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Themenkurzprofil

Voice Computing – allgegenwärtige Spracherkennung

Zusammenfassung

Voice bzw. Vocal Computing beschreibt die Möglichkeit, über Sprache mit Computern, mobilen und stationären Endgeräten sowie deren softwarebasierten Anwendungen zu interagieren. Als intuitive und natürliche Schnittstelle bildet Voice Computing einen innovativen Entwicklungsschritt im Kontext von Mensch-Maschine-Interaktion. Aktuell ist Voice Computing primär in virtuellen intelligenten Assistenten integriert, die in zwei wesentliche Anwendungszusammenhänge diffundieren: Entweder erweitert die Technologie als App-basierte Lösung die Funktionalität von Smartphones und anderen mobilen Endgeräten, oder sie trägt als Smart-Home-Anwendung dazu bei, das private Wohnumfeld zu vernetzen. Während Anwendungen wie Apples »Siri« oder Googles »Now« durch ihre Verbreitung über iOS und Android bereits weitgehend in die Praxis der Smartphonenutzung integriert sind, bilden Artefakte wie Amazons »Alexa« oder Googles »Home Assistant« eine neue Kategorie von Produkten für den Heimgebrauch, die die digitale Durchdringung des Alltags weiter vorantreiben.

Die technologische Neuheit der benannten Anwendungen besteht darin, dass sie eine über natürliche Sprache gesteuerte Schnittstelle schaffen, die nicht auf einzelne Befehle reduziert ist, sondern ganze Sätze und den Kontext ihrer Äußerung erfassen kann. Die so entstehende intelligente Assistenzfunktion greift ihrerseits auf selbstlernende Algorithmen künstlicher Intelligenz (KI) zurück. Die Implikationen von Voice Computing sind dabei äußerst komplex und in ihren Folgen bisher nur schwer abzusehen. Ein vieldiskutierter Aspekt betrifft die Ambivalenz zwischen latenter Verfügbarkeit auf der einen sowie einer etwaigen Einbuße von Privatsphäre auf der anderen Seite: Indem die Assistenzsysteme über Sprache aktiviert werden, sind die Mikrofone zur Aufnahme der Signale latent empfangsbereit. Darüber hinaus wird durch die natürlichsprachliche Kommunikation mit den virtuellen Assistenten aufseiten der Nutzer mitunter eine irrationale soziale Nähe erzeugt, die den prinzipiell funktionalen Zweck der Interaktion emotional überhöht und eine künstliche Vertrautheit erzeugt. Da die virtuellen Agenten zudem auf digitalen Plattformen großer Technologieanbieter aufsetzen, stellen ihre Assistenzfunktionen, wie beispielsweise die Suche nach Informationen im Internet oder die Durchführung von Buchungen und anderen kommerziellen Transaktionen, die Entscheidungssouveränität ihrer Nutzer zumindest infrage.

Download: Themenkurzprofil Nr. 15 PDF [0,91 MB].

Veröffentlicht: September 2017.

Alle Themenkurzprofile sind das Ergebnis des Horizon-Scannings als Teil des methodischen Spektrums der Technikfolgenabschätzung im TAB und Impulslieferant für den TAB-Themenfindungsprozess der Fraktionen und Ausschüsse. Sie bieten einen kompakten Überblick über ausgewählte wissenschaftlich-technische Trends und ihre Relevanz für Politik und Gesellschaft. Neben dem Stand der jeweiligen wissenschaftlich-technischen bzw. sozioökonomischen Entwicklung umfassen sie Vorschläge für eine vertiefte Bearbeitung und weiterführende Literatur.

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