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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Themenkurzprofil

Parental Control – elterliches Monitoring und Tracking

Zusammenfassung

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Technologien auf den Markt gekommen, mit denen es möglich ist, einerseits Gesundheitsparameter von Babys zu monitoren und andererseits die Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen in der realen und virtuellen Welt nachzuverfolgen (Tracking). Diese Art Technologien werden im angelsächsischen Raum als Parental Control bezeichnet.

In den USA können Kinder (und auch deren Tagesbetreuung) bereits heute in ihrem Alltag nahezu vollständig überwacht werden: mit Kameras und Mikrofonen in Plüschtieren und anderen Spielzeugen oder mit Geräten und Kleidung zur Überwachung der Vitaldaten. All diese Daten werden in Apps oder Clouds gespeichert oder über das Internet live übertragen und ggf. mit anderen Personen geteilt. Diese Formen der digitalen Kontrolle (Digital Daycare), die schon im fötalen Stadium beginnen und von Kleinstkindern bis hin zu Jugendlichen alle Stadien des Heranwachsens betreffen kann, ist ein immer stärker werdender Trend. So fand das Monitoring von Babys auf der Consumer Electronics Show 2015 in Las Vegas besondere Aufmerksamkeit.

In erster Linie soll die Überwachung des Kindes zur Beruhigung der Erziehungsberechtigten dienen. Eltern möchten sich ihren Kindern nah fühlen. Sie wollen, dass es ihren Kindern gutgeht und diese behütet aufwachsen. Die Eltern erhalten Zugriff auf alle vom Kind gesammelten Daten und können verschiedene Auswertungsmöglichkeiten nutzen, um Rückschlüsse auf die Entwicklung ihres Kindes ziehen zu können.

Doch es gibt auch potenziell negative Aspekte. Durch die regelmäßige und dauerhafte Überwachung kann die Ausbildung einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Eltern und Kind gestört werden. Außerdem wird den Kindern – und den Erwachsenen – mit der Echtzeitüberwachung suggeriert, dass überall Gefahren lauern.

Viele Organisationen, die sich für den Schutz und die Rechte von Kindern und Jugendlichen einsetzen sowie Datenschützer sehen diese Entwicklungen deshalb kritisch. Während die Überwachung volljähriger Personen gesetzlich untersagt ist, ist dies bei Kindern grundsätzlich nicht der Fall. Gerade bei älteren Kindern stehen der elterlichen Fürsorgepflicht zunehmend die Persönlichkeitsrechte des Kindes/des Jugendlichen gegenüber. Das Erziehungsrecht der Eltern kann mit dem Recht des heranwachsenden Kindes auf informationelle Selbstbestimmung kollidieren. Eine weitere heikle Frage besteht darin, inwieweit Hersteller die per App, Spielzeuge und Wearables auf den eigenen Servern gesammelten Daten für Marketing- und Werbezwecke nutzen und einer Zweitverwertung zukommen lassen (dürfen). Des Weiteren bestehen Risiken in Bezug auf Datenmissbrauch durch Dritte und Hackerangriffe auf die Geräte selbst.

Download: Themenkurzprofil Nr. 07 PDF [0,93 MB].

Stand: Mai 2016.

Alle Themenkurzprofile sind das Ergebnis des Horizon-Scannings als Teil des methodischen Spektrums der Technikfolgenabschätzung im TAB und Impulslieferant für den TAB-Themenfindungsprozess der Fraktionen und Ausschüsse. Sie bieten einen kompakten Überblick über ausgewählte wissenschaftlich-technische Trends und ihre Relevanz für Politik und Gesellschaft. Neben dem Stand der jeweiligen wissenschaftlich-technischen bzw. sozioökonomischen Entwicklung umfassen sie Vorschläge für eine vertiefte Bearbeitung und weiterführende Literatur.

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