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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Axel Thielmann • Ann Zimmermann • Stephan Gauch • Michael Nusser • Juliane Hartig • Sven Wydra • Clemens Blümel • Knut Blind

Blockaden bei der Etablierung neuer Schlüsseltechnologien

Innovationsreport

TAB-Arbeitsbericht Nr. 133. Berlin 2009, 252 Seiten

Zusammenfassung

Deutschland gilt als innovativ und im weltweiten Vergleich exzellent in der Grundlagenforschung und der Technologieentwicklung. Deutschland ist stark in seinen traditionellen Märkten. Das ist nicht neu und wird von Experten und in Innovationsstudien immer wieder betont. Deutschland hat aber auch Probleme, wenn es um die schnelle und breite Umsetzung der innovativen Ideen und Ergebnisse der Forschung und Entwicklung in konkrete Anwendungen geht. Auch die Diffusion und Etablierung der aus neuen Schlüsseltechnologien entstandenen Anwendungen am Markt stellen die Unternehmen oftmals vor kaum oder schwer zu überwindende Blockaden.

Zielsetzung und Vorgehen

Im Auftrag des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung hat das TAB eine Untersuchung zum Thema »Blockaden bei der Etablierung neuer Schlüsseltechnologien« durchgeführt. In dem vorliegenden TAB-Innovationsreport »Blockaden neuer Schlüsseltechnologien« geht es daher um die Frage, welche Innovationshemmnisse in Deutschland existieren, wenn es um die Umsetzung von Schlüsseltechnologien und die Schaffung deutscher Vorreitermärkte (»lead markets«) geht, und wie diese abgebaut werden können. Denn Vorreitermärkte stellen eine wichtige Bedingung für zukünftige Exporterfolge dar.

Hinsichtlich einzelner konkreter Schlüsseltechnologien, aber auch im Rahmen allgemeiner Innovationssystemanalysen, ist bereits auf derartige Fragestellungen eingegangen worden. Der Ansatz in dem vorliegenden Innovationsreport ist eine Kombination aus einer technologieübergreifenden Innovationssystemanalyse, basierend auf einer umfassenden Literatur- und Datenanalyse, sowie drei technologiespezifischen, vertiefenden Fallstudien zu konkreten Schlüsseltechnologien (Nanoelektronik, Windenergie, MP3-Player, Mini-Beamer). Der Innovationssystemansatz liefert ein Untersuchungsraster für die vergleichende Betrachtung der drei Fallstudien und zielt zunächst auf das Erfassen und Strukturieren der zentralen Hemmnisfaktoren ab, welche in den Fallstudien konkret analysiert und bewertet werden. Dabei wird der aktuelle wissenschaftliche Stand von technologieunspezifischen Innovationshemmnissen dargestellt. Die drei Fallstudien ermöglichen wichtige Vergleiche und Schlussfolgerungen anhand differenzierter und technologiespezifischer Betrachtungen aus Sicht der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Im Rahmen einer vergleichenden Analyse werden schließlich technologieübergreifende Handlungsoptionen für die Etablierung von Schlüsseltechnologien abgeleitet.

Innovationssystemanalyse zu Innovationsblockaden

Die technologieübergreifende Analyse zielt auf eine Bestandsaufnahme von Einflussgrößen der Innovation ab, sogenannte Innovationsdeterminanten. Diese können für Innovationen förderlich oder hemmend wirken und hängen maßgeblich von der Art der Innovation (z. B. Produkt-, Prozessinnovation) und den Phasen des Innovationsprozesses ab (z. B. FuE, Umsetzung, Diffusion). Zentrale Innovationshemmnisse bzw. »Blockaden bei der Etablierung neuer Schlüsseltechnologien« lassen sich vier Dimensionen zuordnen – Kosten, Wissen, Markt und Institutionen.

Im Ergebnis stellen sich vor allem Blockaden in der Kostendimension, wie zu hohe Innovationskosten, mangelnde private Finanzierungsquellen oder öffentliche Fördermittel als Problem dar. Eher positiv gelten am Standort Deutschland die Faktoren technische Informations- und Kommunikationsstruktur, Kooperation innovativer Unternehmen und Wettbewerbsintensität. Auch das prinzipielle Vorhandensein zentraler und wichtiger Förderinstrumente sowie fachspezifischer Netzwerke und Cluster sind positive Merkmale. Die Mehrzahl der Faktoren – darunter auch einige der als besonders wichtig eingeschätzten – gilt allerdings tendenziell als hemmend. Darunter fallen u. a. das Regulierungsumfeld und bürokratische Hürden oder eine fehlende Risikobereitschaft deutscher Unternehmen.

