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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Themenkurzprofil

Neue Weltordnung – digitale Plattformunternehmen als neuartige Nationen

Zusammenfassung

Internetkonzerne und IT-Unternehmen haben das Zusammenleben der Menschen in den vergangenen Jahren massiv verändert. Die Stimmung in Bezug auf den durch die Digitalisierung ausgelösten starken Wandel pendelt dabei häufig zwischen Euphorie und Skepsis. Immer öfter werden die großen dominierenden Internetkonzerne Google, Facebook und Amazon (hiernach digitale Plattformunternehmen) hinsichtlich ihrer Bedeutung mit Staaten verglichen. Journalisten, Internetkritiker und Politiker attestieren großen Internetkonzernen und IT-Unternehmen seit geraumer Zeit einen Machtanspruch und Einflussbereich, welcher der Macht von Staaten gleichkomme.

Ein Staat besteht im Wesentlichen aus den drei Kernelementen eines abgegrenzten Staatsgebiets, eines Staatsvolks und der Machtausübung. Diese Elemente lassen sich in Ansätzen auch bei den genannten Unternehmen finden:

  • Die Unternehmen bilden Datenstaaten mit einem Angebot, dessen Nutzung als gleichsam alternativlos empfunden wird und zu einem Status des Lockout der Staatsangehörigen führen würde. Über die Produkte identifizieren sich die Nutzer mit den Unternehmen. Im weitesten Sinne ist dies analog mit einer quasinationalen Identität, die über klassische Markenbindung hinausgeht.
  • Sie schaffen eigene Lebens- und Arbeitswelten mit Freizeitangeboten, Angeboten des täglichen Bedarfs bis hin zur ärztlichen Versorgung.
  • Die Marktmacht bzw. Marktkapitalisierung der führenden Internetkonzerne und IT-Unternehmen ist vergleichbar mit der von Volkswirtschaften. Die Einflussmöglichkeit der Unternehmen ist so groß, dass sie Staaten ihre Regeln diktieren könnten.
  • Ähnlich wie Staaten verfügen sie über begehrte Ressourcen. Nutzerdaten scheinen heute eine vergleichbare Bedeutung wie früher Rohstoffvorkommen zu haben. Die Unternehmen interagieren mit ihren Kunden und erzeugen/ sammeln zahlreiche Daten über diese. Ein Staat könnte diesen Informationsgrad per Zensus nie erreichen.
  • Die Unternehmensführer sprechen mit Regierenden auf Augenhöhe zu politischen Themen. Es werden Allianzen untereinander geschmiedet, u. a. mit dem Ziel, die gesellschaftliche Fürsorge und Wohlfahrt zu gestalten. Die Plattformunternehmen versuchen, die Führerschaft im Weltmarkt der Internetdienstleistungen zu erobern.

Besonders in den USA wird ein libertärer Ansatz verfolgt. Nach dem libertären Ansatz könnte ein digitales Plattformunternehmen – ähnlich wie eine Regierung, jedoch effizienter – für die Wohlfahrt sorgen und Dienstleistungen anbieten, die traditionell von Staaten übernommen werden.

Vor dem Hintergrund der Entwicklungen der digitalen Plattformunternehmen hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Ende 2015 einen Dialogprozess zum Thema digitale Plattformunternehmen angestoßen, der im März 2017 in ein Weißbuch mündete. Im Weißbuch wurden Leitlinien einer digitalen Ordnungspolitik zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Rechtsrahmens für den digitalen Binnenmarkt formuliert.

Download: Themenkurzprofil Nr. 14 PDF [0,93 MB].

Veröffentlicht: September 2017.

Alle Themenkurzprofile sind das Ergebnis des Horizon-Scannings als Teil des methodischen Spektrums der Technikfolgenabschätzung im TAB und Impulslieferant für den TAB-Themenfindungsprozess der Fraktionen und Ausschüsse. Sie bieten einen kompakten Überblick über ausgewählte wissenschaftlich-technische Trends und ihre Relevanz für Politik und Gesellschaft. Neben dem Stand der jeweiligen wissenschaftlich-technischen bzw. sozioökonomischen Entwicklung umfassen sie Vorschläge für eine vertiefte Bearbeitung und weiterführende Literatur.

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