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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Vergabe von Gutachten

Digitale Medien in der Bildung

Die Einreichungsfrist für Angebote ist abgelaufen.

Hintergrund

Die Bedeutung der digitalen, zunehmend internetbasierten Informations- und Kommunikationssysteme (die sogenannten »digitalen Medien«) in Bildung und Ausbildung wächst kontinuierlich. Durch einen Bildungswettbewerb, der zumindest im Hochschulbereich die nationalen Grenzen längst überschritten hat, wird diese Entwicklung noch verstärkt. Und angesichts zum Teil zurückgehender Schülerzahlen einerseits und massiver Verschiebungen zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung andererseits wächst zugleich die Konkurrenz im schulischen Primär- und Sekundärbereich sowie unter Ausbildungsbetrieben und Hochschulen im tertiären Bildungsbereich. Die Anforderungen an innovative und situationsgerechte Lerninhalte und Lernformen steigen, die Ausbildungsangebote werden immer stärker ausdifferenziert. Zugleich wird der kompetente Umgang mit digitalen Medien als Voraussetzung für den Bildungserwerb wie auch für die Teilnahme am Erwerbsleben immer wichtiger.

Auf die Herausforderungen einer immer komplexer werdenden Bildungslandschaft versuchen die Bildungs- und Wissenschaftspolitik mit ihren zuständigen Gremien und Institutionen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sowie die Fachhochschulen und Universitäten seit vielen Jahren u. a. auf der Basis regelmäßiger Evaluationen durch eine Weiterentwicklung ihrer Maßnahmen und Angebote zu reagieren.

Im Hinblick auf den zunehmenden Einsatz von digitalen Medien in allen Bildungsbereichen, ihre Voraussetzungen und Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft wurde auch von der Enquete-Kommission »Internet und digitale Gesellschaft« des 17. Deutschen Bundestages die Permanenz der politischen Aufgabe betont: »Bildung und Forschung sind vom technologischen Wandel stets in besonderer Weise berührt und können vielfach – auch als Vorreiter – von ihm profitieren. Angesichts der fortschreitenden digitalen Vernetzung gilt es daher, Bildung und Forschung in der und für die digitale(n) Gesellschaft teilweise neu zu justieren« (Drs. 17/12029, S. 8).

In der wissenschaftlichen Literatur werden zwar spezifische Aspekte dieser »digitalen Neujustierung« thematisiert, bislang jedoch eher selten mit konkretem Bezug zu den Auswirkungen der digitalen Medien etwa im Hinblick auf (neue) Hemmnisse beim Zugang zu Bildung und Ausbildung und daraus resultierenden ungleichen Bildungsmöglichkeiten oder im Hinblick auf (mögliche) positive Auswirkungen wie Kosteneinsparungen durch die Nutzung offener Bildungsressourcen.

Grundsätzlich stellen sich Fragen nach den Auswirkungen einer »Omnipräsenz« digitaler Medien auf die Leistungsfähigkeit des Ausbildungs- und Bildungssystems, dessen Chancengleichheit und Integrationskraft. Von besonderer individueller und gesellschaftlicher Bedeutung ist die Frage, inwieweit – durch die digitalen Medien zunehmend beeinflusste bzw. geprägte – Bildung den Lebensverlauf hinsichtlich erwerbsbezogener Optionen prägt. Zunehmend in den Fokus geraten auch die verschiedenen Bildungsinstitutionen. Welche Auswirkungen haben die digitalen Medien auf den institutionellen Aufbau des Bildungssystems, auf Schule, duale Ausbildung, Berufsakademien und Hochschulen?

Insgesamt ist ein kompetenter, aktiver Umgang mit digitalen Medien (Medienkompetenz) nicht nur Grundvoraussetzung zur Wahrnehmung von Aus- und Weiterbildungschancen, sondern mittlerweile Basiskompetenz der digitalen Gesellschaft, um an dieser kritisch und reflektiert zu partizipieren – in beruflicher, privater, ökonomischer und politischer Hinsicht. Die Förderung und Gewährleistung von Medienkompetenz muss daher – neben den vom internationalen ökonomischen Wettbewerb geprägten Ausbildungsanforderungen – in der heutigen Gesellschaft als wesentliches Element von Demokratie und Emanzipation angesehen werden. Eine solche Kompetenz entsteht jedoch nicht von selbst durch die Mediennutzung, sondern bedarf der Vermittlung durch entsprechend qualifizierte Lehrende, sei es in Schule und Hochschule oder in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung. Als weitere Voraussetzung ist die Verfügbarkeit von Informations- und Kommunikationssystemen für die Nutzung durch Bildungsinstitutionen und Lernende zu betrachten, die sowohl die Hardware als auch Softwaresysteme und darauf angepasste inhaltliche Angebote umfasst. Im Bildungsbereich stellen sich besondere Anforderungen beispielsweise bezüglich der Zugänglichkeit dieser Systeme, aber auch des Schutzes von Daten.