Kostenfaktoren: Unter Kostenaspekten zeigt sich, dass in Deutschland die überwiegende Mehrzahl der Innovationen aus Eigenkapital finanziert wird. Dabei stellt die Beschaffung von Fremdkapital Unternehmen aus den neuen Bundesländern vor größere Schwierigkeiten als Unternehmen aus den alten Bundesländern. Außerdem zeigt der europäische Vergleich, dass es in kaum einem anderen Land so schwierig ist, an Wagniskapital (Venturecapital) zu gelangen, wie in Deutschland. Auch die allgemeine Bewertung der Finanzierungsbedingungen von Innovationen fällt für Deutschland vergleichsweise deutlich schlechter aus als für die meisten anderen europäischen Staaten und die USA. Allerdings sollte diese Problematik angesichts der 2008 begonnenen Finanzkrise unter einem erweiterten Blickwinkel betrachtet werden, da sich eine geringere Schuldenlast und Abhängigkeit von der Investitionsbereitschaft privater Geldgeber weniger negativ auf den Standort Deutschland auswirken.

Wissensfaktoren: In Bezug auf die Wissensfaktoren zeigt sich, dass der Anteil der FuE-Ausgaben am BIP in Deutschland etwas über dem OECD- und deutlich über dem EU-Durchschnitt liegt. Auch der Anteil industriefinanzierter FuE-Ausgaben liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Dabei sanken in Deutschland – im Gegensatz zum internationalen Trend – die öffentlich finanzierten FuE-Aufwendungen in den letzen Jahren zusätzlich. In keinem anderen europäischen Land fließt ein so hoher Anteil der FuE-Ausgaben in das verarbeitende Gewerbe wie in Deutschland, wobei der Schwerpunkt im Bereich hochwertiger Technologien liegt. Gleichzeitig gibt es jedoch auch kaum ein europäisches Land, in dem ein so geringer Teil der FuE-Ausgaben im Dienstleistungsbereich getätigt wird. Hinsichtlich des Bildungssystems liegt Deutschland nur im Bereich Humanressourcen in Wissenschaft und Technik über den EU-Durchschnittswerten. Bei den Bildungsausgaben und dem Anteil der Absolventen natur¬wissenschaftlicher und technischer Disziplinen steht Deutschland vergleichsweise deutlich schlechter dar. Beim Anteil der Absolventen naturwissenschaftlicher und technischer Disziplinen liegt Deutschland ebenfalls unter dem EU-Durchschnitt. Noch schlechter gestaltet sich seine Position im europäischen Vergleich, wenn man den Anteil von Unternehmen betrachtet, welche Innovationskooperationen mit Forschungseinrichtungen eingehen.

Marktfaktoren: Bei den Marktfaktoren wird in der Darstellung zwischen Wettbewerb und Nachfrage unterschieden. Verschiedene Datenquellen zeigen, dass Deutschland zu den zehn wettbewerbsstärksten Volkswirtschaften der Welt gehört. Als problematisch oder verbesserungsfähig werden jedoch insbesondere folgende Aspekte identifiziert: die wenig flexible Arbeitsmarktpolitik, die unbewegliche Bürokratie, die nur mit großem Aufwand einhaltbaren Regulierungen, unproduktive Staatsausgaben. In Bezug auf die Nachfrage zeigt sich zunächst, dass Auftraggeber oder Kunden in Deutschland etwas häufiger eine wichtige Rolle als Informationsquelle spielen als im europäischen Durchschnitt. Bei den innovationsfördernden Nachfragebedingungen liegt Deutschland im internationalen Vergleich im Mittelfeld.

Institutionelle Faktoren: Die institutionellen Faktoren werden in erster Linie auf der Ebene von Regulierungen betrachtet. Dabei zeigt sich, dass die deutschen Regulierungen sowohl aus der Perspektive deutscher Unternehmen als auch aus der Perspektive von Unternehmen in anderen europäischen Ländern überdurchschnittlich häufig als besonders innovationshemmend empfunden werden. Einzig bei der Wahrung von geistigen Eigentumsrechten steht Deutschland im internationalen Vergleich mit an der Spitze.

Drei Typen von Schlüsseltechnologien

Das in der Innovationssystemanalyse erarbeitete Untersuchungsraster erlaubt eine komparative Betrachtung konkreter Fallbeispiele und seine Überprüfung der technologieübergreifenden Blockaden hinsichtlich der Dimensionen Kosten, Wissen, Markt und Institutionen. Es zeigt sich, dass Schlüsseltechnologien als mindestens drei zentrale Technologietypen vorliegen können, welche nicht voneinander unabhängig sind. Sie sind daher in ihrem Zusammenspiel zu betrachten:

Querschnittstechnologien (wie z. B. optische Technologien, Nanotechnologie, Biotechnologie), welche die Zukunftschancen und Wachstumsmärkte von morgen darstellen und in zahlreiche Anwendungen münden können. Anwendungstechnologien (wie z. B. Medizin-, Umwelt-, Automobil-, Energietechnik), in denen Deutschland z. T. traditionelle Stärken aufweist und welche auch langfristige, globale Nachfrage erzeugen können. Anwendungen (wie konkrete Produkte oder Verfahren), welche in Nischen-, Wachstums- und globalen Nachfragemärk-ten auch in Zukunft zur Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands beitragen können. Typischerweise gehen Querschnittstechnologien aus vielfältigen innovativen Ideen, Entwicklungen, Forschungsergebnissen bzw. Schlüsseltechnologien in mehreren Anwendungstechnologien und schließlich Anwendungen auf.

