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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Themenkurzprofil

Digitale Nachlassverwaltung

Zusammenfassung

Während sich traditionelle Nachlassverwalter um den Verbleib der (Immobilien-) Objekte, Gegenstände und Wertsachen eines Verstorbenen kümmern, sich mit den testamentarisch vorgesehenen bzw. rechtmäßigen Erben in Verbindung setzen und die Verteilung des Nachlasses entsprechend organisieren, wird mit zunehmender Digitalisierung der Gesellschaft und Wirtschaft eine Nachlassverwaltung »digitaler Inhalte« immer wichtiger.

Die wachsende Verschmelzung zwischen realem und digitalem Leben wird mit steigender Nutzerzahl, steigendem Alter der frühen Internetnutzer und des steigenden Durchschnittsalters der Digital Natives dazu führen, dass die Frage nach den rechtlichen Grundlagen für die Verwaltung des »digitalen Vermächtnisses « im Falle des (eigenen) Todes immer dringender wird. Das digitale Vermächtnis einer Person schließt dabei alle digitalen Daten und Dokumente (vor allem wie Text- und Bilddateien) sowie Login- und Kontaktdaten, inkl. aller Kommunikationsvorgänge ein. Das digitale Vermächtnis eines Nutzers beschränkt sich nicht nur auf den Zugriff auf den eigenen Rechner und sonstige digitale Endgeräte (Smartphones, eBook-Reader etc.), sondern muss gleichermaßen die Zugangsdaten zu Plattformen, Onlineshops, sozialen Netzwerken, Cloudspeichern und E-Mail-Inhalten einschießen; beispielsweise um bestehende Verträge einsehen und ggf. kündigen zu können oder um ausstehende Forderungen zu begleichen.

Mit dem Aufkommen des digitalen Bezahlsystems Paypal im Jahr 1998 und sogenannter Kryptowährungen im Jahr 2008, wie z. B. Bitcoins, und deren zunehmender Verbreitung erhält der digitale Nachlass eine zusätzliche Komponente: die digitalen finanziellen Mittel. Auch mit der Verbreitung von Onlinespielen und der häufig darin befindlichen Möglichkeit, virtuelle Gegenstände über In-Game-Käufe bzw. -Verkäufe gegen reale Währungen zu handeln, entsteht zunehmend ein bisher deutlich unterschätzter Bereich von digitalen Vermögenswerten, die durch z. T. sehr hochpreisig gehandelte Gegenstände1 in Onlinespielen einen beträchtlichen finanziellen Wert darstellen können. Die Verwaltung dieser Art von Zahlungsmitteln und Vermögensgegenständen macht den digitalen Nachlass somit nicht nur für Erben relevant, sondern stellt auch neue Anforderungen an das Steuer- und Erbrecht.

Eine digitale Nachlassverwaltung muss deshalb den Zugriff auf all diese Daten und Inhalte sicherstellen, diesen Zugriff zu Lebzeiten zu ermöglichen und im Todesfall den vom Nutzer angegebenen

Download: Themenkurzprofil Nr. 03 PDF [0,92 MB].

Stand: Mai 2016.

Alle Themenkurzprofile sind das Ergebnis des Horizon-Scannings als Teil des methodischen Spektrums der Technikfolgenabschätzung im TAB und Impulslieferant für den TAB-Themenfindungsprozess der Fraktionen und Ausschüsse. Sie bieten einen kompakten Überblick über ausgewählte wissenschaftlich-technische Trends und ihre Relevanz für Politik und Gesellschaft. Neben dem Stand der jeweiligen wissenschaftlich-technischen bzw. sozioökonomischen Entwicklung umfassen sie Vorschläge für eine vertiefte Bearbeitung und weiterführende Literatur.

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