Machbarkeitsstudie zu einem "Forum für Wissenschaft und Technik"
TAB-Arbeitsbericht Nr. 044. Berlin 1996, 216 Seiten
Zusammenfassung
Aufgaben und Aktivitäten des Forums
Das Forum für Wissenschaft und Technik versteht sich als Ort, an dem die verschiedenen, oft gegensätzlichen, Sichtweisen auf Wissenschaft und Technik zur Sprache kommen und Gelegenheit zum Austausch haben. An der Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit kommt dabei der Ermöglichung der Kommunikation zwischen Experten und Laien besondere Bedeutung zu. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, sind Aktivitäten des Forums in drei Bereichen erforderlich:
- Es bedarf zum einen eines sich an ein breites Publikum richtenden Ausstellungsbereiches, der Wissenschaft nicht als solche, sondern in ihren gesellschaftlichen Bezügen und als Gegenstand unterschiedlicher gesellschaftlicher Bewertungen zeigt.
- Es bedarf umfangreicher, bundesweit "sichtbarer" und für alle Interessenten - insbesondere auch für Laien - offener Tagungs- und Diskussionsangebote, die von den Themen und den Zielsetzungen her über die in Science Centern üblichen ausstellungsbegleitenden Bildungsangebote hinausgehen.
- Und es bedarf schließlich des Aufbaus eigener wissenschaftlicher Kompetenz zum Thema "Wissenschaft/Technik und Öffentlichkeit", die das Forum als Zentrum auch der wissenschaftlichen Reflexion über Ursachen, Strukturen sowie Möglichkeiten der Gestaltung öffentlicher Auseinandersetzungen über Wissenschaft und Technik auszuweisen in der Lage ist.
Das Forum kann sich durch diese drei Tätigkeitsbereiche als wissenschaftlich kompetente, dem Diskurs verpflichtete, für alle gesellschaftlichen Gruppen und Positionen offene Institution ausweisen. Nach einer ersten planerischen Prüfung und einer ersten Skizze zum Ausbau der für die Ausstellungen vorgesehenen "Lokhalle" scheinen die in Göttingen (in Gestalt des dort in Entwicklung befindlichen "Otto-Hahn-Zentrums") vorhandenen baulichen Gegebenheiten für die Realisierung des vorgeschlagenen Gesamtkonzeptes geeignet zu sein.
Ausstellungen
Die Ausstellungen im "Forum für Wissenschaft und Technik" sollen, entsprechend der Aufgabenstellung als bundesweites Diskussionsforum über Wissenschaft und Technik, unter dem Motto "Science in Context" stehen. Wissenschaft und Technik sollen nicht als solche thematisiert, sondern in ihren politischen, ökonomischen und sozialen Bezügen und Bedeutungen transparent gemacht werden.
Die Erarbeitung eines konkreten Ausstellungskonzeptes erfordert eine langfristige und intensive Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Ausstellungsexperten. Alleine für die Konzipierung einer größeren Ausstellung bis hin zu konkreten Anweisungen für deren gestalterische Umsetzung, dem sogenannten "Drehbuch", setzen Ausstellungsexperten einen Zeitraum von 2-3 Jahren an. Im vorliegenden Bericht kann daher für drei Ausstellungsthemen - Science in Context, Multimedia, Hirnforschung - lediglich eine Stoffsammlung mit Gestaltungshinweisen vorgelegt werden, die als Grundlage für ein noch zu entwickelndes Ausstellungskonzept dienen können. Für das Thema "Analyse des menschlichen Genoms" wird exemplarisch ein Vorschlag zur konkreten Umsetzung vorgelegt.
Kernausstellung: "Science in Context"
Die Kernausstellung soll die besondere Perspektive, die das Forum auf Wissenschaft und Technik anlegt, deutlich machen und thematisch nicht auf ein bestimmtes Technologiefeld oder eine wissenschaftliche Disziplin abstellen. Sie soll die Besucher, indem das Themenfeld "Technik und Gesellschaft" insgesamt erschlossen wird, gleichsam an die Perspektive heranführen, die dann auch in (wechselnden) thematisch fokussierten Ausstellungen (z.B. zu verschiedenen Technologiefeldern) angelegt wird.