Die Fallstudien zur Nanoelektronik als Querschnittstechnologie, Windenergie als Anwendungstechnologie sowie zu MP3-Playern und Mini-Beamern als Anwendungen stellen jeweils repräsentative Beispiele dieser Technologietypen dar. Verbindende Charakteristika der Fallbeispiele sind diesen gemeinsam zugrundeliegende Ex-Post-Perspektiven (bei der Nanoelektronik aus Sicht der bereits etablierten Halbleitermikroelektronik, bei der Windenergie aus Sicht der Onshorewindkraftanlagen, bei der MP3-Technologie aus Sicht des MP3-Formats bzw. des MP3-Players) als auch Ex-Ante-Perspektiven (bei der Nanoelektronik hinsichtlich alternativer Konzepte jenseits der heutigen Halbleiterelektronik, bei der Windenergie in Bezug auf Offshorewindkraftanlagen, bei dem Mini-Beamer aus Sicht eines noch nicht am Markt etablierten innovativen Produkts). Die auf Literaturanalysen, Experteninterviews und einem Workshop im Deutschen Bundestag mit Experten zu den drei Technologiebeispielen basierenden Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen.

Blockaden in der Nanoelektronik

Die Nanoelektronik stellt mit ihren breiten Anwendungsmöglichkeiten u. a. in IuK-Anwendungen, Sicherheits-, Umwelt-, Medizintechnik einen Wachstumsmarkt mit enormen Potenzialen dar und bietet die Chance, zu vielfältigen innovativen Anwendungen beizutragen. Sie gilt daher sicherlich als strategisch wichtiges Zukunftsfeld, in welchem die deutsche Forschung aus heutiger Sicht prinzipiell gut aufgestellt ist.

Kostenfaktoren: Zu zentralen Blockaden zählen die mit jeder Fabrikgeneration steigenden Investitionskosten für Fertigungslinien, inklusive der FuE-Kosten, sodass die wenigen verbleibenden Chiphersteller weltweit in einem besonders harten Wettbewerb stehen. Für die Produktion gilt zudem insbesondere das zyklische Geschäft mit Massenspeichern als problematisch und risikoreich. Massive staatliche Investitionsförderungen in Fernost, insbesondere durch Steuererleichterungen und Subventionen oder die Bereitstellung kompletter Fertigungslinien und Infrastrukturen durch den Staat, stellen für die europäischen Halbleiterstandorte, welche dem EU-Beihilferecht unterliegen, ein zusätzliches Problem dar. Das Thema der staatlichen Unterstützung nimmt gerade in der Nanoelektronik eine europäische Dimension ein, da in Europa nur noch wenige Hersteller in diesem Bereich existieren, welche im »leading edge« auf unterschiedlichen Märkten agieren (z. B. Qimonda bei DRAMs, Numonyx bei Flashspeichern, AMD bei Prozessoren). Infolge der enormen Kosten, ungleichen Förderbedingungen sowie einer fehlenden Industriepolitik besteht die Gefahr der Abwanderung der Fertigung aus Deutschland bzw. Europa nach Asien, bis nur noch wenige globale Player den Markt dominieren.

Marktfaktoren: Zentrale Blockaden werden neben dem nicht vorhandenen oder knappen Kapital der KMU vor allem in der fehlenden oder schwachen Kooperation bzw. dem Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zur schnellen Identifikation und Besetzung neuer Anwendungen und Marktsegmente gesehen. Ausbleibende durchschlagende Ideen für Produktinnovationen in diesem Bereich, welche sich durchsetzen lassen und einen Markt nachhaltig besetzen können, sind Herausforderungen. Die z. T. noch fehlende Fokussierung vor allem der Großindustrie hinsichtlich ihrer Produktspektren oder nachhaltiger Geschäftsmodelle stellt sich als Blockade heraus und erschwert die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Als konkrete Bereiche, in welchen Deutschland beispielsweise gut positioniert ist und künftig Vorreiterpositionen einnehmen könnte, gelten Nanomaterialwissenschaften, 3-D-Integration, Heterointegration (Sensorik, Aktuatorik), Opto-, Leistungs- oder energieeffiziente bzw. »grüne« Elektronik.

