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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Vergabe von Gutachten

Inwertsetzung von Biodiversität

Wissenschaftliche Grundlagen und politische Perspektiven

Die Einreichungsfrist für Angebote ist abgelaufen.

Hintergrund

Die ökonomische Bewertung und Inwertsetzung der biologischen Vielfalt wird seit einigen Jahren sowohl auf wissenschaftlicher wie auch politischer Ebene vorangetrieben, eine Entwicklung, die neben methodisch-praktischen auch grundsätzliche Fragen aufwirft. Diese betreffen vor allem mögliche Folgen für Natur und Gesellschaft, die aufgrund der unscharfen Konturen des Untersuchungsgegenstandes und komplexer ökologischer und sozialer Wechselwirkungen hoch umstritten sind. Vor diesem Hintergrund hat das TA-Projekt »Inwertsetzung von Biodiversität« zum Ziel, neben einer methodisch-wissenschaftlichen Bestandsaufnahme die politisch relevanten Problemdimensionen dieses Paradigmenwechsels herauszuarbeiten. Bislang wurden Gutachten zu drei Themenfeldern vergeben, nämlich eine international vergleichende Analyse gesellschaftlicher und politischer Diskurse, ein Überblick über den Stand der Forschung zu ökonomischen Bewertungsansätzen, verbunden mit einer Einschätzung ihrer Grenzen und Reichweite, sowie eine Evaluation marktbasierter Instrumente des Biodiversitätsschutzes (vor dem Hintergrund vergleichbarer Erfahrungen aus dem Klimaschutz). Angesichts der Vielschichtigkeit und Komplexität der Thematik sollen nun in einer zweiten Gutachtenphase weitere Aspekte vertieft werden:

  • Inwertsetzung biologischer Vielfalt: Politikinstrumente jenseits des Naturschutzes
  • der Zusammenhang zwischen biologischer Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen: Stand der Forschung und Forschungsbedarf

Leistungsbeschreibung zu vergebender Gutachten

Die beiden Themenbereiche, die im Folgenden skizziert sind, sollen in enger Abstimmung mit dem TAB bearbeitet werden. Es ist jeweils von einem Bearbeitungsaufwand von drei Personenmonaten auszugehen. Die Komplexität des Untersuchungsgegenstandes und der begrenzte zeitliche Rahmen setzen voraus, dass die Antragssteller bereits über einen fundierten Überblick über die Thematik verfügen.

Thema 1: Inwertsetzung biologischer Vielfalt: Politikinstrumente jenseits des Naturschutzes

Nach dem Vorbild des Klimaschutzes gibt es starke Bestrebungen, den Biodiversitätsschutz stärker ökonomisch auszurichten. Im Vordergrund stehen innovative Finanzinstrumente wie »Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen« oder Habitat Banking, von denen man sich neue Impulse für den Naturschutz erhofft, über deren ökologische Wirksamkeit bislang jedoch kaum etwas bekannt ist. Als besondere Herausforderung einer Wirkungsanalyse erweist sich, dass es sich beim Biodiversitätsschutz um eine ausgesprochene Querschnittsaufgabe handelt, die neben dem Naturschutz zahlreiche weitere Politik- und Rechtsfelder berührt – zu erwähnen sind insbesondere die Agrarpolitik, Forstpolitik und Fischereipolitik. In allen diesen Bereichen kommt eine Vielzahl weiterer Regulierungsinstrumente zur Anwendung (etwa Subventionen, aber auch emissionsbezogene Ansätze), die zwar meist keinen direkten Biodiversitätsbezug haben, sich aber auf indirekte Weise dennoch vielfältig auf die biologische Vielfalt auswirken können. Das Resultat ist ein breiter und unzusammenhängender Instrumentenmix, dessen Gesamtwirkung aufgrund von komplexen Überlagerungen und Wechselwirkungen äußerst schwierig abzuschätzen ist.

Aufgabe des Gutachtens ist es vor diesem Hintergrund, den Blick über die direkt biodiversitätsbezogenen Finanzinstrumente des Naturschutzes hinaus zu weiten und – bezogen auf Deutschland und die EU – Instrumente aus weiteren relevanten Politikbereichen in die Analyse einzubeziehen. In Anlehnung an die Ergebnisse der bereits vorliegenden Gutachten zu den marktbasierten Instrumenten des Biodiversitätsschutzes sollen folgende Fragen bearbeitet werden:

  • Welche Politikinstrumente jenseits des Naturschutzes – speziell aus den Bereichen Agrarpolitik, Forstpolitik, Fischereipolitik – erweisen sich im Hinblick auf den Biodiversitätsschutz als relevant? Gibt es aktuelle Entwicklungen, die hierbei von besonderem Interesse sind (Stichworte GAP, Waldklimafonds)?
  • Wie wirken sich die einzelnen Instrumente auf die biologische Vielfalt aus? Wie spielen sie zusammen und wie könnte ein sinnvoller Instrumentenmix im Hinblick auf einen nachhaltigen Biodiversitätsschutz aussehen? Wie passen die derzeit diskutierten (und bereits bearbeiteten) innovativen Biodiversitätsschutzinstrumente (PES etc.) in das entstehende Bild?
  • Wo bestehen Forschungslücken und Forschungsbedarf?

