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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Vergabe von Gutachten

Chancen und Risiken mobiler und digitaler Kommunikation in der Arbeitswelt

Die Einreichungsfrist für Angebote ist abgelaufen.

Thematischer Hintergrund

Durch die Digitalisierung von Arbeits- und Produktionsprozessen verändert sich die Arbeitswelt und mit ihr die Gesellschaft grundlegend. Mobiles Arbeiten mit Notebook, Smartphone und Tablet-PC gehört für viele Menschen bereits zum Alltag. Mobile Geräte ermöglichen örtlich flexibles Arbeiten wie Homeoffice bzw. »Mobile Office«. Darüber hinaus zeichnen sich weitaus grundlegendere Veränderungen in der Art wie wir arbeiten ab: Sowohl traditionelle Formen der Arbeits- als auch der Unternehmensorganisation werden durch die zunehmende Digitalisierung herausgefordert. Zudem gewinnen digital vernetzte Arbeitsmodelle wie »cloud-working« oder »crowd-sourcing« an Bedeutung. Neben dem Wandel in wissensintensiven Berufsfeldern verändert die Digitalisierung von Arbeit auch die Arbeitsorganisation, Arbeitsbedingungen und das Aufgabenspektrum von Beschäftigten in vielen Dienstleistungsbereichen und in der industriellen Produktion (Industrie 4.0). An die Stelle dessen, was in der Vergangenheit als »Normalarbeitsverhältnis« den Arbeitsmarkt und bestehende arbeitsrechtliche Regelungen kennzeichnete, tritt eine zunehmende Flexibilisierung von Beschäftigungsformen und Erwerbsmodellen, die zudem stark durch die räumliche und zeitliche Entgrenzung von Arbeit geprägt sind. Diese Entwicklung konfrontiert sowohl Beschäftigte als auch Unternehmen mit einer Reihe von Herausforderungen.

Vor diesem Hintergrund wurde das TAB vom Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung beauftragt, ein TA-Projekt zu den Chancen und Risiken mobiler und digitaler Kommunikation in der Arbeitswelt durchzuführen. Im Mittelpunkt soll dabei eine Analyse der Auswirkungen auf die Art und Qualität von Beschäftigungsverhältnissen und der damit einhergehenden Potenziale und Problemlagen für Beschäftigte und Unternehmen stehen. Darüber hinaus soll analysiert werden, ob und wie bestehende Arbeitsrechts- und Arbeitsschutzregelungen weiterentwickelt werden können bzw. müssen, um sich an die neuen Arbeitsweisen und die sich damit verändernden Arten der Arbeit anzupassen. Aufgezeigt werden soll, welche Rahmenbedingungen und Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um den anstehenden Wandel in der Arbeitswelt bewältigen zu können.

Leistungsbeschreibung der zu vergebenden Gutachten

Die folgenden Themenbeschreibungen geben den Rahmen für die einzelnen Gutachten vor, wobei eigene Ergänzungen und Akzentsetzungen möglich und erwünscht sind.

Es sollen Gutachten zu folgenden Themenfeldern vergeben werden:

Themenfeld 1: »Mobile und digitale Arbeit in Deutschland – branchenübergreifender Überblick (Kurzgutachten)«

Themenfeld 2: »Istzustand, Trends, Potenziale und Problemlagen einer mobilen und digitalisierten Arbeitswelt: Branchen im Vergleich«

Themenfeld 3: »Regulierung mobiler und digitaler Arbeit – Anforderungen an das Arbeitsrecht« (Verlängerung der Ausschreibung bis 1. September 2014)

Themenfeld 1: »Mobile und digitale Arbeit in Deutschland – branchenübergreifender Überblick«

Die Digitalisierung – der Einsatz von mobilen und digitalen Technologien – betrifft sowohl Unternehmen, den öffentlichen Sektor, Beschäftigte als auch Konsumenten. Sowohl in der industriellen Produktion als auch in Dienstleistungsbereichen verändert sich durch die Digitalisierung die Art und Weise, wie Güter produziert und vertrieben werden. Darüber hinaus verändert die Digitalisierung grundlegend die Art, wie Menschen arbeiten. Aufgabe des Kurzgutachtens ist es, das Phänomen »Digitalisierung von Arbeit« für Deutschland branchenübergreifend anhand eines faktenbasierten Überblicks zu skizzieren.

