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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Vergabe von Gutachten

Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme

Die Einreichungsfrist für Angebote ist abgelaufen.

Thematischer Hintergrund

Die Landwirtschaft in Deutschland und der EU unterliegt einem kontinuierlichen Strukturwandel hin zu stärker spezialisierten und größeren Betrieben. Die Intensivierung gilt als Ursache zunehmender Umweltbelastungen vor allem hinsichtlich Boden, Wasser, Klima und biologischer Vielfalt. Vor diesem Hintergrund gibt es seit Jahren eine breite und kontroverse Diskussion, welche Betriebsgrößen und Formen der Landbewirtschaftung und Lebensmittelproduktion den Zielsetzungen einer nachhaltigen Landwirtschaft am besten entsprechen. Dabei wird in der Debatte oftmals eine simplifizierende Gegenüberstellung von kleinstrukturierter, bäuerlicher und ökologischer Landwirtschaft auf der einen Seite und industriell organisierter, konventioneller Landwirtschaft mit Großbetrieben auf der anderen Seite vorgenommen. Eine solche Polarisierung bildet jedoch die tatsächliche Vielfalt der vor allem regional unterschiedlichen Bedingungen und Herausforderungen der Landwirtschaft nicht ab.

Bisherige Ansätze einer Nachhaltigkeitsbewertung konzentrieren sich einerseits auf den einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb und andererseits auf den gesamten Agrarsektor. Zur Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Betriebe hat die Food and Agriculture Organization (FAO) einen allgemeinen Rahmen zur Nachhaltigkeitsbewertung (Sustainability Assessment of Food and Agriculture Systems [SAFA]) von Wertschöpfungsketten bzw. Unternehmen im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittel vorgelegt. In Deutschland und der Schweiz gibt es verschiedene Ansätze zur Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Betriebe.

Eine Nachhaltigkeitsbewertung der deutschen Landwirtschaft insgesamt erfolgt beispielsweise im Rahmen der Berichtserstattung zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, hier mit drei unmittelbar relevanten Indikatoren (Artenvielfalt und Landschaftsqualität in der Agrarlandschaft, Stickstoffüberschuss sowie Flächenanteil ökologischer Landbau). Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) legt seit 2015 jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht für den deutschen Agrarsektor vor, der neben Indikatoren aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung einen aggregierten Nachhaltigkeitsindex umfasst.

Aggregationsstufen zwischen dem einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb und dem gesamten Agrarsektor hingegen sind bisher kaum erfasst. Lediglich zum Vergleich von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft erschienen in den letzten Jahren zahlreiche Veröffentlichungen, wobei meist spezifische Aspekte wie Ertragsniveau, ökologische Wirkungen oder wirtschaftliche Ergebnisse verglichen wurden.

Eine bessere Erkenntnislage bei der Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme ist für die zukünftige Agrar- und Umweltpolitik auf nationaler und europäischer Ebene von zentraler Bedeutung. Dass enorme Herausforderungen bei der notwendigen nachhaltigen Ausgestaltung der Landwirtschaft bestehen, ist interessen-, partei- und akteursübergreifender Konsens und wurde im Kontext der Internationalen Grünen Woche Anfang 2017 als zentrale Zukunftsaufgabe für Politik, Gesellschaft und Wissenschaft breit kommuniziert. Dabei geht es insbesondere darum, den weiteren landwirtschaftlichen Strukturwandel möglichst sozial- und umweltverträglich zu gestalten sowie den Verlust landwirtschaftlicher Betriebe zu minimieren.