Die Kernausstellung muß durchaus auch historisch ansetzen, um den Prozeß der wechselseitig bedingten Entwicklung des modernen gesellschaftlichen Lebens und der wissenschaftlich-technischen Entwicklung vor Augen zu führen. Sie soll allerdings nicht historisch-dokumentierend angelegt sein, sondern den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Zivilisation und die aktuelle gesellschaftliche Diskussion von ihrer Geschichte her verstehbar machen. Der Schwerpunkt der Darstellung sollte also auf der aktuellen Situation liegen. Die folgenden Aspekte sollen in der Kernausstellung angesprochen werden:
- Wissenschaft und Technik als gesellschaftliche Institution: Dieser Dimension des Themas "Science in Context" kommt im Rahmen der Kernausstellung insofern eine zentrale Rolle zu, als gezeigt werden muß, was moderne Wissenschaft (Forschung) und Technikentwicklung als "Betrieb" ausmacht, welche Rolle ihr gesellschaftlich zukommt und schließlich, welche anderen gesellschaftlichen Sphären ihre Entwicklung vorantreiben und beeinflussen. Dabei ist durchaus auch an den "Input" und "Output" des Wissenschaftssystems zu denken, der anschaulich gemacht werden muß: Was umfaßt das wissenschaftlich-technische System personell und organisatorisch? Welche Leistung erbringt das System? In diesem Zusammenhang soll die zentrale Rolle von Wissenschaft und Technik für die Entwicklung, Verwaltung, Interpretation des "gesellschaftlichen Wissensvorrats" deutlich werden. Dazu ist es notwendig, die Entwicklung von Wissenschaft und Technik sowohl organisatorisch als auch kulturell - als gesellschaftliches Leitbild - historisch deutlich zu machen. Bezogen auf die aktuelle Situation ist neben der Veranschaulichung der politisch-institutionellen Aspekte (Bedeutung von Industrieforschung, Rolle des Staates in der Forschungs- und Technologieförderung) auch der "Blick in das Labor" von Bedeutung, und zwar im Sinne der Kenntlichmachung von Forschung als sozialem Prozeß der "Konstruktion von Fakten".
- Wissenschaft/Technik und moderner Alltag: Zentral für die Verdeutlichung der gesellschaftlichen Relevanz von Wissenschaft und Technik ist die Auseinandersetzung mit der Frage, in welcher Weise das moderne Alltagsleben durch Wissenschaft und Technik geprägt wird. Dies betrifft sowohl die Frage nach Lebensqualität und Wohlstand wie z.B. auch die Prägung von Weltbildern und menschlichem Selbstverständnis durch Wissenschaft und Technik. Unter der Überschrift "Wissenschaft/Technik und Alltag" sind aber in der Ausstellung vor allem die Abhängigkeiten des modernen Lebensstiles von Wissenschaft und Technik und die technikbedingten Strukturen des Alltagslebens aufzuzeigen. Deutlich werden soll, daß moderner Alltag ohne Technik nicht vorstellbar ist. Durchschaubar gemacht werden muß, welche Voraussetzungen und welche Konsequenzen die alltägliche Nutzung von Technik hat und wie der moderne Alltag sich durch Technik verändert hat.
- Öffentliche Bewertung von Wissenschaft und Technik: Die Ausstellung soll sowohl den Einfluß von Wissenschaft und Technik auf die Gesellschaft (ihr Selbstverständnis und ihre Selbstinterpretation) wie auch die Bedeutung von öffentlichen Diskussionen oder Konflikten um Wissenschaft und Technik an konkreten Beispielen verdeutlichen und in ihrer Entwicklung aufzeigen. Zentral ist hierbei auf die Frage der Bewertung von Wissenschaft und Technik der Akzent zu legen. Es soll der Niederschlag des wissenschaftlichen Fortschritts im öffentlichen Verständnis von sozialem Fortschritt deutlich werden und die Entwicklung der Diskussion um das Fortschrittsparadigma bis zu den aktuellen Debatten aufgezeigt werden, wobei die aktuellen Themen "Risiko/Sicherheit" und "Nachhaltigkeit" prominent zu erörtern (bzw. zu "visualisieren") sind. In diesem Zusammenhang kann dann auch die Rolle des Staates für die Technikentwicklung und in modernen Technikkontroversen thematisiert und die Frage nach den Möglichkeit und Problemen demokratischer Gestaltung der wissenschaftlich-technischen Entwicklung gestellt werden.
