations- und Kommunikationstechnologien« der Frage nachgegangen werden, welchen Beitrag moderne Informations- und Kommunikationstechnologien zur Erbringung des Postuniversaldienstes leisten könnten und welche Risiken für den Postuniversaldienst in der zunehmenden Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien liegen.

Die beiden Hauptbereiche des Postmarktes entwickeln sich momentan sehr unterschiedlich. Während der KEP-Markt (Kurier-, Express-, Paketdienste) in den letzten Jahren dynamisch gewachsen ist, stagniert der Briefmarkt seit Jahren bei einem Umsatz von etwa 10 Mrd. Euro pro Jahr und ging in den Jahren 2008 und 2009 sogar auf 9,2 Mrd. Euro zurück. Das Mengenwachstum im Briefbereich hielt in den letzten Jahren noch an und erreichte im Jahr 2008 17,8 Mrd. Sendungen. Aber auch hier verminderte sich das Briefaufkommen im Jahr 2009 auf 17,0 Mrd. Sendungen.

Im Mittelpunkt dieses TA-Projekts steht der Briefbereich. Mithilfe von Briefen lässt sich ein weites Spektrum von Inhalten befördern: Massendrucksachen, Rechnungen, Gerichtspost, persönliche Schreiben, Wertsachen wie Eintrittskarten, Reisedokumenten oder Bankkarten etc. Fast 90 % des Briefmarktes fallen in den Bereich der Geschäftspost mit einem hohen Anteil an Werbesendungen inklusive personalisierter Werbung (Direkt-Mailing). Vorliegende Prognosen gehen sehr pauschal von einer mittelfristigen Reduktion des Briefaufkommens von 30 bis 60 % aus. Bei einer Beurteilung der Substitutionsmöglichkeiten von herkömmlicher Briefkommunikation durch die unterschiedlichen Informations- und Kommunikationstechnologien (Telefon, Fax, SMS, E Mail, Soziale Netzwerke etc.) sind diese verschiedenen Segmente des Briefmarktes zu berücksichtigen.

Es ist unbestritten, dass die Bereiche Post und Telekommunikation zentrale Agenturen der Vermittlung gesellschaftlicher Kommunikation darstellen. Zwischen beiden bestehen enge Wechsel- und Konkurrenzbeziehungen. Zudem kann kein Zweifel daran bestehen, dass Post und Telekommunikation das Potenzial der Digitalisierung auf allen Ebenen der Diensteerbringung zu nutzen suchen.

Aktuell sind sowohl das Angebot der Deutschen Telekom AG (in Kooperation mit Anbietern von E-Mail-Diensten) für eine gesicherte E-Mail-Übertragung (DE-Mail) als auch der hybride Online-Brief der Deutschen Post AG besonders bemerkenswert. Der Hybridbrief soll über die Gewährleistung gesicherter Übermittlung hinaus die Online- mit der herkömmlichen Postwelt flexibel verknüpfen. Briefe können online oder auf Papier bei der Post eingereicht und von dieser wiederum elektronisch oder persönlich zugestellt werden.

Aber der Einsatz von Informations- und Kommunikationssystemen im Postbereich umfasst noch weitere Bereiche: im Web oder per Mobiltelefon erzeugte Briefmarken, Onlineverfolgungssysteme des Transports von Paketen und Briefen, weitgehende Automatisierung in den großen Briefsortier- und verteilzentren und Weiteres mehr.

Leistungsbeschreibung des zu vergebenden Gutachtens

Das TA-Projekt beinhaltet eine umfassende Bestandsaufnahme des derzeitigen und absehbaren Einsatzes von Informations- und Kommunikationstechnologien im Postsektor mit Schwerpunktlegung auf den Bereich Briefe. Es soll insbesondere untersucht werden, welchen Beitrag Informations- und Kommunikationstechnologien zu Erfüllung von Postuniversaldienstauflagen bezogen auf die Briefpost und als Ersatz herkömmlicher Briefpost leisten können. Dabei sind u.a. die folgenden Untersuchungsschwerpunkte vorgesehen:

  • Ermittlung der Anforderungsprofile elektronischer und postalischer Kommunikation aus Sicht der Nachfrager;
  • Identifikation der Potenziale für das Zusammenwachsen von Briefkommunikation und elektronischer Kommunikation;
  • Darstellung vorhandener und zukünftig absehbarer Hybridformen elektronischer und postalischer Kommunikation ("Online-Brief") mit ihren wirtschaftlichen Potenzialen – gegebenenfalls unter Einbezug modellhafter ausländischer Erfahrungen;
  • Abschätzung der mittel- und längerfristigen Substitutionsbeziehungen zwischen elektronischen und postalischen Kommunikationsformen – differenziert nach den wichtigsten Bereichen der Briefkommunikation – und deren Folgen für Postunternehmen, Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen in Postunternehmen sowie gewerbliche und private Kunden;
  • Analyse der Chancen kleiner und mittelständischer Unternehmen, an »modernen« Formen der elektronischen oder hybriden Briefkommunikation teilzunehmen;
  • Abschätzung der Auswirkungen des Einsatzes von Informations- und Kommunikationstechnologien auf die Übermittlung von Briefen unter dem Aspekt ökologischer, insbesondere energetischer Folgen ("Green IT");
  • Untersuchung der datenschutzrechtlichen Aspekte sowie der Rechtssicherheit neuer elektronischer oder hybrider Briefdienstleistungen;
  • Berücksichtigung soziokultureller Folgen einer möglichen weitgehenden Substitution herkömmlicher Briefformen durch elektronische.