Spezifische Fragestellungen, die es im Gutachten zu bearbeiten gilt:

  • Was ist digitale Arbeit (Definitions- und Begriffsklärung)?
  • Welche IKT-Technologien und -Anwendungen (Hardware/Software, auch »social media« und »social collaboration tools«) spielen bei der Digitalisierung der Arbeitswelt eine Rolle?
  • Wie verbreitet ist ihr Einsatz in einzelnen Branchen (Überblick auf Basis von aktuellen Daten)?
  • Welche allgemeinen Trends lassen sich skizzieren (Beschäftigungszahlen, Umsatz, Investitionen in IKT-Technologien etc.)?
  • Welche neuen Arbeits- und Geschäftsmodelle entwickeln sich auf Basis der IKT-Technologien?

Termine

  • Abgabetermin für die Angebote ist der 08.08.2014.
  • Mit der Bearbeitung des Gutachtens soll voraussichtlich am 01.10.2014 begonnen werden.
  • Das Gutachten ist spätestens bis zum 30.11.2014 abzuschließen.

Der Bearbeitungsaufwand sollte zwei bis drei Personenmonate nicht wesentlich überschreiten.

Themenfeld 2: »Istzustand, Trends, Potenziale und Problemlagen einer mobilen und digitalisierten Arbeitswelt: Branchen im Vergleich«

Die zunehmende Digitalisierung von Arbeits- und Produktionsprozessen stellt neue Anforderungen sowohl an Beschäftigte als auch an Unternehmen. Diese können jedoch je nach Wirtschaftszweig unterschiedlich ausgeprägt sein: abhängig von der spezifischen Form, dem Tempo und dem Entwicklungsgrad der jeweiligen Digitalisierungsprozesse. Um die Digitalisierung der Arbeitswelt in Deutschland umfassend zu analysieren, sollen Digitalisierungsprozesse in zwei Wirtschaftsbereichen (Produktion und Dienstleistung) beispielhaft beleuchtet werden. Dabei soll das Gutachten entweder ein Beispiel aus dem Produktionsbereich (z.B. Maschinenbau, Anlagenbau, Fahrzeugbau etc.) oder ein Beispiel aus dem Dienstleistungsbereich (z.B. Logistik, Gesundheitswesen, IKT-Hardware und IKT-Dienstleister, Beratung oder auch Kreativ- und Designwirtschaft etc.) bearbeiten.

In einem ersten Schritt soll jeweils eine Auswertung des Istzustands und der sich abzeichnenden Entwicklungen anhand aktueller, repräsentativer Daten und Studien vorgenommen werden.

Spezifische Fragestellungen, die es im Gutachten zu bearbeiten gilt:

  • Charakterisierung der Branche (Unternehmenszahlen, Beschäftigungsstruktur und Identifizierung bestimmter Eigenschaften von Beschäftigten »Qualifikationsstruktur, Lohnniveau«, Umsätze, Entwicklung der Gründerszene, IKT-Investitionen etc.)
  • Verbreitung von IKT-Technologien, Anwendungen am Arbeitsplatz und deren Rolle im Arbeitsalltag (Überblick über technische Kommunikationsinfrastruktur und Ausstattung in Unternehmen/Nutzung von IKT-Geräten und IKT-Anwendungen)
  • Anpassung der betrieblichen Strukturen und der Arbeitsorganisation an die Digitalisierung (z.B. Flexibilisierung von Arbeitszeiten und -orten, projektförmige Arbeit, Team- und Gruppenarbeit, aber auch neue Formen der Selbstständigkeit)

