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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Vergabe von Gutachten

CO2-Minderung durch Landnutzung und Forstwirtschaft – ein Update

Die Einreichungsfrist für Angebote ist abgelaufen.

In der Klimapolitik gibt es national und international eine breite Zustimmung zu dem Ziel, den Temperaturanstieg auf maximal 2 Kelvin gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Allerdings mehren sich die Stimmen in Wissenschaft und Politik, die anzweifeln, ob dieses Ziel mit den bekannten Strategien und Maßnahmen zur CO2-Minderung (v.a. Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Substitution kohlenstoffintensiver Energieträger) noch erreicht werden kann.

Hintergrund, zentrale Aspekte des Themas

Strategien zur CO2-Minderung fußen derzeit auf einer Anzahl bekannter Maßnahmen und Technologien (Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Substitution kohlenstoffintensiver Energieträger). In jüngster Zeit werden darüber hinaus auch Ansätze diskutiert, wie man mit technischen Mitteln in den natürlichen CO2-Kreislauf eingreifen könnte – mit dem Ziel einer aktiven Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre.

Hierfür kann man z.B. die Fähigkeit grüner Pflanzen zur CO2-Fixierung nutzen und die dabei gebildete Biomasse so verwerten, dass kein (bzw. wenig) CO2 zurück in die Atmosphäre gelangt. Auch durch Filterung von Umgebungsluft mit technischen Verfahren (sog. »Air Capture«) kann im Prinzip der Atmosphäre CO2 entzogen werden.

Dem Vorteil dieser Konzepte – die Möglichkeit der aktiven Reduzierung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre – steht die Herausforderung gegenüber, dass aufgrund der geringen atmosphärischen Konzentration (ca. 0,03 %) des CO2 der verfahrenstechnische Aufwand, der Energiebedarf und die Kosten zur Gewinnung von CO2 aus der Atmosphäre nicht unerheblich sein werden.

Damit ein positiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann, muss zudem gesichert sein, dass das CO2 nicht zurück in die Atmosphäre gelangt. Neben der Lagerung in geologischen Schichten (Sequestrierung) bestehen hierfür verschiedene andere Möglichkeiten: Unter anderem kann es zum Aufbau von Humusschichten genutzt oder in Karbonaten langfristig gebunden werden (Mineralisierung). Auch die Option, das CO2 nicht zu »entsorgen«, sondern es einer sinnvollen Nutzung zuzuführen wird gegenwärtig verstärkt diskutiert.

In der Diskussion dieser Verfahren wird oft als Vergleichsebene die mögliche CO2-Minderung durch Veränderung von Praktiken der Landnutzung und der Forstwirtschaft herangezogen – in der Terminologie des Weltklimarats IPCC »Land Use, Land Use Change and Forestry, LULUCF«. Dies geschieht einerseits kontrastierend, indem z.B. die Wirksamkeit und Kosteneffizienz »künstlicher Bäume« für Air Capture von CO2 denen einer großflächigen (Wieder-)Aufforstung gegenübergestellt werden. Andererseits lassen sich einige dieser Verfahren auch unter LULUCF subsumieren, z.B. die Nutzung von karbonisierter Biomasse zur Verbesserung der Fruchtbarkeit von Böden (ähnlich der sog. »Terra Preta«) bei gleichzeitiger Fixierung von CO2.

Dass LULUCF ein Schlüsselbereich beim Klimaschutz ist, steht außer Frage. Der IPCC beziffert das Minderungspotenzial dieses Sektors im 2007 erschienenen »Fourth Assessment Report« auf 2,3 bis 6,4 Mrd. Tonnen CO2eq pro Jahr im Bereich der Landwirtschaft sowie 1,3 bis 4,2 Mrd Tonnen CO2eq in der Forstwirtschaft (bei Vermeidungskosten kleiner als 100$ pro Tonne CO2eq). LULUCF weist somit ein höheres Minderungspotenzial auf als jeder andere Sektor (Energieversorgung, Transport, Gebäude und Industrie). Gleichzeitig ist dieses Feld jedoch in den internationalen Klimaverhandlungen notorisch komplex und konfliktreich, und es ist für Nicht-Spezialisten teilweise schwierig den Diskussionssträngen zu folgen. Dies ist jedoch für eine solide Einschätzung und vergleichende Bewertung der verschiedenen Klimaschutzoptionen sowie für die Ableitung von Handlungsmöglichkeiten für die Gestaltung von politischen Rahmenbedingungen unerlässlich. Hierzu soll ein Kurzgutachten einen ersten Beitrag liefern.

Leistungsbeschreibung des zu vergebenden Kurzgutachtens

Die Hauptaufgabe des Kurzgutachtens ist es, eine Übersicht über die aktuelle Literatur und den Erkenntnisfortschritt seit dem im Jahr 2000 erschienenen IPCC Special Report »Land Use, Land-Use Change, and Forestry« sowie dem »Fouth Assessment Report« (2007) zu erstellen. Der Stand der gegenwärtigen Debatte soll aufgearbeitet und übersichtlich zusammengefasst werden. Hierbei soll LULUCF nicht isoliert betrachtet, sondern in eine Gesamtperspektive eingeordnet werden. Die Ergebnisse des Gutachtens sollen als Input für das TAB-Projekt »Technische Optionen zum Management des CO2-Kreislaufs« dienen und eine vergleichende Bewertung von LULUCF und anderen Verfahren des CO2-Managements ermöglichen.

Kriterien, die hierfür herangezogen werden sollten, sind beispielsweise:

  • Klimaschutzpotenzial
  • Realisierbarkeit und Zeithorizont
  • Verifizierbarkeit (Measuring/Monitoring/Accounting)
  • Integration in Emissionshandel bzw. flexible Instrumente
  • Erwünschte und unerwünschte Nebenwirkungen
  • Kosten
  • Hemmnisse (z.B. Flächennutzungskonkurrenzen)
  • Maßnahmen und Instrumente (Eingriffsintensität, Umsetzbarkeit)
  • Öffentliche Wahrnehmung und gesellschaftliche Akzeptanz
  • Weiterer Forschungsbedarf

Die Bereitschaft zur intensiven Diskussion und engen Kooperation mit dem TAB wird vorausgesetzt.

Bei der Erarbeitung der Angebote sind unbedingt die Hinweise für Gutachter zu beachten. Insbesondere muss die Kompetenz der Anbietenden aus den Angeboten hervorgehen, und es müssen die beabsichtigte Vorgehensweise und der erforderliche Bearbeitungsaufwand deutlich werden.

Abgabetermin für die Angebote ist der 13. November 2009

Mit der Bearbeitung des Gutachtens soll voraussichtlich spätestens am 11. Januar 2010 begonnen werden.

Der Abschluss des Gutachtens ist für den 10. März 2010 vorzusehen.

Nach unseren Erfahrungen müssen die eingehenden Angebote oft formal, inhaltlich und/oder kalkulatorisch noch abgestimmt werden. Senden Sie uns deshalb bis zum 13. November 2009 zunächst eine elektronische Version Ihres vollständigen Angebots zusammen mit dem FormblattPDF [0,04 MB] (s.u. Hinweise für Gutachter) an unsere E-Mail-Adresse. Sollte Ihr Angebot nach Prüfung durch uns in die engere Wahl kommen, werden wir Sie um die Zusendung eines unterschriebenen Original-Angebots an das TAB bitten.

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