Wissensfaktoren: Fehlende u. a. bessere Lehrangebote und gemeinsame Aktivitäten der Universitäten mit Unternehmen, um den Nachwuchs für eine Unternehmensgründung zu interessieren, machen Probleme. Die mangelhafte und wenig zielgerichtete Umsetzung der Forschungsergebnisse der Wissenschaft in die Fertigung bzw. in Produkte sowie das fehlende rechtzeitige Erkennen potenzieller Anwendungen und das sofortige Reagieren, um mit Produktideen schnell am Markt zu sein, werden als weitere Blockaden benannt. Für die Erforschung und Entwicklung neuer nanotechnologischer Verfahren, welche für spätere industrielle Anwendungen herangezogen werden könnten, besteht z. B. gezielter Förderbedarf. Auch die fehlende Konzentration der Wissenschaft auf zentrale Themen und Fragestellungen, in denen Deutschland gut aufgestellt ist, sowie die konsequente Förderung einer Nanoelektronik jenseits der heutigen Halbleiterelektronik werden als Blockaden wahrgenommen.

Institutionelle Faktoren: Auf nationaler und europäischer Ebene fehlen eine gemeinsame Vision und der politische Wille, sich offensiv zur Nanoelektronik zu bekennen. Synergieeffekte werden oft nicht genutzt und es kommt aufgrund mangelnder Arbeitsteilung zu Doppelarbeiten, z. B. in Entwicklungslabors. Europäische Halbleiterunternehmen haben zunehmend mit Patentverletzungen durch Länder wie Taiwan, China, Korea und Nordamerika zu kämpfen, welche u. a. zu Verlusten von Marktanteilen und Marktwerten der Unternehmen führen können und somit die Wettbewerbsfähigkeit stark beeinflussen. Zu starre Rahmenbedingungen in der Forschung bzw. der Industrie selbst sowie bürokratische, zeitaufwendige Hürden sind weitere Blockaden. Die Hightech-Strategie der Bundesregierung wird positiv bewertet, jedoch wird nach einer deutlicheren und nachhaltigeren Umsetzung und einem koordiniertem bzw. dem zielgerichteten Einsatz von Instrumenten gefragt.

Blockaden in der Windenergie

Die Windenergie lässt sich wohl mittlerweile in die Anwendungstechnologien mit traditionellen deutschen Stärken einreihen oder könnte dies in Zukunft sein. In Deutschland reichen die Aktivitäten im Bereich der Windenergie von FuE über Umsetzung bis hin zur Marktverbreitung bzw. Diffusion der Anwendungen von Windkraftanlagen. Sie hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Kostenfaktoren: Innovative Vorhaben (z. B. im Offshorebereich) scheitern öfters an der mangelnden Risikobereitschaft, Akzeptanz und Begeisterungsfähigkeit der Förderer. Hinzu kommen vergleichsweise schwierige teure und riskante Offshorebedingungen in Deutschland (u. a. aufgrund von Naturschutzgebieten oder des Wattenmeers). Hohe Investitionskosten sowie technologische und marktseitige Unsicherheiten bei Umsetzung und Diffusion und damit verbundenen hohen Risiken führen zu erheblichen Bedenken bei allen beteiligten Akteuren und erschweren z. B. Risikobewertungen. Da es sich zudem um einen politisch getriebenen Markt handelt, hängt die Sicherheit der Prognosen zusätzlich noch von politischen Faktoren ab, die es zu kalkulieren gilt. Wichtig sind daher Transparenz und stabile Rahmenbedingungen. Für Deutschland wird außerdem eine zu späte und unzureichende Förderung der Offshoreindustrie entlang der gesamten Wertschöpfungskette als Hemmnis identifiziert (u. a. Installation und Logistik).

Wissensfaktoren: Der sich abzeichnende Fachkräftemangel, insbesondere in den Bereichen Naturwissenschaften und Ingenieurwesen, hemmt die Technologieentwicklung in der Windenergie, vor allem im Offshorebereich. Mit zunehmender Diffusion wächst der Bedarf nach einer systematischen, nachfrageorientierten Ausbildung an Fachkräften. Dabei wird deutlich, dass eine engere Zusammenarbeit bzw. Abstimmung zwischen Ausbildungseinrichtungen und Wirtschaft immer wichtiger wird. Neben der Ausbildungsproblematik fehlt z. B. auch bislang eine einheitliche nationale Forschungsstrategie und die Übersetzung der formulierten Globalziele (z. B. zum künftigen Anteil der erneuerbaren Energien) in ein definiertes, stimmiges, die gesamte Wertschöpfungskette umfassendes gesamtes Forschungsprogramm. Die Windenergie wird primär durch das BMU gefördert (derzeit mit Fokus auf Offshore). Indem andere Ministerien stärker einbezogen werden sowie eine koordinierte, landesweite und akteursübergreifende Forschungsstrategie verfolgt wird, könnten Potenziale durch die aktuelle Förderpolitik systematischer ausgeschöpft werden.