Auf dieser Basis sollen in einem zweiten Schritt die branchenspezifischen Potenziale und Problemlagen, die sich durch die fortschreitende Digitalisierung sowohl für Beschäftigte als auch für Unternehmen ergeben, umfassend analysiert und dargestellt werden. Dabei sollen unter Zuhilfenahme von aktuellen Beispielen die Vor- und Nachteile einer digitalisierten Arbeitswelt für Beschäftigte und Unternehmen beschrieben werden. Dabei sollen, wenn möglich, Praxis- und Unternehmensbeispiele einbezogen werden, die aufzeigen, wie mit den Chancen, aber auch den entstehenden Problemen und Herausforderungen verantwortungsvoll umgegangen werden kann. Im Einzelnen sollte dies folgende Aspekte umfassen:

  • Auswirkungen der Digitalisierung auf die Trennung bzw. Vereinbarkeit von Arbeit und Privatsphäre (»Entgrenzung von Arbeit und Leben«)
  • Formen der Be- und Entlastung der Beschäftigten durch Digitalisierung (z.B. Gesundheitsbeeinträchtigungen durch die Intensivierung von Arbeit, Arbeitserleichterungen durch technische Hilfsmittel, Anforderungen an Ergonomie, Arbeitsmittel, Arbeitsumfeld, Entwicklung eines »digitalen Arbeitsschutzes«)
  • Auswirkungen auf Qualifikation, Fähigkeiten und Kompetenzen der Beschäftigten (Qualifizierung/Dequalifizierung, z.B. IKT-, Selbstorganisations-, Managementkompetenzen etc.) sowie auf Entscheidungsspielräume in der Arbeitsgestaltung (z.B. Routine vs. Wissensarbeiten)
  • Betrieblicher Umgang mit Datenschutz und IT-Sicherheit (z.B. Verhalten im Netz, Umgang mit arbeitsrelevanten und personensensitiven Daten etc.)
  • Abschätzung von strukturellen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt (z.B. Rationalisierungspotenziale, Beschäftigungssicherheit, Prekarisierung, Einkommensentwicklung, Karrierewege, Integration/Desintegration spezifischer Bevölkerungsgruppen (wie z.B. ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, Migranten etc.)

Anhand des dargestellten Istzustands und der abgeleiteten Entwicklung der Branche und der Einordnung von Potenzialen und Herausforderungen für Beschäftigte und Unternehmen sollen in einer abschließenden Reflexion notwendiger Regulierungsbedarf sowie mögliche Lösungsansätze auf betrieblicher Ebene dargestellt und diskutiert werden.

Termine

  • Abgabetermin für die Angebote ist der 18.08.2014.
  • Mit der Bearbeitung des Gutachtens soll voraussichtlich am 01.10.2014 begonnen werden.
  • Das jeweilige Gutachten ist bis zum 30.04.2015 abzuschließen.

Der Bearbeitungsaufwand sollte sechs bis acht Personenmonate nicht wesentlich überschreiten.

Themenfeld 3: »Regulierung mobiler und digitaler Arbeit – Anforderungen an das Arbeitsrecht« (Verlängerung der Ausschreibung bis 1. September 2014)

Obgleich die bestehenden Arbeitsrechts- und Arbeitsschutzgesetze und -regelungen bislang eine bedeutende Schutzfunktion für Erwerbstätige darstellen, bilden sie oft nicht ausreichend die Bedingungen der sich verändernden bestehenden und neuen mobilen und digitalisierten Arbeitsrealität ab. Im Zuge dieser vernetzten und mobilen Arbeitswelten verändert sich die Bedeutung von traditionell definierten Begriffen wie Arbeitszeiten, Entlohnung, Erreichbarkeit etc. und deren gesetzliche und betriebliche Regelung. Viele der sich neu entwickelnden Arbeitsformen wie »Cloud-Working« oder »Crowd-Sourcing« sind arbeitsrechtlich bisher nicht abgedeckt. Angesichts der Heterogenität an Bedürfnissen verschiedener Gruppen von Erwerbstätigen und unterschiedlicher, durch die Digitalisierung geprägter Arbeitsweisen, Arbeitsformen, Arbeitsmittel und Arbeitsorte sowie einer zunehmenden Internationalisierung steht die Regulierung mobiler und digitaler Arbeit zukünftig vor immer größeren Herausforderungen.