Zur inhaltlichen Fundierung der o.g. Untersuchungsschwerpunkte sollte das Gutachten somit mindestens folgende Arbeitsschwerpunkte umfassen:

Einführung und Überblick
  • Terminologische Abklärungen und Überblick zum aktuellen Forschungsstand;
  • Überblick zu themenrelevanten Diskussionen und Vorhaben auf der politischen Ebene, insbesondere in Deutschland, bei der EU sowie weiteren ausgewählten Ländern;
  • Technologische Trends und Einsatzpotenziale informations- und kommunikationstechnischer Anwendungen im Briefpostbereich bzw. zur Substitution herkömmlicher Briefpost sowie betriebliche Strategien der Postunternehmen und neuer Aktuere im Bereich der Briefpostdienstleistungen.
Entwicklung des Briefpostmarktes, Substitutionseffekte und Zukunftszenarien
  • Langfristiger und differenzierter Rückblick über die Entwicklung des Briefpostmarktes (Inland-Ausland, Geschäftspost, Behördenpost, Privatpost, Kataloge, Zeitschriften, Zeitungen, »qualifizierte« Briefe, Gewichtsklassen, Postunternehmen, Transportzeiten, interne und externe Kosten, Energieeffizienz etc.);
  • Entwicklung eines Modells (quantitativ und/oder qualitativ) spezifischer Funktionen und Eigenschaften der Briefpost und Gegenüberstellung möglicher Informations- und Kommunikationstechnologien, die diese substituieren bzw. auch qualitativ erweitern können; Abschätzung von Substitutionseffekten;
  • Entwicklung eines Nachfrage- und Substitutionsmodells für den Briefpostmarkt der Zukunft mit der Aufstellung von Szenarien für die nächsten 5, 10 und 25 Jahre.
Ableitung möglicher Folgen aus den Nachfrage- und Substitutionsszenarien unter Berücksichtigung u.a. der folgenden Aspekte:
  • rechtliche und regulatorische Notwendigkeiten, insbesondere in Bezug auf eine gleichmäßige, flächendeckende und kostengünstige Versorgung mit Postdienstleistungen (Universaldienst) sowie das Regulierungsmodell, den Wettbewerb, den Zugang zur Infrastruktur (open access), Standardisierungs- und Normierungsfragen, das Postgeheimnis, die Datensicherheit und den Datenschutz, die Katastrophenvorsorge sowie weitere relevante Aspekte;
  • Folgen für die soziale Situation der Beschäftigten der Postunternehmen (Arbeitsbelastung, Qualifikationsanforderungen, Lohnentwicklung, Vertragsbedingungen) sowie Aspekte der Entwicklung der Nachfrage nach Arbeitskräften bzw. eines möglichen Abbaus von Arbeitsplätzen;
  • Zufriedenheit mit den bestehenden und Anforderungen an neue Postbriefdienste der (öffentlichen, gewerblichen und privaten) Kunden unter Berücksichtigung sozialer wie räumlicher (Stadt-Land) Differenzierungen des demographischen Wandels;
  • Veränderungen des Energieeinsatzes, des Verkehrsaufkommens, des CO2-Ausstoßes und anderer ökologischer und umweltrelevanter Faktoren;
  • soziokulturelle Folgen eines eventuell zu erwarteten weitgehenden Wegfalls von Briefpostdiensten ("Briefkultur", Briefträger als sozialer und zeitlicher Taktgeber, Verbindung mit der Welt etc.).

Das Gutachten soll abschließend Handlungsoptionen für den Deutschen Bundestag entwickeln.

Das Angebot zur Erstellung eines Gutachtens soll neben einem Nachweis der Qualifikation der Auftragnehmer für dieses Themengebiet konkrete Vorschläge zur Umsetzung des Gutachtens machen. Aus Sicht des TAB erscheint es sinnvoll, empirische Arbeitspakete in den Bereichen vorzusehen, in denen nicht auf aktuell verwertbare Daten zurückgegriffen werden kann. Hierzu sind konkrete inhaltliche wie methodische Vorschläge zu machen. Gutachter sollen und können auf vorhandene Arbeiten aufbauen. Dies sollte ggf. im Angebot kenntlich gemacht werden.

Angebote können für alle oder einzelne Teile der Leistungsbeschreibung vorgelegt werden. Kooperationen sind möglich.

Die Bearbeitung des Gutachtens erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Projektteam des TAB.

Termine

  • Abgabetermin für Angebote zur Erstellung eines Gutachtens ist der 12. September 2011.
  • Mit der Bearbeitung des Gutachtens soll nach Möglichkeit am 10. Oktober 2011 begonnen werden.
  • Eine Zwischenberichterstattung erfolgt zum 30. November 2011.
  • Das Gutachten ist bis zum 30. April 2012 abzuschließen.

Hinweise zur Angebotserstellung

Bei der Erarbeitung der Angebote sind die »Hinweise für Gutachter« zu beachten. Insbesondere muss die Kompetenz der Anbietenden aus den Angeboten hervorgehen, und es müssen die beabsichtigte Vorgehensweise und der erforderliche Bearbeitungsaufwand verdeutlicht werden.

Nach unseren Erfahrungen müssen die eingehenden Angebote oft inhaltlich wie kalkulatorisch noch modifiziert werden. Senden Sie uns deshalb zunächst möglichst frühzeitig eine elektronische Version Ihres vollständigen Angebots zusammen mit dem FormblattPDF [0,04 MB] (s.a. Hinweise für Gutachter) an unsere E-Mail-Adresse Sollten wir Ihr Angebot nach Prüfung durch uns in die engere Wahl ziehen und dem Deutschen Bundestag zur Vergabe vorschlagen wollen, werden wir Sie um die Zusendung eines unterschriebenen Original-Angebots an das TAB bitten (Neue Schönhauser Str. 10, 10178 Berlin).

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