Multimedia
Multimedia ist eine aktuelle technologische Entwicklung mit einer raschen Innovationsfolge und mit großen, weitreichenden und potentiell jeden einzelnen angehenden Folgen. Mit Blick auf die laufenden und die sich abzeichnenden Entwicklungen, insbesondere was deren Alltagsrelevanz angeht, wird ein Ausstellungsprogramm vorgeschlagen, das zum einen eher wissensorientiert in die "Grundlagen" und "Anwendungen" von Multimedia einführt, zum anderen den Besuchern praktischen Umgang mit aktuellen Multimedia-Angeboten erlaubt.
Der Bereich "Grundlagen" führt in die technischen Grundlagen von Multimedia ein - z.B. in Übertragungswege und Netze oder in Funktion und Bedeutung der Digitalisierung von Text, Bild und Ton als technisches Prinzip von Multimedia. Aufgegriffen werden aber auch für Multimedia-Anwendungen relevante psychologische Aspekte wie das Zusammenwirken der menschlichen Sinne oder institutionelle Aspekte wie die Geschichte der verschiedenen Mediensysteme (Rundfunk, Fernsehen, Telefon), die in Multimedia-Anwendungen technisch integriert werden.
In die "Anwendungen" von Multimedia soll mittels dreier Komponenten eingeführt werden:
- Im Zentrum steht die Installation einer (bzw. mehrerer) Multimedia-Anwendungen, die den Nutzungs- und Erfahrungsaspekt der Besucher und Besucherinnen aufgreift und sie mit Interaktionsangeboten lockt.
- Daneben stehen in bestimmten Texten, Bildern und Exponaten zu vermittelnde Wissensinhalte, die einen einführenden, vertiefenden, kontrastierenden usw. Charakter haben können.
- Schließlich sollen die für die jeweilige Anwendung wichtigen oder treffenden Kontroversen (z.B. rechtliche Fragen: elektronische Unterschrift beim Teleshopping) aufgegriffen werden.
Im einzelnen wird dieses Konzept für die Anwendungsfelder "Einkaufen: Teleshopping", "Arbeiten: Telekooperation", "Lehren und Lernen mit MM", "Computerspiele", "Sehen: interaktives Fernsehen", "Hören: interaktives Radio", "Mitmachen: interaktive Kunst" und "Beraten: Telemedizin" entwickelt.
Zu diesen eher wissensorientieren Angeboten tritt mit der "Multimedia-Werkstatt" ein praktisches Angebot. Hier sind z.B. Workshops über Bildverarbeitung oder die Produktion einer kleinen Multimedia-CD, unter Beteiligung der Workshopteilnehmer, vorgesehen. Im Gegensatz zu den in den einzelnen Abteilungen eingerichteten Installationen, die den Besuchern eigene Erfahrungen erlauben sollen, würde die Multimedia-Werkstatt wirklich arbeiten, wirklich etwas produzieren und die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in solche Produktionsprozesse einbinden.
Schließlich soll den Besuchern eine "Mediothek" zur Verfügung stehen, die man sich als Vereinigung von Bibliothek (mit Büchern über Multimedia), einer Mediothek (mit ausgewählten CD-ROMs oder CD-Is zu bestimmten Themen; inkl. Abspielstationen) und eines Shops vorstellen kann, in dem die Bücher, CDs usw. auch eingekauft werden können.
Biologische Informationssysteme im Menschen I: Hirnforschung
Mit den Themen "Hirnforschung" und "Analyse des menschlichen Genoms" greift die Ausstellung unter dem Titel "Biologische Informationssysteme im Menschen" die beiden herausragenden Forschungsbereiche der modernen Biowissenschaften auf.
Die Ausstellung zum Thema Hirnforschung soll Grundlagen der Neurobiologie vermitteln, Verständnis und Interesse für die zentralen Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften wecken und dabei die Chancen und Schwierigkeiten, die mit den Anwendungsmöglichkeiten für den Menschen auftreten können, verdeutlichen. Die Ausstellungsinhalte lassen sich drei Bereichen zuordnen.