Marktfaktoren: Blockaden stellen sich im Zusammenhang mit mangelnder Kunden- und Verbraucherakzeptanz dar. So sind in der Windenergie die »mangelnde Ästhetik« sowie Lärmbelästigungen oft genannte Hemmnisse. Weiterhin werden beispielsweise durch fehlende politische Zielvorgaben Unsicherheiten erzeugt. So gibt es z. B. immer noch kein klares »globales Commitment« zu CO2-Zielen. Ein weiteres Hemmnis wird darin gesehen, dass der internationale Bedarf nicht immer bekannt ist. Die zunehmende Entkopplung zwischen FuE- und Produktionsstätten sowie Absatzmärkten, u. a. durch die Verlagerung der Schlüsselabnehmermärkte, bedarf einer zügigeren Internationalisierung, die u. a. mit der Ausrichtung auf internationale Nachfragespezifika verbunden ist. Der Einfluss der Politik auf Einzelmärkte wird hier besonders deutlich, da der Erfolg der Windenergie in Deutschland mehr durch die Politik bzw. den politischen Willen (insbesondere in punkto Umweltfragen) als durch den Markt bestimmt wird. Dies kann privatwirtschaftliche FuE-Investitionen behindern oder zu Marktverzerrungen führen. Andererseits hat sich an Großprojekten wie GROWIAN gezeigt, dass ein Wechselspiel zwischen »Staat als intelligenter Nachfrager« und freier Markt-/Technikentwicklung vorteilhaft ist.

Institutionelle Faktoren: Hinsichtlich der internationalen Markterschließung sowie der internationalen Wettbewerbsfähigkeit in der Windenergie wird derzeit als Innovationshemmnis gesehen, dass z. B. noch kein einheitlicher EU-Binnenmarkt vorhanden ist, obgleich ein Bedarf nach Marktgröße und »kritischer Masse« existiert. Um dies erreichen zu können, sind im Bereich der gesetzlichen Regelungen u. a. eine frühzeitige europäische Standardsetzung für den Netzzugang und eine weltweite Normung der Anschlussbedingungen (»grid codes«) erforderlich. Eng hieran gekoppelt ist eine zentrale Kritik, dass deutsche Akteure derzeit noch unzureichend in internationale Standardisierungs- und Normierungsprozesse eingebunden sind bzw. diese Prozesse nicht aktiv genug vorantreiben.

Blockaden bei MP3-Player und Mini-Beamer

Obwohl das MP3-Format in Deutschland entwickelt wurde, konnten die Diffusions- und Marktpotenziale im Fall des MP3-Players von deutschen Unternehmen nicht entsprechend ausgeschöpft werden. Unternehmen in den USA und Asien besetzen heute den Markt für MP3-Player. Im Fall des Mini-Beamers, als zweite Anwendung, könnte sich eine vergleichbare Entwicklung abzeichnen. Der Erfolg der MP3-Technologie als solcher sowie der Forschungsergebnisse im Bereich der Entwicklung von Mini-Beamern wurde maßgeblich durch die frühen Akteure bestimmt. Er äußert sich durch ein breites Engagement dieser Akteure, hochklassige Forschung zu produzieren, diese breit an Unternehmen zu lizenzieren und durch Folgeaktivitäten wie der aktiven Normungsarbeit auf internationaler Ebene den Einfluss der Technologie zu stärken.

Kostenfaktoren: Im Fall des MP3-Players ist der fehlende Zugang zu adäquaten Finanzierungsquellen vor allem beim Übergang vom Prototypen zur Markteinführung zentral. Mangels Risikokapitals kam es hier beispielsweise zu einer suboptimalen Marktdurchdringung. Zudem liegen die benötigten Produktionskapazitäten gerade in der Unterhaltungselektronik konzentriert fast nur noch im asiatischen Raum vor. Der Zugang komplementärer Technologien, d. h. der Zugriff auf zusätzliche Bauteile, ist in Deutschland oftmals nicht gegeben, so im Fall des MP3-Players. Auch im Vergleichsfall der Mini-Beamer zeigt sich, dass bestimmte Chips nicht zur Verfügung stehen, welche für die Entwicklung von Prototypen und vor allem der Entwicklung erster Produktkleinserien notwendig wären.

Wissensfaktoren: Neben dem Problem des Personalmangels zeigte sich im Fall der MP3-Technologie die Schwierigkeit, Kooperationspartner im Bereich der Vermarktung zu finden, als zentrales Problem. Ähnliches lässt sich aktuell auch im Fall des Mini-Beamers beobachten. Eine unterschiedliche Wahrnehmung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit deutscher Forschungsergebnisse seitens in- und ausländischer Unternehmen wird hier als Blockade identifiziert. Der Mangel an Risikobereitschaft deutscher Unternehmen wird als unternehmensinternes Problem festgestellt.

Marktfaktoren: Oftmals stellen die Rolle starker Marken und die damit verbundene Dominanz etablierter Unternehmen für die Umsetzung und Diffusion neuer Technologien ein Hemmnis dar, dies gilt auch im Fall des MP3-Players. Die ausländische Konkurrenz hat es hier zudem geschafft, ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln, sodass sich die Verwertung der MP3-Technologie nicht in der Herstellung und Vermarktung von Geräten erschöpfte, sondern auch andere Formen der Wertschöpfung ermöglichen konnte, z. B. über den Vertrieb von Medien, also im Dienstleistungsbereich. Die Relevanz und Förderung von Vermarktungspartnerschaften bzw. Vermarktungskonsortien werden im Fall des MP3-Players besonders betont.