Das TAB hat sich schon in den 2000er Jahren im Rahmen eines umfangreichen Monitorings zum »eLearning« mit den Aspekten des Einsatzes von digitalen Medien auf EU-Ebene (Hintergrundpapier Nr. 11), in der beruflichen Aus- und Weiterbildung (Arbeitsbericht Nr. 105), in Forschung, Lehre und Weiterbildung in Deutschland (Arbeitsbericht Nr. 107) sowie im Ausland (Hintergrundpapier Nr. 14), mit der Zielgruppenorientierung auf Kinder und ältere Menschen (Arbeitsbericht Nr. 115) sowie in Schulen (Arbeitsbericht Nr. 122) in grundsätzlicher Hinsicht befasst. Ein »Update« insbesondere im Hinblick auf die bildungspolitischen Auswirkungen sowie die ggf. notwendigen Änderungen der Rahmenbedingungen des Einsatzes und der inhaltlichen Vermittlung der neuen digitalen Medien in den verschiedenen Bildungs- und Ausbildungsbereichen erscheint angesichts der schnellen Entwicklung jedoch angebracht.

Leistungsbeschreibung der zu vergebenden Gutachten

Im Rahmen des TAB-Projekts »Digitale Medien in der Bildung« sollen drei Gutachten vergeben werden. Die nachfolgenden Hinweise stellen die inhaltlichen Schwerpunkte für die Erstellung von Gutachtenangeboten dar. Eine Ergänzung, Änderung oder Konkretisierung der Untersuchungsaspekte ist durchaus möglich und sollte ggf. zwischen TAB und potenziellen Auftragnehmern im Rahmen der Angebotserstellung vereinbart werden. Die Bereitschaft zur Diskussion und engen Kooperation mit dem TAB wird vorausgesetzt.

Themenfeld 1: »Zugangs- und Nutzungsbedingungen als substanzielle Voraussetzung zur Wahrnehmung von Bildungschancen«

Der Bearbeitungsaufwand sollte max. 3 Personenmonate betragen

Digitale Kompetenz ist voraussetzungsreich – vom physischen Netzzugang in guter Qualität bis zur intellektuellen Fähigkeit, Informations- und Bildungsangebote kritisch auf deren Inhalte prüfen zu können. Auch die Verfügbarkeit von qualitativ geeigneten inhaltlichen Angeboten sowie der für die Nutzung erforderlichen Hard- und Softwaresysteme ist nicht selbstverständlich gegeben. Der Zugang zu digitalen Medien sowie die kompetente Nutzung von Computern und Internet sind (noch immer) ungleich verteilt (vgl. Ergebnisse der ICILS 2013-Studie). So unterscheiden sich Stadt und ländliche Räume ebenso wie die unterschiedlichen sozialen Schichten, es unterscheiden sich aber auch die einzelnen Bildungsbereiche in Bezug auf Hard- und Softwareauswahl u. v. a. m. Wie wirken sich solche Disparitäten aus, z. B. auf die notwendige »Modernisierung« der Aus- und Weiterbildung?

Insbesondere folgende Bereiche bzw. Fragestellungen sollen behandelt werden:

  • Welche Rolle wird der digitalen Kompetenz für die erfolgreiche Aneignung von Bildung und erwerbsrelevanten Kompetenzen in den unterschiedlichen Lebensabschnitten zugemessen?
  • Wie ist das Zusammenwirken von digitaler Kompetenz und Kompetenzerwerb innerhalb individueller Bildungslaufbahnen?
  • Welche Vermittlungsstrategien von Medienkompetenz bzw. digitaler Kompetenz gibt es und wie erfolgreich sind sie?
  • Welche Einflussfaktoren spielen eine Rolle bei der ungleichen Verteilung von Medien- bzw. digitaler Kompetenz? Welche Unterschiede bestehen dabei zwischen den Bildungsbereichen bzw. den Phasen des lebenslangen Lernprozesses?
  • Wie steht es um die Verfügbarkeit von inhaltlichen Bildungsangeboten sowie von Hard- und Softwaresystemen in den unterschiedlichen Bildungsbereichen (vom Kindergarten bis zur beruflichen Bildung)? Welche Unterschiede lassen sich bezüglich der Qualität beobachten? Wie ist das Angebot wirtschaftlich bzw. institutionell organisiert?

