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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Vergabe von Gutachten

Herausforderungen für die Pflanzenzüchtung

Die Einreichungsfrist für Angebote ist abgelaufen.

Thematischer Hintergrund

Die Pflanzenzüchtung trägt erheblich zum Erhalt und zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität bei. Außerdem spielt sie eine wichtige Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel und bei der effizienteren Nutzung von Betriebsmitteln. Pflanzenzüchtung ist forschungsintensiv und auf das Zusammenspiel von öffentlicher und privater Forschung angewiesen.

International unterliegt die Pflanzenzüchtung einem erheblichen Strukturwandel. Viele Züchtungsunternehmen sind von multinationalen Agrochemieunternehmen übernommen worden. Die zehn größten Unternehmen haben mittlerweile einen Anteil von mehr als 60 % am globalen Saatgutmarkt. Dieser Konzentrationsprozess ist eng verknüpft mit der Entwicklung und Anwendung moderner Biotechnologien. Insbesondere die mit der Gentechnik verbundenen sehr hohen FuE-Kosten haben dazu geführt, dass nur wenige multinationale Unternehmen mit der notwendigen Finanzkraft entstanden und hier aktiv sind. Zu dieser Entwicklung gehört weiterhin, dass neben den klassischen Schutzrechten des Sortenschutzes das Patentrecht zunehmend Bedeutung für die Pflanzenzüchtung gewonnen hat. Züchtungsrelevante Patente aus dem Bereich der modernen Biotechnologie sind ebenfalls stark bei multinationalen Unternehmen konzentriert. Der weltweite Strukturwandel in der Züchtungsbranche ist auch in Deutschland spürbar, aber die deutsche Pflanzenzüchtung ist nach wie vor mittelständisch geprägt, mit etwa 60 Unternehmen mit eigenen Zuchtprogrammen. Insbesondere im Bereich der Kulturarten mit Nachbau (Getreide, Grobleguminosen, Kartoffeln) bestehen allerdings wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Im Jahr 2013 waren in Deutschland über 3.000 Sorten (landwirtschaftliche Kulturpflanzen und Gemüse) zugelassen. Trotz dieser Sortenvielfalt ist die genetische Vielfalt der Sorten in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Züchterische Vielfalt ist einerseits ein wichtiger Faktor, der die Biodiversität in der Landwirtschaft beeinflusst. Andererseits ist Züchtungsfortschritt auf Vorhandensein und Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen angewiesen. Neuere Ansätze wie Züchtung für den ökologischen Landbau und Multilinienzüchtung können zur Erhaltung landwirtschaftlicher Biodiversität beitragen.

Leistungsbeschreibung zu vergebender Gutachten

Ziel der Untersuchung ist ein Überblick über Potenziale und Aufgaben, Stärken und Schwächen der deutschen (konventionellen und ökologischen) Pflanzenzüchtung gegenüber den Herausforderungen einer ressourcenschonenden, nachhaltigen Landwirtschaft angesichts von Klimawandel, Bedürfnissen einer weiter wachsenden Weltbevölkerung sowie dem Biomassebedarf einer zukünftigen Bioökonomie. Hierbei sollen die Potenziale sowohl von »HighTech«-Ansätzen (u.a. Genome-Editing-Verfahren) als auch von biodiversitätsorientierter Sortenentwicklung (u.a. Multilinien) in den Blick genommen werden.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Das Projekt legt keinen Schwerpunkt auf die Frage, ob die seit einiger Zeit heftig diskutierten, unterschiedlich bezeichneten neuen Züchtungstechnologien (v.a. die sog. Genome-Editing-Verfahren) in jedem Fall im bisherigen rechtlichen Sinn als gentechnische Methoden anzusehen sind und was das für die zukünftige Regulierung bedeuten kann. Es ist absehbar, dass die Beantwortung dieser Frage, die insbesondere von der EU-Kommission seit längerem erwartet wird, einen Einfluss auf die Nutzung der entsprechenden Technologien durch Pflanzenzuchtunternehmen haben wird. Allerdings ist völlig unabsehbar, wie lange sich der Meinungsbildungs- und Rechtssetzungsprozess noch hinziehen wird und mit welchem Ergebnis er enden wird.