Der erste Bereich befaßt sich vorwiegend mit dem Grundlagenwissen und den Funktionen bzw. Eigenschaften des Gehirns. Die Ausführungen zur Gestaltung dieses Bereiches geben den Stand der Forschung für die Themen "Funktion von Sinneswahrnehmungen und Motorik", "Verhalten und Gehirn" (Aufmerksamkeit und Bewußtsein, Emotionen) sowie "Lernen und Gedächtnis, Sprache" wieder und entwickeln Vorschläge für deren ausstellungspraktische Gestaltung.
Der zweite Bereich widmet sich eher dem Anwendungspotential neurowissenschaftlicher Erkenntnisse und den damit einhergehenden gesellschaftspolitischen Auswirkungen. Hierzu gehören Themen, die sich mit dem Einsatz neurowissenschaftlicher/-biologischer Erkenntnisse und Entwicklungen und den damit verbundenen tatsächlichen bzw. möglichen Auswirkungen auf die Gesellschaft, also letztlich auf das Alltagsleben jedes einzelnen, befassen. Folgende Themenschwerpunkt werden im einzelnen erörtert: Behandlungsmöglichkeiten des (pathologisch) veränderten Gehirns, Neurotechnologie, psychophysiologische Behandlungsverfahren.
Der dritte Bereich der Ausstellung zum Thema Hirnforschung schließlich konzentriert sich auf die Akteure in Forschung, Politik und Anwendung. In diesem Bereich soll insbesondere auf die Entwicklung der Hirnforschung im Laufe der Jahrhunderte und ihre bedeutendsten Wegbereiter/innen eingegangen werden. Hieran anknüpfend werden Aspekte wie die aktuelle Organisation der Hirnforschung, die Verteilung von Forschungsgeldern und die internationale Vernetzung der Hirnforschung erörtert. Ebenfalls in der Ausstellung angesprochen werden sollten die politischen Implikationen der Nutzung neurotechnologischer Entwicklungen und der Grad der öffentlichen Wahrnehmung von Erkenntnissen bzw. Entwicklungen aus der Hirnforschung.
Biologische Informationssysteme im Menschen II: Analyse des menschlichen Genoms
Zwei besonders bedeutsame Teilbereiche der (molekular-)genetischen Forschung wurden im Rahmen der Machbarkeitsstudie inhaltlich weiter bearbeitet und soweit ausstellungsgerecht strukturiert, daß ein erster Realisierungsgrad in Form eines "Grobdrehbuches" erstellt werden konnte: Zum einen das sog. Human Genome Project (HGP, die Gesamtanalyse bzw. -sequenzierung des menschlichen Genoms), das eine neue Dimension biologischer Forschungsprojekte und -visionen repräsentiert, zum anderen die Ausweitung, Verfeinerung und Verbreitung der genetischen Individualdiagnostik, welche von besonderer Brisanz für Individuum und Gesellschaft sein wird.
Die Ausstellungskonzeption gliedert das Gesamtthema "Analyse des menschlichen Genoms" in einen Grundlagenbereich und fünf vertiefende Themenbereiche. Der Grundlagenbereich soll das Interesse der Besucher/innen für das Thema durch einen wirkungsvollen einführenden Bereich verstärken, auf der Grundlage des biologischen Grundlagenwissens zu Genetik und Genforschung eine Einführung in das Thema bieten sowie die Vertiefungsthemen anschneiden, Interesse für sie wecken und damit Zentrum, Schnittstelle und Klammer bilden. Außer Basiswissen zu DNA, Chromosomen und Genen, zu Evolution, Mutation und Individualentwicklung werden hier die Forschungsmethoden und ihre Geschichte dokumentiert, unterschiedliche Konzepte von Genen und ihrer Wechselwirkung mit der Umwelt diskutiert sowie Akteure in Forschung und Anwendung (Medizin und Humangenetik, Selbsthilfe- und Behindertengruppen etc.) vorgestellt.