Institutionelle Faktoren: Für die Anwendungsbeispiele MP3-Player und Mini-Beamer haben institutionelle Faktoren weniger Bedeutung und betreffen lediglich das Problem bürokratischer Hürden – zumeist für KMU bei der Beantragung öffentlicher Fördermittel. Die Verfahren werden oft als kosten- und zeitintensiv angesehen. Auch hier wird beklagt, dass kleinen und innovativen Chipherstellern meist Infrastrukturen zum Testen der Chipdesigns fehlen.

Massnahmen zur Etablierung neuer Schlüsseltechnologien

Eine vergleichende Betrachtung der drei Fallstudien ermöglicht eine technologieübergreifende Zusammenfassung der abgeleiteten Handlungsoptionen und Überprüfung der im Rahmen der allgemeinen Analyse identifizierten Blockaden in den vier Dimensionen Kosten, Wissen, Markt und Institutionen. Dabei stehen Kostenfaktoren stets an erster Stelle der genannten Blockaden und auch Wissensfaktoren sind über alle Innovationsphasen hinweg relevant. Institutionelle Faktoren sind vor allem für eine frühe Weichenstellung von Bedeutung und Marktfaktoren gewinnen mit zunehmender Anwendungsnähe an Relevanz.

Auch die Betrachtung aus Sicht der Einzeltechnologien zeigt, dass Blockaden im Bereich von Querschnittstechnologien, wie z. B. der Halbleiterelektronik oder den optischen Technologien, zunächst vor allem in den Phasen der FuE und Umsetzung vorliegen. Anwendungstechnologien, wie die Automobil-, Maschinenbau- oder Energiebranche, haben über alle Innovationsphasen hinweg zu überwindende Blockaden. Spezifische Anwendungen wie MP3-Player oder Mini-Beamer weisen auf eine zunehmende Relevanz der Blockaden gegen Ende der Wertschöpfungskette hin, also bei der Umsetzung und Diffusion. Der Vergleich der technologiespezifischen Blockaden über die drei Fallbeispiele hinweg zeigt dabei einen starken thematischen Bezug der Nanoelektronik, des MP3-Players und des Mini-Beamers. Hier lassen sich Überlappungen in den identifizierten Blockaden finden, wobei deutlich wird, dass sich Probleme einer Nanoelektronik nachhaltig auf High-End-Anwendungen auswirken und für diese nachgelagerte Probleme darstellen können. Das Beispiel der Windenergie stellt einen stark politisch beeinflussten Sektor dar und zeigt, wie bzw. mit welcher Wirkung der Staat als Nachfrager in eine Markt- und Technikentwicklung eingreifen kann.

Insgesamt scheint aus heutiger Sicht oftmals eine eher nachfrageorientierte Förderpolitik sinnvoll, welche mit nationalen und internationalen politischen Zielen vereinbar ist (z. B. Klima-, Energie-, Umweltpolitik, Demografie). Förderpolitische Maßnahmen würden dabei geeignet in den jeweiligen Phasen des Innovationsprozesses bzw. entlang des Wertschöpfungsprozesses einsetzen und ineinander greifend ausgeweitet werden, d. h. Maßnahmen zur Ausbildung, FuE-Förderung, Startup- und KMU-Unterstützung, infrastrukturelle Maßnahmen, Standortpolitik möglicherweise bis hin zur Erzeugung von Nachfrage in konkreten Sektoren (wie im Fall der Windenergie geschehen). Obgleich sich die konkreten Blockaden der Fallbeispiele z. T. sehr unterschiedlich ausgestalten, werden dennoch oftmals ähnliche bzw. gleiche Maßnahmen und Handlungsoptionen genannt, weshalb diese für die drei Fallbeispiele gemeinsam dargestellt werden:

Kostenfaktoren: FuE, Prototypentwicklung und Produktherstellung werden in fast allen Technologiebereichen immer kostenintensiver und die immer stärker anwachsenden Kosten können nicht mehr von wenigen Akteuren getragen werden, sollten aber auch nicht ausschließlich durch staatliche Förderung gedeckt werden. Um den zentralen Problemen der hohen Investitionskosten sowie fehlenden Finanzquellen und Fördermitteln zu begegnen (z. B. steigende FuE-Kosten und Kosten für Fertigungslinien in der Halbleiternanoelektronik, hohe Kosten bei der Überführung von Prototypen in marktreife Produkte am Beispiel des MP3-Players oder hohe Investitionskosten und teure Offshorebedingungen in der Windenergie), lassen sich mehrere Maßnahmen finden. Während in Einzelfällen die aktive Suche nach z. B. ausländischen Investoren an Bedeutung gewinnt, wie im aktuellen Fall des insolventen Speicherchipherstellers Qimonda, werden Staatsbeteiligungen und Subventionen als Maßnahmen hingegen kontrovers gesehen. Dennoch zeigt die in der Vergangenheit stark subventionierte Region Dresden, heute »Silicon Saxony«, dass derartige staatliche Maßnahmen und eine Standortpolitik den Aufbau international sichtbarer Cluster fördern können. Gerade im Fall der Nanoelektronik zeichnet sich die zunehmende Bedeutung und Relevanz von Kooperationen zwischen Akteuren und Clustern auf EU-Ebene ab.