Der vergütbare Bearbeitungsaufwand für jedes der Kurzgutachten beträgt circa drei Personenmonate. Die Vorlage der Kurzgutachten muss bis zum 15.11.2016 erfolgen (weitere Termine s.u.).

Eine Einreichung kombinierter Angebote für mehrere Themenfelder ist möglich und durchaus erwünscht.

Die Auswertung und Zusammenführung der Teilgutachten in einem Berichtsentwurf sollen im Frühjahr 2017 als Grundlage für eine Diskussion mit Experten und Stakeholdern zu den Gestaltungsmöglichkeiten einer besseren Verzahnung von öffentlicher und privater, konventioneller und ökologischer Züchtungsforschung dienen. Ein weiterer Diskussionspunkt sollen Handlungsoptionen im Bereich der geistigen Schutzrechte sein, u.a. mit Blick auf die Situation bei den Nachbaugebühren.

Themenfeld 1: Strukturwandel und seine Bestimmungsgründe in der Pflanzenzüchtung – ein Überblick

Das Kurzgutachten soll einen komprimierten Überblick zu internationalen und nationalen Entwicklungen unter Rückgriff auf vorliegendes Datenmaterial umfassen. Mögliche Teilfragen lauten:

  • Wichtige Kenndaten internationaler Pflanzenzuchtunternehmen (Unternehmen, Umsätze, Marktanteile, Beschäftigte, Züchtungsschwerpunkte wie Kulturarten und Züchtungsverfahren)
  • Wichtige Kenndaten deutscher Pflanzenzuchtunternehmen (Unternehmen, Umsatz, Marktanteil, Beschäftigte, Züchtungsschwerpunkte wie Kulturarten und Züchtungsverfahren)
  • Abriss der Entwicklung der Züchtungsbranche in Deutschland und global in den letzten Jahrzehnten
  • Bestimmungsgründe für den Strukturwandel in der Pflanzenzüchtung – Einflüsse neuer Züchtungstechnologien (z.B. Biotechnologie, Grüne Gentechnik), Rechtsrahmen (z.B. Patentrecht), Wachstumsgrenzen der klassischen Agrochemieindustrie, Agrarstruktur und -handel etc.
  • Ausblick: Wie könnte es weiter gehen? Prognosen und Szenarien

Themenfeld 2: Züchtungsziele und -technologien in der konventionellen und der ökologischen Pflanzenzucht: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Der Fokus soll auf Deutschland liegen und folgende Teilfragen umfassen:

  • Konventionelle Züchtung – Bereich Nahrungs- und Futtermittel: Zuchtziele, Schwerpunkte Kulturarten, Zuchtprogramme, genutzte Züchtungstechnologien/-verfahren, Anzahl neuer Sorten in den letzten zehn Jahren
  • Konventionelle Züchtung – Bereich nachwachsende Rohstoffen: Zuchtziele, Schwerpunkte Kulturarten, Zuchtprogramme, genutzte Züchtungstechnologien/-verfahren, Anzahl neuer Sorten in den letzten zehn Jahren
  • Ökologische Züchtung: Zuchtziele, Schwerpunkte Kulturarten, Zuchtprogramme, genutzten Züchtungstechnologien/-verfahren, spezifische Züchtungsansätze wie Multilinien,
  • Vergleichende Betrachtung: Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Pflanzenzuchtbereichen
  • Ausblick zu erwartender Einfluss neuer Züchtungstechnologien (v.a. sog. Genome-Editing-Verfahren) auf Züchtungsziele und -schwerpunkte

Themenfeld 3: Öffentliche und private Forschungsaktivitäten: Stärken und Schwächen bei Kulturarten und Sorteneigenschaften

Entsprechend dem vergütbaren Bearbeitungsaufwand kann von dem Kurzgutachten keine detaillierte Datenerhebung erwartet werden, sondern vielmehr eine semiquantitative Gesamtschau auf Basis verfügbarer Zahlen und Daten. Teilfragen sollten sein:

  • Öffentliche Züchtungsforschung von Ländern, Bund und EU: Forschungsprogramme, Fördervolumen, Förderinstrumente, Themenfelder, Schwerpunkte bei welchen Kulturarten und Sorteneigenschaften
  • Private Züchtungsforschung von Züchtungsunternehmen: Forschungsaufwendungen, Forschungsansätze, Themenfelder, Schwerpunkte bei welchen Kulturarten und Sorteneigenschaften
  • Kooperationen zwischen öffentlicher und privater Züchtungsforschung (Public-Private-Partnership etc.): Schwerpunkte bei welchen Kulturarten und Sorteneigenschaften
  • Zusammenfassende Einschätzung der Stärken und Schwächen der deutschen Züchtungsforschung

Themenfeld 4: Genetische Diversität, Sorten-, Kulturarten- und Anbauvielfalt in der konventionellen und der ökologischen Landwirtschaft

Auch zu diesem Themenfeld kann im Rahmen des Kurzgutachtens keine umfassende quantitative Analyse erfolgen, aber eine fundierte Darstellung folgender Teilaspekte:

  • Sehr kurze Skizze zur Bedeutung von Biodiversität in der Landwirtschaft
  • Status quo der Agrobiodiversität (genetische Diversität, Sorten-, Kulturarten- und Anbauvielfalt): Vergleich der Situation in der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft
  • Entwicklungstendenzen und Ursachen für den Verlust von Vielfalt: Einfluss von Agrarpolitik, ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie öffentlicher Förderung/Subventionen etc.
  • Aktivitäten von Stakeholdern – Erfolge/Misserfolge bei der Förderung bzw. dem Erhalt von Biodiversität in der Landwirtschaft
  • Ausblick: Mögliche Beiträge der Pflanzenzüchtung zur Erhöhung der Agrobiodiversität

Themenfeld 5: Herausforderungen und Lösungsansätze im Spannungsfeld von Sorten- und Patentschutz

Das Kurzgutachten soll einen komprimierten Überblick zur internationalen und nationalen Situation und Debatte geben. Wichtige Teilfragen sind:

  • Kurze Darstellung der Entwicklung des Sortenrechts auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene
  • Kurze Darstellung der Entwicklung des Patentrechts in der Biotechnologie/Pflanzenzucht auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene
  • Aktuelle Debatte zu Sortenrecht, Nachbaugebühren und Patentierung in der Pflanzenzucht in Deutschland – Positionen und Kontroversen
  • Vorliegende Vorschläge zur Weiterentwicklung von Sorten- und Patentschutz

Termine

  • Abgabefrist für Angebote ist der 07.06.2016.
  • Mit Bearbeitung der Gutachten kann voraussichtlich am 15.07.2016 begonnen werden.
  • Die Vorlage der Gutachten muss bis zum 15.11.2016 erfolgen.

Hinweise zur Angebotserstellung

Die Bereitschaft zur intensiven Diskussion und engen Kooperation mit dem TAB wird vorausgesetzt.

Bei der Erarbeitung der Angebote sind die »Hinweise für Gutachter« zu beachten. Insbesondere muss die Kompetenz der Anbietenden aus den Angeboten hervorgehen, und es müssen die beabsichtigte Vorgehensweise und der erforderliche Bearbeitungsaufwand verdeutlicht werden.

Nach unseren Erfahrungen müssen die eingehenden Angebote oft inhaltlich wie kalkulatorisch noch modifiziert werden. Senden Sie uns deshalb zunächst eine elektronische Version Ihres vollständigen Angebots zusammen mit dem Formblatt PDF [0,04 MB](s.a. Hinweise für Gutachter) an unsere E-Mail-Adresse . Sollten wir Ihr Angebot nach Prüfung durch uns in die engere Wahl ziehen und dem Deutschen Bundestag zur Vergabe vorschlagen wollen, werden wir Sie um die Zusendung eines unterschriebenen Originalangebots an das TAB bitten (Neue Schönhauser Str. 10, 10178 Berlin).

Die vorgesehene Gutachtenvergabe zu den genannten Terminen erfolgt vorbehaltlich der rechtzeitigen Mittelbewilligung durch den Deutschen Bundestag.

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