Im Vertiefungsbereich "Forschung, Fortschritt und Finanzen" sollen u.a. Herkunft, Ziele und aktueller Stand des HGP, Forschungsförderung und -finanzierung, wirtschaftspolitische Einflüsse und die Patentproblematik behandelt werden. Der Bereich Genetische Diagnostik, Tests und Beratung erörtert anhand verschiedenen Testtypen und Krankheiten Leistungen und Probleme von pränataler, "Eltern-" und prädiktiver Diagnostik. Entwicklungslinien und mögliche Auswirkungen der genetischen Diagnostik in nicht-medizinischen Bereichen wie dem Arbeitsleben oder dem Versicherungswesen werden anhand von Alltagsvisionen - Zukunftsszenarien dargestellt. Unter dem Motto Norm und Vielfalt/Der Mensch - eine Marionette seiner Gene? werden Krankheitsbilder und Normalitätskonzepte sowie die neuere soziobiologische Diskussion angesprochen. Ein Ausstellungsteil Historische Wissenschaftsvorstellungen schließlich beschreibt die historische Entwicklung der Humangenetik von ersten (vorwissenschaftlichen) Ansätzen über eugenische Weltverbesserungs- und Wahnideen bis zu heutigen Positionen und Zielen.
Tagungsbereich
Der Bereich Tagungen soll so angelegt sein, daß kleinere Veranstaltungen (Seminare, Workshops) sowohl wissenschaftlicher Art (interdisziplinäre Workshops) als auch für eine breitere Öffentlichkeit (Lehrer, Journalisten, interessierte Laien) und Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft angeboten werden können. Diese Veranstaltungen sind als Angebot zu sehen, bestimmte Aspekte der in den Ausstellungen behandelten Themen zu vertiefen bzw. Fragen, die sich in einer Ausstellung nur anreißen lassen, aufzugreifen.
Es sind vor allem aber größere öffentliche Tagungen, über die es gelingen muß, dem Forum in der technologie- und wissenschaftspolitischen Diskussion einen hohen Stellenwert zu verschaffen. Neben großen interdisziplinären wissenschaftlichen Kongressen wird dies am ehesten (und der allgemeinen Zielsetzung des Forums entsprechend) durch die Organisation eines - für Deutschland neuen und in der internationalen Diskussion um "Public Understanding of Science" derzeit stark beachteten - Typs von Konferenzen, der die Meinung von Laien und Experten miteinander konfrontiert, gewährleistet werden können: sogenannte Konsensus Konferenzen.
Konsensus Konferenzen sind darum bemüht, das Wissen und die Bewertung von Laien in Diskussionen um die gesellschaftliche Bedeutung und Problematik neuer Technologien einzubringen. Neben dem Prinzip der Laienberatung kennzeichnet Konsensus Konferenzen auch der öffentliche Charakter der Veranstaltung und ihr Bezug auf parlamentarische Instanzen als Adressat. Es geht bei Konsensus Konferenzen darum, eine breite öffentliche Debatte über das behandelte technologiepolitische Thema in Gang zu bringen und hierüber zur politischen Willensbildung beizutragen. Konsensus Konferenzen bieten damit die besten Voraussetzungen dafür, das Forum als zentralen Ort einer wissenschaftlich-öffentlich-politischen Diskussion zu etablieren. Die nach der jetzigen Planung im Ausstellungsbereich vertretenden Themen böten die besten Voraussetzungen, durch die Veranstaltung von Laienkonferenzen aufgegriffen zu werden. Sie werden in der Öffentlichkeit z.T. kontrovers diskutiert und haben bereits Fragen politisch-rechtlicher Regulierung aufgeworfen bzw. werden dies in Zukunft voraussichtlich tun.
