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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Monitoring

Pflanzliche Öle und andere Kraftstoffe aus Pflanzen

3. Sachstandsbericht im Rahmen des Monitoring »Nachwachsende Rohstoffe«

Themenbereich: Ernährung, Landwirtschaft, Grüne Gentechnik
Analyseansatz: Monitoring
Themeninitiative: Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Status: abgeschlossen
Laufzeit: 1996 bis 1997

Das Monitoring-Vorhaben "Nachwachsende Rohstoffe" wurde Ende 1995 begonnen. Seine Zielsetzung besteht in der Darstellung von aktuellen und wichtigen wissenschaftlich-technischen Entwicklungen auf dem Gebiet der nachwachsenden Rohstoffe sowie möglichen, damit zusammenhängenden ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Der erste Sachstandsbericht dieses Monitoring-Vorhabens beschäftigt sich mit der "Verbrennung von Biomasse zur Wärme- und Stromerzeugung" (TAB-Arbeitsbericht Nr. 41). Der zweite Sachstandsbericht zur "Vergasung und Pyrolyse von Biomasse" (TAB-Arbeitsbericht Nr. 49) ist im April 1997 erschienen. Den dritten Sachstandsbericht zum Thema "Pflanzliche Öle und andere Kraftstoffe aus Pflanzen" (TAB-Arbeitsbericht Nr. 53) hat das TAB im November 1997 vorgelegt. Das Monitoring-Vorhaben "Nachwachsende Rohstoffe" wird mit Untersuchungen zum Thema "Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen im Wohnungsbau" fortgesetzt. Auf wichtige Ergebnisse des dritten Sachstandsberichtes wird im folgenden näher eingegangen.

Unsere Mobilität basiert bisher auf dem uneingeschränkten Verbrauch von fossilen Kraftstoffen. Deren Ressourcen sind jedoch begrenzt, und ihre Nutzung ist mit teilweise hohen Umweltbelastungen verbunden. Die Substitution von Mineralöldiesel durch Biodiesel aus Rapsöl in Dieselmotoren ist eine Variante zur Minderung von Umweltbelastungen. Sie ist mittlerweile umfangreich erforscht und demonstriert. Die inländischen Kapazitäten zur Biodieselproduktion wurden mit Hilfe staatlicher Förderung aufgestockt. Mehr als 700 Tankstellen bieten inzwischen Biodiesel an, und die Anzahl biodieseltauglicher Fahrzeugmodelle nimmt weiter zu. Da Kraftstoffe aus Pflanzen in Deutschland von der Mineralölsteuer befreit sind, kann der Verbraucher gegenwärtig Biodiesel fast zum gleichen Preis tanken wie Mineralöldiesel.

Vor Steuern ist der Preis für Biodiesel allerdings fast doppelt so hoch wie der Preis für Dieselkraftstoff. Nur durch den vollständigen, zeit- und mengenmäßig unbefristeten staatlichen Verzicht auf die Mineralölsteuer kann eine annähernde Gleichheit zwischen dem Tankstellenabgabepreis von Biodiesel und Mineralöldiesel erreicht werden. Darüber hinaus wird der Anbau von Raps und anderen Pflanzen zur Produktion von biogenen Kraftstoffen auf stillgelegten Flächen indirekt durch die Gewährung der Flächenstillegungsprämie gefördert.

Der Kostenunterschied zwischen Biodiesel und Mineralöldiesel vor Steuern wird voraussichtlich auch mittelfristig Bestand haben. Es gibt keine erkennbaren Anzeichen dafür, dass das aktuelle Preisband für Rohöl in absehbarer Zeit deutlich und dauerhaft überschritten werden könnte. Außerdem besteht wenig Hoffnung, die Kosten der Biokraftstofferzeugung mittelfristig auf ein wettbewerbsfähiges Niveau senken zu können. Dies gilt auch unter Berücksichtigung produktions- und verfahrenstechnischer Fortschritte und im Falle einer verstärkten Herstellung von Biodiesel aus preiswerten biogenen Altölen und -fetten. Biodiesel und andere Kraftstoffe aus Pflanzen werden deshalb auf absehbare Zeit auf staatliche Fördermaßnahmen, beispielsweise in Form verringerter Mineralölsteuersätze, angewiesen sein.