Themenfeld 2: »Neue Typen digitaler Angebote«

Der Bearbeitungsaufwand sollte max. 3 Personenmonate betragen

Die Phänomene des »social web«, »augmented reality« oder »serious games« werfen (neue) Fragen nach einer »angemessenen« Medienkompetenz, neuen Bildungsformen, aber auch nach Datenschutz und Persönlichkeitsrechten auf. Mit heutigen digitalen Anwendungsmöglichkeiten können Nutzer nicht nur vielfältige Informationen abrufen oder Lernwelten erfahren, sondern sie können selbst Informationen generieren und sich mit anderen Lernenden zu Gemeinschaften zusammenschließen.

Insbesondere folgende Bereiche bzw. Fragestellungen sollen behandelt werden:

  • Welche Auswirkung haben die damit einhergehenden Veränderungen in den Bildungsbereichen auf die Lehr- und Lernmethoden?
  • Wo bestehen welche Notwendigkeiten zu Innovationen der Aus- und Weiterbildung der Lehrenden?
  • Wie ist die Sicherheit von Daten zu gewährleisten, auch im Hinblick auf den Jugendmedien- und Urheberrechtsschutz?
  • Welche weiteren Rahmenbedingungen (neben Datensicherheit und Urheberrecht) werden durch die Veränderungen im Bildungsbereich durch digitale Medien berührt bzw. haben selbst einen Einfluss auf den Veränderungsprozess?
  • Welche „best practices“ des Umgangs mit neuen Typen digitaler Angebote lassen sich beobachten, auch im internationalen Vergleich?
  • Welche Auswirkungen haben diese Veränderungen für die institutionelle Struktur der Bildung?

Themenfeld 3: »Digitale Medien als umfassend angewandte Kulturtechnik«

Der Bearbeitungsaufwand sollte max. 3 Personenmonate betragen

In einer übergeordneten Perspektive lässt sich etwa die Fragestellung formulieren, inwieweit die digitalen Medien als umfassend angewandte Kulturtechnik sowohl die bildungspolitischen Rahmenbedingungen als auch die Bildungsinhalte, -methoden und -erfolge (grundsätzlich bzw. substanziell) verändern bzw. solche Veränderungen erfordern.

Insbesondere folgende Bereiche bzw. Fragestellungen sollen behandelt werden:

  • Was sind die Folgen, wo liegen Risiken, worin begründen sich welche Chancen? Wo fordern omnipräsente neue digitale Medien ein bildungspolitisches Umdenken ein?
  • Welche Anforderungen an digitale Kompetenz lassen sich von Seiten des Arbeitsmarktes zukünftig erwarten?
  • Welche Hemmnisse bestehen bislang beim Einsatz digitaler Medien in den unterschiedlichen Bildungsbereichen und -institutionen?
  • Wo bestehen Regelungsnotwendigkeiten in den einzelnen Bildungsbereichen, z. B. im Hinblick auf Abstimmung von IT-Systemen in Schulen und Hochschulen (oder Regelungen des Urheberrechts)?
  • Welche Einrichtungen der Qualitätssicherung für medienbasierte Bildungsangebote existieren aktuell und wie lassen sich diese an die zunehmend ubiquitäre digitale Bildung anpassen? Welche Formen der Zertifizierung sind angemessen für digitale Kompetenz in den unterschiedlichen Bildungsbereichen?

Termine

  • Abgabetermin für Angebote ist der 23.02.2015.
  • Die Bearbeitung der Gutachten soll vorraussichtlich am 15.05.2015 beginnen.
  • Die Gutachten müssen bis zum 31.07.2015 abgeschlossen sein.

Hinweise zur Angebotserstellung

Bei der Erarbeitung der Angebote sind die »Hinweise für Gutachter« zu beachten. Insbesondere muss die Kompetenz der Anbietenden aus den Angeboten hervorgehen, und es müssen die beabsichtigte Vorgehensweise und der erforderliche Bearbeitungsaufwand verdeutlicht werden.

Senden Sie uns möglichst frühzeitig eine elektronische Version Ihres Angebots zusammen mit dem FormblattPDF [0,04 MB] (s.a. Hinweise für Gutachter) an unsere E-Mail-Adresse . Nach unseren Erfahrungen müssen die eingehenden Angebote oft inhaltlich wie kalkulatorisch noch geändert werden. Sollten wir Ihr Angebot nach Prüfung durch uns in die engere Wahl ziehen und dem Deutschen Bundestag zur Vergabe vorschlagen wollen, werden wir Sie um eine entsprechende Modifizierung sowie hernach um die Zusendung eines unterschriebenen Originalangebots an das TAB bitten (Neue Schönhauser Str. 10, 10178 Berlin).

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