Wissenschaftliche Einheit
Die generelle Aufgabe der Forschungseinheit in bezug auf die Grundidee des Forums für Wissenschaft und Technik besteht darin, das Forum als wissenschaftlich ausgewiesenes Zentrum der Diskussion um Wissenschaft und Technik in Deutschland zu profilieren. Soll das Forum als Plattform der Kommunikation von Wissenschaft und Öffentlichkeit bundesweit Anerkennung finden, muß es sich als kompetenter Ansprechpartner, wenn nicht gar als ein Fokus der wissenschaftlichen Forschung zu den mit seiner eigenen Leitidee verbundenen Fragen etablieren. Die seriöse Evaluation der eigenen Aktivitäten des Forums (im Ausstellungs- und Tagungsbereich), die nötige Weiterentwicklung der Aufgaben des Forums und seines Selbstverständnisses, die notwendige Profilierung des Forums als Ort der Innovation hinsichtlich der Vermittlung von Experten- und Laienkultur, die nötige Akzeptanz des Forums als Ansprechpartner von Wissenschaft, Industrie, Politik und gesellschaftlichen Initiativen, wie auch die Notwendigkeit, thematisch und didaktisch das Forum "up to date" zu halten, erfordern eigene wissenschaftliche Kompetenz und Forschung, einen Bezug zu Lehre und Fortbildung sowie eigene Publikationstätigkeit.
Vorgeschlagen wird deshalb die Einrichtung einer eigenen Forschungseinheit am Forum für Wissenschaft und Technik, die sich primär mit Fragestellungen aus dem zur Zeit international stark beachteten Forschungsfeld "Public Understanding of Science" befaßt. Neben der Forschungstätigkeit könnte sich das Forum über die wissenschaftliche Einheit durch Publikationen, möglicherweise die Herausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift, die im deutschsprachigen Raum zum Thema "Public Understanding of Science" fehlt, die Veranstaltung von Kongressen und durch Aktivitäten in der wissenschaftlichen Lehre und in der Fortbildung (z.B. für Journalisten) profilieren.
Kosten/Finanzierung
Die Untersuchung des Finanzbedarfs und der Finanzierungsmöglichkeiten des Forums wurde für die einzelnen Elemente des Forums jeweils für die Vollausstattung (Basisversion) der Elemente und für eine Minimalversion vorgenommen. Der zeitliche Auf- und Ausbau des Forums wird bis zum Jahr 2006 angesetzt, wobei davon ausgegangen wird, daß im Jahr 2000 der Ausbau der sogenannten Lokhalle und die "Bespielung" des größten Teils der Ausstellungsfläche (bis auf die Flächen für Wechselausstellungen) realisiert sein werden.
- Die Personalstärke des Forums wird ca. 60 Personen betragen müssen, wobei davon ausgegangen wird, daß die technische Entwicklung der Ausstellungen nach außen vergeben wird.
- Der Finanzbedarf des Forums wird im Jahre 2000 (wegen der anfallenden Kosten für den Ausbau der Halle und die Erstellung der Ausstellungen) mit ca. 34 Mio. DM in der Basisversion bzw. 23 Mio. DM in der Minimalversion am größten sein.
- Beim Endausbau des Forums wird der Finanzbedarf (Personal, Miete Lokhalle u.a.) im Jahre 2006 in der Basisversion ca. 19,4 Mio. DM und in der Minimalversion 15,6 Mio. DM betragen. Hierbei sind für die Basisversion bereits Einnahmen von 11,6 Mio. DM und für die Minimalversion Einnahmen in Höhe von 7,4 Mio. DM abgerechnet.
- Aufgrund von Erfahrungen in bestehenden Science Centern und eigener Recherchen des mit der Erstellung des Finanzierungskonzeptes beauftragten Gutachters kann davon ausgegangen werden, daß auch langfristig rund ein Drittel der laufenden Kosten über Einnahmen des Forums (Eintrittspreis, Verkauf Museumsladen u.a.) und ein weiteres Drittel durch Sponsoring gedeckt werden könnten. Es bleibt ein Drittel der Kosten, das durch öffentliche Mittel abgedeckt werden müßte.
Grundsätzlich verstehen sich die Berechnungen als Ausgangsbasis für die weitere Planung des Forums und dienen der Identifizierung von Faktoren, die geeignet erscheinen, die Gesamtkosten zu reduzieren. Bei einer Reduktion der Ausstattung des Forums (Ausstellungsfläche, Personal, etc.), wie sie das Minimalszenario vorsieht, wäre zu berücksichtigen, daß eine solche Auslegung des Forums dem Anspruch, nationale Bedeutung zu erlangen, möglicherweise nicht gerecht werden kann.