Durch strategische Allianzen vor allem zwischen FuE-Instituten und der Indus¬trie können z. B. Entwicklungskosten geteilt werden (z. B. nach dem Modell der IBM-Allianz im Bereich Nanoelektronik). Weitere Maßnahmen, welche stärker die Wirtschaft fordern, betreffen spezifische Geschäftsmodelle der Unternehmen (z. B. wichtige High-End-Märkte adressieren, Produktspektrum spezifizieren, Nachfrage- und Nischenmärkte bedienen, Vermarktung um Dienstleistungsaspekte erweitern, Exklusivverträge mit Lieferanten komplementärer Technologien aushandeln). Dabei benötigen aber auch Startups und KMU ständige Förderung, um sich z. B. in Nischenbereichen international aufstellen zu können (u. a. durch Förderung des wissenschaftlichen Transfers in Unternehmen). Für die Förderpolitik ergibt sich hier die Möglichkeit entsprechende Anreize zu schaffen. Die Entwicklung neuer, flexiblerer Projektmodelle (z. B. PPP-Modelle), transnationaler Kooperationsmodelle (z. B. stärker über FuE-Institute und Unternehmen direkt als über Projekte) sind weitere positiv bewertete Ansätze.

Wissensfaktoren: Eine konsistente, nationale Förderstrategie, welche globale Ziele vor Augen hat, ist für die nachhaltige Etablierung neuer Schlüsseltechnologien wichtig. Um Innovationen langfristig und breit am Markt zu positionieren und die deutsche Vorreiterrolle in bestimmten Sektoren und Branchen zu besetzen, gilt es nicht nur für private Unternehmen, sondern auch für den Staat, Schwerpunkte zu setzen. Das beginnt bereits bei der Früherkennung und Definition neuer Themen und Technologien mit vielfältigen Anwendungspotenzialen, welche zu wichtigen Nischen- oder Wachstumsmärkten werden können.

Globale gesellschaftspolitische Bedürfnisse wie Klima, Umwelt, Energie, Demografie sowie strategische, politische Bestrebungen und wirtschaftliche Zukunftsmärkte in Form von Pionierprogrammen oder Leuchtturmprojekten zu adressieren, welche mit klaren Zielen (z. B. Reduktion des CO2-Ausstoßes, energieeffiziente Technologien) verbunden sind, kann helfen, eine internationale Sichtbarkeit und globale Nachfrage nach deutschen Technologien zu erzeugen. Das ab 2009 durch das BMBF geförderte »Cool Silicon Cluster« in der Region Dresden zur Entwicklung einer energieeffizienten Elektronik ist ein Beispiel, das mehrere Forschungs- und Industrieakteure über eine gemeinsame Fragestellung miteinander vernetzt. Ähnliche Maßnahmen können auch für weitere strategische Hightech-Sektoren sinnvoll sein, z. B. in der Energietechnik.

Die Zusammenführung bestehender themenspezifischer und -übergreifender Clus¬ter auf nationaler, transnationaler sowie europaweiter Ebene (z. B. Nanoelektronikstandorte Dresden, Grenoble, Leuven) kann helfen, die internationale Sichtbarkeit und Stärke strategischer Branchen zu erhöhen. Auf nationaler Ebene werden FuE-Zentren z. B. im Bereich der Windenergie und Nanoelektronik vorgeschlagen, um Daten- und Wissensaustausch sowie Kooperationen zu fördern. Die fehlende Nutzung von Querverbindungen, Komplementaritäten und »Kreuzbefruchtungen« über Akteursgruppen bzw. Fachdisziplinen hinweg können zudem ermöglicht werden. Transferstellen, die zwischen Wissenschaft und Wirtschaft vermitteln, können Wissens- und Technologietransferaktivitäten, Management von Wissensmonitoring sowie gezielte Technologieberatung auf- bzw. ausbauen. Derartige Transferstellen oder FuE-Institutionen, welche sich dieser Aufgaben annehmen können, liegen oftmals bereits vor (z. B. Verbünde der Fraunhofer-Gesellschaft), haben aber kein Budget für derartige Tätigkeiten oder sind nicht entsprechend mit diesen Aufgaben betraut.