Leistungsbeschreibung der zu vergebenden Gutachten

Ziel der Untersuchung ist, einen Überblick über den Agrarstrukturwandel, seine Ursachen und Nachhaltigkeitsrelevanz sowie den Stand und die Perspektiven einer Nachhaltigkeitsbewertung auf verschiedenen landwirtschaftlichen Systemebenen zu gewinnen. Hierbei sollen exemplarisch am Beispiel des Vergleichs von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft Probleme und Lösungsansätze der Systemabgrenzung, Datenverfügbarkeit, Methodenentwicklung sowie Validität und Interpretierbarkeit von Vergleichen für eine Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme diskutiert werden.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Das Projekt zielt nicht auf eine vollständige vergleichende Nachhaltigkeitsbewertung von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft. Dahinter steht die Einschätzung, dass noch Schritte der Konzeptdiskussion, Methodenentwicklung, Datenerschließung und -aggregation, Ergebnisaufbereitung sowie Stakeholderbeteiligung notwendig sind, bis eine umfängliche vergleichende Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme möglich ist.

Der vergütbare Bearbeitungsaufwand für die Gutachten in den Themenfeldern 1 und 2 beträgt 4 bis 5 Personenmonate, für das Gutachten im Themenfeld 3 5 bis 6 Personenmonate. Die Vorlage der Gutachten in den Themenfeldern 1 und 2 muss bis zum 30.10.2017, die Vorlage des Gutachtens im Themenfeld 3 bis zum 31.01.2018 erfolgen (weitere Termine s.u.).

Eine Einreichung kombinierter Angebote für mehrere Themenfelder ist möglich.

Die Bereitschaft zur intensiven Diskussion und engen Kooperation mit dem TAB wird vorausgesetzt. Während der Gutachtenerstellung findet mindestens ein gemeinsames Arbeitstreffen im TAB in Berlin statt.

Themenfeld 1: Analyse des landwirtschaftlichen Strukturwandels

Das Gutachten soll einen komprimierten Überblick zum deutschen (und europäischen) Agrarstrukturwandel unter Rückgriff auf vorliegende Analysen und Daten geben. Folgende Teilfragen sollen bearbeitet werden:

  • Vielfalt der aktuellen landwirtschaftlichen Betriebsstrukturen in Deutschland (im Hinblick auf z.B. Betriebsgröße, Betriebseinkommen, Rechtsform, Produktionsausrichtung, konventionelle und ökologische Betriebe; unter Berücksichtigung regionaler Ausprägungen);
  • Kurzüberblick Agrarstrukturen in der EU (im Vergleich zu Deutschland);
  • Veränderungsdynamiken in der deutschen (und europäischen) Landwirtschaft – Entwicklungen in der Vergangenheit und Tendenzen für die Zukunft;
  • Definitionen und Verständnisse unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure von bäuerlicher und industrieller Landwirtschaft;
  • technologische, ökonomische, soziale und politische Treiber (Ursachen) des Agrarstrukturwandels;
  • Nachhaltigkeitsrelevanz des Strukturwandels bzw. vom Strukturwandel beeinflusste Nachhaltigkeitsprobleme (national und international, z.B. Futtermittelanbau in Brasilien, Landwirtschaft in Regionen mit Wasserstress etc.).

Themenfeld 2: Stand und Perspektiven der Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Betriebe und des Agrarsektors in Deutschland und international

Der Fokus soll auf bestehende Ansätze der Nachhaltigkeitsbewertung liegen und folgende Teilfragen umfassen:

  • vergleichender Überblick zum Stand der Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Betriebe im deutschsprachigen Raum (Kontext, Methoden, Indikatoren, Datenlage, Ergebnisdarstellung, Stand der Anwendung, Stärken und Schwächen);
  • Perspektiven der Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Betriebe (hinsichtlich Methoden, Vereinheitlichung und Nutzung);
  • internationale Ansätze der Nachhaltigkeitsbewertung von Wertschöpfungsketten bzw. Agrarrohstoffen (wie Palmöl, Soja, Biokraftstoffe) und Unternehmen im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittel (Kontext, Methoden, Indikatoren, Anwendung, Stärken und Schwächen) sowie Implikationen für die Nachhaltigkeitsbewertung der deutschen Landwirtschaft;
  • Stand der Nachhaltigkeitsbewertung (bzw. -monitoring) des deutschen Agrarsektors (Indikatoren im Rahmen der Berichterstattung zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, mittelbar relevante Indikatoren im Rahmen anderer nationaler Berichterstattungen, andere Nachhaltigkeitsberichte) sowie Einschätzung ihrer Aussagekraft;
  • Überblick Sustainable Development Goals der UN; bisherige und künftige Relevanz für eine Nachhaltigkeitsbewertung des deutschen Agrarsektors; Perspektiven der Umsetzung in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie durch weitere Ziele/Indikatoren;
  • Möglichkeiten der Verknüpfung mikroskaliger (z.B. auf Ebene des Einzelbetriebs) und makroskaliger Bewertung (z.B. im Zuge der Berichterstattung der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie).

Themenfeld 3: Vergleich von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft als Beispiel einer vergleichenden Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme

Von diesem Gutachten kann entsprechend dem vergütbaren Bearbeitungsaufwand keine abschließende vergleichende Nachhaltigkeitsbewertung von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft erwartet werden, sondern vielmehr eine Aufbereitung vorliegender Vergleichsergebnisse sowie Vorschläge für die konzeptionelle Weiterentwicklung einer vergleichenden Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme. Teilfragen sind:

  • Überblick zum Kenntnisstand beim Vergleich konventioneller und ökologischer Landbewirtschaftung (Produktionsniveau, Ökonomie, Ökologie, Soziales);
  • Verfügbarkeit von Daten für einen systemaren Vergleich von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft: vorhandene Daten, bestehende Datenlücken und Möglichkeiten zur Erschließung notwendiger Daten;
  • Qualität von Indikatordaten: Validität, Interpretierbarkeit und Vergleichbarkeit verfügbarer Daten, insbesondere im Hinblick darauf, ob die Variation der Nachhaltigkeitsperformance innerhalb landwirtschaftlicher Systeme ausreichend abgebildet wird;
  • Systemdefinition und -abgrenzung: Diskussion der Fragen, welche landwirtschaftlichen Systeme auf welcher Aggregationsstufe sinnvollerweise verglichen werden können und sollten und wie nationale Vergleiche angesichts der globalen Vernetzung von Agrarmärkten einzuschätzen sind;
  • Perspektiven der Weiterentwicklung des Vergleichs konventioneller und ökologischer Landwirtschaft als vergleichende Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme;
  • notwendige Schritte und evtl. bestehender Forschungsbedarf hin zu einer Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme (Konzept, Datenerhebung und aufbereitung, Interpretation).

Termine

  • Abgabefrist für alle Angebote ist der 02.05.2017.
  • Mit der Bearbeitung der Gutachten soll voraussichtlich ab dem 01.07.2017 begonnen werden.
  • Die Vorlage der Gutachten in den Themenfeldern 1 und 2 muss bis zum 30.10.2017, die Vorlage des Gutachtens im Themenfeld 3 bis zum 31.01.2018 erfolgen.

Die Gutachtenvergabe und -erstellung innerhalb der vorgesehenen Zeiträume erfolgt vorbehaltlich der rechtzeitigen Beauftragung durch den Deutschen Bundestag.

Hinweise zur Angebotserstellung

Bei der Erarbeitung der Angebote sind die »Hinweise für Gutachter« zu beachten. Insbesondere muss die Kompetenz der Anbietenden aus den Angeboten hervorgehen, und es müssen die beabsichtigte Vorgehensweise und der erforderliche Bearbeitungsaufwand verdeutlicht werden.

Bitte senden Sie uns bis zur oben genannten Abgabefrist eine elektronische Version Ihres vollständigen und unterschriebenen Angebots zusammen mit dem Formblatt PDF [0,04 MB] (s. a. Hinweise für Gutachter) an unsere E-Mail-Adresse . Sie erhalten sodann eine Eingangsbestätigung von uns.

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