Thema 2: Der Zusammenhang zwischen biologischer Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen: Stand der Forschung und Forschungsbedarf

Bei der biologischen Vielfalt handelt es sich um einen ebenso facettenreichen wie schwer fassbaren Gegenstand. Direkter Anknüpfungspunkt für Studien im Bereich der ökonomischen Bewertung ist deshalb weniger die abstrakte biologische Vielfalt selber, sondern es sind die direkt nutzenbezogenen Ökosystemdienstleistungen, die eine Brückenfunktion zwischen der komplexen Funktionsweise von Ökosystemen und konkreten menschlichen Interessen (und damit auch ökonomischen Kategorien) erfüllen. Die zunehmende Verengung des Biodiversitätsschutzes auf Ökosystemdienstleistungen, die sich aktuell abzeichnet, wirft jedoch auch Fragen auf, die vor allem den unklaren Zusammenhang mit dem eigentlichen Schutzziel, der biologischen Vielfalt, betreffen. So ist die grundlegende Annahme, dass es sich bei Ökosystemdienstleistungen um genuine Leistungen der Biodiversität handelt, zweifellos nicht verallgemeinerbar. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die komplexen ökologischen Wirkmechanismen, die bei der Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen eine Rolle spielen, noch weitgehend im Dunkeln liegen. In diesem Zusammenhang besteht auch begrifflicher Klärungsbedarf, da es bis jetzt noch keine übergreifende Klassifikation von »Ökosystemdienstleistungen« gibt, die für unterschiedliche Anwendungskontexte geeignet ist.

Das Gutachten soll den Stand der Forschung zu dieser Thematik in möglichst präziser und verständlicher Weise darstellen, sodass ein guter Überblick über das Forschungsfeld in seiner Breite und die noch offenen Fragen entsteht. Dies beinhaltet im Einzelnen die folgenden Punkte:

  • Wie werden Ökosystemdienstleistungen und die biologische Vielfalt definiert/klassifiziert und operationalisiert? Gibt es konkurrierende Ansätze?
  • Was ist der aktuelle Stand des Wissens zum Zusammenhang zwischen der biologischen Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen? Welchen Beitrag leisten die einzelnen Fachdisziplinen dazu? Wo gibt es Forschungslücken und Forschungsbedarf?
  • Lassen sich daraus Schlussfolgerungen für einen nachhaltigen Biodiversitätsschutz ableiten? Inwiefern ist der Fokus auf konkrete Ökosystemdienstleistungen damit vereinbar?
  • Schließlich: Perspektiven der ökologischen Biodiversitätsforschung in Deutschland, auch im Hinblick auf institutionelle Rahmenbedingungen

Termine

  • Abgabetermin für Angebote ist der 24. April 2013.
  • Mit der Bearbeitung der Gutachten soll vorraussichtlich am 15. Mai 2013 begonnen werden.
  • Die Gutachten sind bis zum 15. August 2013 abzuschließen.

Hinweise zur Angebotserstellung

Bei der Erarbeitung der Angebote sind die »Hinweise für Gutachter« zu beachten. Insbesondere muss die Kompetenz der Anbietenden aus den Angeboten hervorgehen, und es müssen die beabsichtigte Vorgehensweise und der erforderliche Bearbeitungsaufwand verdeutlicht werden.

Nach unseren Erfahrungen müssen die eingehenden Angebote oft inhaltlich wie kalkulatorisch noch modifiziert werden. Senden Sie uns deshalb zunächst möglichst frühzeitig eine elektronische Version Ihres vollständigen Angebots zusammen mit dem FormblattPDF [0,04 MB] (s.a. Hinweise für Gutachter) an unsere E-Mail-Adresse Sollten wir Ihr Angebot nach Prüfung durch uns in die engere Wahl ziehen und dem Deutschen Bundestag zur Vergabe vorschlagen wollen, werden wir Sie um die Zusendung eines unterschriebenen Original-Angebots an das TAB bitten (Neue Schönhauser Str. 10, 10178 Berlin).

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