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Themenkurzprofil

Legal Techs – algorithmische Rechtsberatung

Zusammenfassung

Legal Tech (als Kurzform für Legal Technology) bezeichnet allgemein den Einsatz von Technologien in der Rechtsberatung. Der Einsatz reicht von einfacher, plattformbasierter Unterstützung (Tele-Anwalt) bis hin zu teil- oder vollautomatisierten Lösungen, die auf Big-Data-Analysen und Ansätze des maschinellen Lernens zurückgreifen.

Aktuell ist eine Zunahme von Gründungen im Bereich Legal Tech festzustellen. Diese entwickeln Softwarelösungen oder IT-basierte Dienstleistungen für juristische Anwendungsfelder, wie z. B. Geblitzt.de, Flightright.de oder das vollständig Chat-Bot-basierte DoNotPay.co.uk. In Deutschland liegen die Zahlen von Legal-Tech-Unternehmen noch im unteren zweistelligen Bereich, während in den USA bereits mehrere hundert Legal-Tech-Start-ups existieren. Computerprogramme könnten Prognosen zufolge künftig 30 bis 50 % der heutigen Aufgaben von Junganwälten übernehmen.

Durch den Vormarsch von Legal Techs dringt künstliche Intelligenz (KI) in den sensiblen Bereich der wissensintensiven juristischen Beratung vor, mit potenziell weitreichenden Folgen für die Gestaltung von Arbeitsprozessen in Anwaltskanzleien und das Anforderungsprofil an Juristen (Studium, Aus- und Weiterbildung). Es ergeben sich auch haftungsrechtliche Fragestellungen. Konzepte wie Smart Contracting (programmierte Verträge) bieten schon heute viele potenzielle Schnittstellen zu Legal Techs – mit noch unklaren Konsequenzen. Wer haftet beispielsweise für fehlerhafte anwaltliche Gutachten, die teilweise oder vollständig durch KI erstellt wurden? Ist es denkbar, dass ein Prozess vor Gericht (fast) vollständig durch KI geführt wird? Ist eine vollständig automatisierte Rechtsprechung überhaupt denkbar und wünschenswert?

Neben möglicherweise nachteiligen Auswirkungen auf die Arbeitsmarktchancen von Juristen, sich abzeichnenden Datenschutzproblemen sowie notwendigen Anpassungen des Berufsbildes, sind mit Legal Techs auch viele positive Effekte denkbar: Anwaltlicher Rat wird durch Effizienzgewinne erschwinglicher und damit für einkommensschwache Schichten besser erreichbar. Ebenso werden Verbraucherrechte gestärkt, da beispielsweise Streitschlichtungen wesentlich schneller und unkomplizierter vonstattengehen können.

Download: Themenkurzprofil Nr. 12 PDF [0,92 MB].

Veröffentlicht: September 2017.

Alle Themenkurzprofile sind das Ergebnis des Horizon-Scannings als Teil des methodischen Spektrums der Technikfolgenabschätzung im TAB und Impulslieferant für den TAB-Themenfindungsprozess der Fraktionen und Ausschüsse. Sie bieten einen kompakten Überblick über ausgewählte wissenschaftlich-technische Trends und ihre Relevanz für Politik und Gesellschaft. Neben dem Stand der jeweiligen wissenschaftlich-technischen bzw. sozioökonomischen Entwicklung umfassen sie Vorschläge für eine vertiefte Bearbeitung und weiterführende Literatur.

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