Für einen nachhaltigen Wissensausbau und verstärkten Aufbau von Humankapital werden Ausbildungsverbünde zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Praktika in Wissenschaft, FuE-Instituten und Unternehmen oder technologiespezifische bzw. nachfrageorientierte Anpassungen in der Ausbildung empfohlen, die sowohl technologische Veränderungen als auch industriell nachgefragte Kompetenzen berücksichtigen. Maßnahmen können weiterhin Innovationswettbewerbe, Imageprogramme, um Zielgruppen (z. B. Schüler, Studenten) anzusprechen, oder konkrete technische Ausbildungszentren sein, welche Forschung und Industrie gemeinsam betreiben. Die Wissenschaftler und Unternehmer von morgen können mit derartigen Maßnahmen frühzeitig ihr persönliches Netzwerk aufbauen. Ähnlich ließe sich überlegen, auch potenziellen Unternehmensgründern eine bessere Plattform zur Vernetzung, Zugang zu Wissen (wie z. B. Marktinformationen) in Form von Informationszentren bzw. »Gründerzentren« zu bieten. Hierzu können oft bestehende Infrastrukturen und Akteursgruppen genutzt werden (z. B. Transferstellen), deren Aufgabenspektrum lediglich spezifiziert werden müsste.

Marktfaktoren: Im Fall der Marktfaktoren zeigt sich der Aufbau und die Förderung von Vermarktungspartnerschaften oder Verwertungskonsortien durch die Erweiterung des Förderspektrums um nachfrageorientierte Verwertungsaspekte als mögliche Maßnahme zur Unterstützung innovierender junger Unternehmen und wird im Fall des MP3-Players empfohlen. Für diese gilt, ebenso wie für heute etablierte Unternehmen, auf Weltmarktnischen zu fokussieren. Auch die Präsenz deutscher Unternehmen im Ausland kann hinsichtlich einer internationalen Sichtbarkeit und der Vermarktungsstrategien hilfreich sein und ist insbesondere für Branchen von Bedeutung, welche für Deutschland strategisch wichtig sind. Weiterhin wird empfohlen, bestehende Potenziale in traditionellen Märkten weiter auszuschöpfen und geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, damit dies gelingt.

Institutionelle Faktoren: Die Bündelung bereits bestehender und bewährter Strukturen, noch stärkere Fokussierung, thematische oder sektorale Profilbildung, Vernetzung der Akteure sowie Konzentration öffentlicher Investitionen in FuE werden betont, u. a. um Synergien besser zu nutzen. Eine Vernetzung der Akteure kann z. B. auch durch übergeordnete Dachorganisationen und Plattformen (z. B. Technologieplattformen) ermöglicht werden, wie am Beispiel der Windenergie empfohlen wird. Aber auch eine Abstimmung politischer Aktivitäten auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene sowie der konsequente und langfristige Einsatz der Politik und der politische Wille, sich zu strategischen Sektoren zu bekennen (z. B. gezielte Standortpolitik, Förderung von Kooperationsnetzwerken zwischen Wissenschaft und Industrie, Kommunikationsplattformen für die Industrie und industriellen Forschungszentren), ist hierfür von Bedeutung. Durch eine Zentralisierung und Abstimmung von Prozessen und politischen Entscheidungen könnten die bestehende Bürokratie weiter abgebaut, Arbeiten und Zuständigkeiten besser verteilt und Kooperationen erleichtert werden.

Der Bedarf an Testinfrastrukturen bzw. Testzentren wird in allen drei Fallbeispielen geäußert und kann vor allem für KMU eine wichtige Unterstützung darstellen. Auch die Schaffung frühzeitiger regulativer Rahmenbedingungen für technische Standards und Normen und eine verstärkte IPR-Verwertung sowie ein verstärkter IPR-Schutz werden empfohlen. Beispielsweise stellt sich gerade im Fall des Verlusts von Fertigungsstätten der Halbleiterbranche die Frage, ob zumindest das in diesem Zusammenhang erzeugte Know-how (u. a. in Form von Patenten) geschützt und durch Lizenzen oder neue Geschäftsmodelle gewinnbringend vermarktet werden kann.

Aber auch ein stärkerer politischer Einsatz wäre erforderlich, um die genannten Maßnahmen umzusetzen, was eine Bündelung und Abstimmung der Aktivitäten auf Landes-, Bundes-, transnationaler bis hin auf EU-Ebene erfordern würde. Die Politik könnte bei Entscheidungen, welche die Unterstützung konkreter Technologien betreffen, durch verstärkte wissenschaftlichtechnische Vorrausschauaktivitäten, Roadmaps und Instrumente zur technologischen Früherkennung beraten werden. Diese Instrumente wären hinsichtlich wichtiger Untersuchungskriterien zu spezifizieren und Technologien entsprechend zu bewerten (wie z. B. technologische Realisierbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Markt- und Wachstumspotenziale, gesellschaftspolitische Relevanz, Lösung globaler Bedürfnisse und Probleme, Nachhaltigkeit), um für Deutschland wichtige Themen und Sektoren zu identifizieren oder gar neue Technologien zu definieren, wie im Fall der Windenergie vorgeschlagen. Hierüber könnten auch unter Beteiligung der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, Kriterien und Prioritäten für eine angemessene Verteilung von Fördermitteln abgeleitet werden.

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