Steuermindereinnahmen als Folge des Mineralölsteuerverzichts bei Biokraftstoffen können gesellschaftspolitisch erwünscht und vertretbar sein, wenn sie mit positiven volkswirtschaftlichen und ökologischen Effekten verbunden sind, die nicht über Marktmechanismen bewirkt werden können. Für den Fall des Biodiesels lässt sich dies nicht umstandslos bejahen:

  • Die Auswirkungen des Biodieselabsatzes auf das Einkommen der Landwirte und auf die Beschäftigungslage im ländlichen Raum sind bescheiden. Und dies, obwohl der "Biodiesel-Rapsanbau" die derzeit wichtigste Produktionsalternative auf stillgelegten Flächen ist.
  • Auch bei einer Steigerung der Biodieselnachfrage durch weitergehende finanzielle Anreize ist nicht zwangsweise mit einer spürbaren Verbesserung der Einkommens- und Beschäftigungssituation zu rechnen. Denn auch Biodiesel, der auf der Basis importierter Pflanzenöle erzeugt wird, kommt in den Genuss der Steuerbefreiung.
  • Der Anbau von Raps zur Produktion von Biodiesel hat einige deutliche ökologische Vorteile, aber auch einige Nachteile. Im Grundsatz unterscheidet sich die Erzeugung der Rapssaat nicht vom Rapsanbau zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion.
  • Auch beim Vergleich der Abgaszusammensetzung von Rapsöl, Biodiesel und Bioethanol mit den substituierten fossilen Kraftstoffen ergeben sich sowohl Vorteile als auch Nachteile. Biodiesel hat beispielsweise Vorteile bei den Schwefel-, Kohlenmonoxid-, Kohlenwasserstoff- und Partikelemissionen, aber Nachteile bei den Stickoxidemissionen, einem zunehmenden Umweltproblem nicht nur im Verkehrssektor. Unbestrittene Pluspunkte der Biokraftstoffe sind ihr Beitrag zur Verringerung des Verbrauchs an fossilen Rohstoffen und der Freisetzung an zusätzlichem Kohlendioxid, dem wichtigsten Treibhausgas. Die Reduzierung der CO2-Emissionen pro substituierter fossiler Energieeinheit ist jedoch deutlich weniger positiv als bei der energetischen Nutzung von Festbrennstoffen aus Pflanzen.

Angesichts der begrenzten inländischen Möglichkeiten zur Rohstofferzeugung und der hohen Produktionskosten sollten Biodiesel und andere Biokraftstoffe aus Pflanzen bevorzugt in den Bereichen zum Einsatz kommen, in denen sie den größten ökologischen Nutzen bringen. Insbesondere wegen der geringeren Wassergefährdung und der besseren biologischen Abbaubarkeit im Vergleich zum Schiffsdiesel auf Mineralölbasis sollte ein verstärkter Einsatz von Biodiesel auf Wasserwegen und Binnengewässern in Erwägung gezogen werden.

Der Einsatz von Biodiesel in der gewerblichen Binnenschifffahrt ist derzeit jedoch besonders unwirtschaftlich, da die dort eingesetzten Mineralöl-Kraftstoffe von der Mineralölsteuer befreit sind. Ähnlich ungünstig ist die Situation beim Einsatz von Biokraftstoffen in der Landwirtschaft, die über die Gasölbeihilfe einen Teil der Mineralölsteuer auf Dieselkraftstoff erstattet bekommt. Rechtliche Regelungen zum Einsatz von Biodiesel und anderen umweltfreundlichen Kraftstoffen im Bereich der privaten Nutzung von Wasserfahrzeugen hätten keine Wettbewerbsnachteile zur Folge; sie könnten allerdings nur eine begrenzte Kraftstoffmenge in den Markt bringen.

Den steigenden Steuermindereinnahmen eines zunehmenden Biodieseleinsatzes stehen eher bescheidene Beiträge zur Umweltentlastung, Arbeitsplatzschaffung und Einkommenssicherung in der Landwirtschaft gegenüber. Die Ausdehnung des Einsatzes von Biokraftstoffen anstelle fossiler Kraftstoffe ist ein technisch einfacher und rasch realisierbarer, aber gleichzeitig ein vergleichsweise teurer Weg, um die CO2-Emissionen des Straßenverkehrs zu verringern. Dies wäre bei einer möglichen Ausweitung von Fördermaßnahmen im Bereich Biodiesel und anderer Kraftstoffe aus Pflanzen zu bedenken.

Unabhängig von der Verwendung des auf stillgelegten Flächen angebauten Rapses als Biodiesel erscheinen Bemühungen zur Lockerung oder Aufhebung der Anbaueinschränkungen durch das Blair-House-Abkommen empfehlenswert. Eine stärkere Ausdehnung der Ölsaatenproduktion für Nichtnahrungszwecke könnte nämlich dazu beitragen, den geringen Selbstversorgungsgrad an pflanzlichen Eiweißfuttermitteln in der EU zu erhöhen und deren Abhängigkeit von einigen wenigen Sojaproduzenten zu verringern.

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