Es soll untersucht werden, welche bestehenden Regelungen aus Arbeitsrecht und Arbeitsschutz den sich veränderten Anforderungen in traditionellen Arbeitsverhältnissen sowie in den sich neu entwickelten Beschäftigungsformen ausreichend Rechnung tragen und ob bzw. wo rechtlicher Anpassungsbedarf und Anpassungsmöglichkeiten bestehen (zum Beispiel: 24/7-Erreichbarkeit, Arbeitszeiten, Vergütung, Haftung, Datenschutz, Arbeitsplatzgestaltung, gesundheitlicher Arbeitsschutz). Dabei sollen mögliche Regelungslücken bzw. Grauzonen kritisch betrachtet und diskutiert werden.

Spezifische Fragestellungen, die es im Gutachten zu bearbeiten gilt:

  • Welche aktuellen bestehenden Regelungen aus dem Arbeitsrecht und Arbeitsschutz (gesetzliche und tarifvertragliche Normen, betriebliche Vereinbarungen) sind im Hinblick auf die Digitalisierung der Arbeitswelt relevant?
  • Welche rechtlichen Problemfelder bzw. Herausforderungen entstehen durch die Digitalisierung der Arbeitswelt auf individual- und kollektivrechtlicher Ebene?
  • Welche Regelungslücken existieren, in welchen Bereichen besteht Anpassungsbedarf? Wie könnten Anpassungsmöglichkeiten bzw. veränderte oder neue Regelungen aussehen? Welche Rolle können dabei freiwillige Selbstverpflichtungen (wie z.B. »codes of conduct«) etc. spielen?
  • Welche speziellen arbeitsrechtlichen Problemfelder ergeben sich durch neue Beschäftigungsformen wie »Cloud-Working« und »Crowd-Sourcing« und der damit zunehmenden Soloselbstständigkeit? Welche notwendigen Regulierungs-konsequenzen bzw. Regulierungsansätze zum Schutz dieser Beschäftigtengruppen werden im nationalen und internationalen Kontext diskutiert?

Termine

  • Abgabetermin für die Angebote ist der 01.09.2014.
  • Mit der Bearbeitung des Gutachtens soll voraussichtlich am 15.10.2014 begonnen werden.
  • Das jeweilige Gutachten ist bis zum 28.02.2015 abzuschließen.

Der Bearbeitungsaufwand sollte drei bis vier Personenmonate nicht überschreiten.

Hinweise zur Angebotserstellung

Die Bereitschaft zur intensiven Diskussion und engen Kooperation mit dem TAB wird vorausgesetzt.

Bei der Erarbeitung der Angebote sind die »Hinweise für Gutachter« zu beachten. Insbesondere muss die Kompetenz der Anbietenden aus den Angeboten hervorgehen, und es müssen die beabsichtigte Vorgehensweise und der erforderliche Bearbeitungsaufwand verdeutlicht werden.

Nach unseren Erfahrungen müssen die eingehenden Angebote oft inhaltlich wie kalkulatorisch noch modifiziert werden. Senden Sie uns deshalb zunächst möglichst frühzeitig eine elektronische Version Ihres vollständigen Angebots zusammen mit dem FormblattPDF [0,04 MB] (s.a. Hinweise für Gutachter) an unsere E-Mail-Adresse Sollten wir Ihr Angebot nach Prüfung durch uns in die engere Wahl ziehen und dem Deutschen Bundestag zur Vergabe vorschlagen wollen, werden wir Sie um die Zusendung eines unterschriebenen Originalangebots an das TAB bitten (Neue Schönhauser Str. 10, 10178 Berlin).

Diese Information zur Gutachtenvergabe ist vorbehaltlich der Beauftragung und Mittelbewilligung durch den Deutschen Bundestag.

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