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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

TA-Projekt

Bioenergieträger und Entwicklungsländer

Themenbereich: Ernährung, Landwirtschaft, Grüne Gentechnik
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Status: abgeschlossen
Laufzeit: 1999 bis 2001

Die Situation in Entwicklungsländern ist in der Regel gekennzeichnet durch wenig entwickelte Volkswirtschaften und einen geringen Technisierungsgrad. Hinzu kommt ein erheblicher Mangel an Energie. Der Energiebedarf der Entwicklungsländer wird sich in den nächsten 30 Jahren bei entsprechendem wirtschaftlichen Wachstum voraussichtlich verdoppeln und einen entsprechenden Mehrverbrauch an fossilen Energieträgern nach sich ziehen. Ein verstärkter Energieeinsatz ist zwar einerseits wünschenswert, weil er die Basis ist für höheres Wirtschaftswachstum und steigenden Wohlstand. Andererseits besteht jedoch die Gefahr, dass es hierdurch zu einem starken Anstieg der Konzentration an klimarelevanten Gasen in der Atmosphäre kommt. Ein verstärkter Einsatz regenerativer Energieträger könnte dazu beitragen, diesen Anstieg zu verringern, aber auch in gewissem Umfang positive Effekte für die ökonomischen und sozialen Strukturen bewirken.
Von besonderem Interesse sind die biogenen Festbrennstoffe, weil hier erhebliche, kurz- bis mittelfristig nutzbare Potenziale zur CO2-Reduktion vorhanden sind und weil neben der Ausweitung der Nutzung und der Einführung neuer Energietechnologien auch die Möglichkeiten der Effizienzsteigerung voraussichtlich eine wichtige Rolle spielen werden. Neben den land- und forstwirtschaftlichen sowie technischen Potenzialen ist insbesondere nach den politischen Potenzialen einer gemeinsamen Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Rahmen des Clean Development Mechanism zu fragen, d.h. wie dieser neue Mechanismus und seine Entwicklungsmöglichkeiten für Bioenergieträger im Rahmen der Klima- und Entwicklungspolitik genutzt werden kann.

Untersuchungsgegenstand und Zielsetzung

Im TA-Projekt "Bioenergieträger und Entwicklungsländer" wurden die Chancen und Probleme eines verstärkten Einsatzes von Bioenergieträgern sowie die Auswirkungen auf Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung untersucht. Dabei sollten die Gestaltungsmöglichkeiten der Entwicklungs-, Klimaschutz-, Forschungs- und Technologiepolitik in diesem Themenbereich herausgearbeitet werden.

Vom TAB wurden Gutachten zu folgenden Themenbereichen dieses Projektes vergeben:

  • Einsatz und Perspektiven regenerativer Energien in Entwicklungsländern– Nutzung, Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten land- und forstwirtschaftlicher Biofestbrennstoffe in Entwicklungsländern,
  • Nutzung von Ölpflanzen als Energieträger in Entwicklungsländern,
  • Biogasnutzung in Entwicklungsländern,
  • Ziele, Struktur, Nutzung und Entwicklungspotentiale der gemeinsamen Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Rahmen des Clean Development Mechanism,
  • nichttechnische Hemmnisse und Umsetzungsrestriktionen bei einer verstärkten und verbesserten Nutzung von Bioenergieträgern in Entwicklungsländern.

Nach der Gutachtenbearbeitung wurde der Endbericht (TAB-Arbeitsbericht Nr. 73) im November 2001 vorgelegt.

Ergebnisse

Einsatz und Perspektiven regenerativer Energien in Entwicklungsländern

Der aktuelle Stand und die Perspektiven der Nutzung erneuerbarer Energien werden anhand eines Vergleichs verschiedener Szenarienanalysen beschrieben. Szenarienanalysen werden auf der Basis von Annahmen und statistisch ermittelten Trends ökonomischer Indikatoren erstellt und müssen dementsprechend interpretiert werden. Gegenwärtig werden weltweit ca. 9,25 Gtoe aus fossilen und erneuerbaren Energieträgern verbraucht, davon 3,8 Gtoe in den Entwicklungsländern. Bis zum Jahre 2050 erwartet man weltweit mindestens eine Verdopplung und höchstens eine Vervierfachung der Verbrauchsmenge. Dabei wird der Energieverbrauch in den Entwicklungsländern stärker zunehmen als in den Industriestaaten. Der Anteil regenerativer Energieträger am Energieträgermix wird sich dem World Energy Council zufolge voraussichtlich von 1,09 auf 3,23 Gtoe erhöhen, was dann nahezu einem Drittel des Gesamtprimärenergieverbrauchs der Entwicklungsländer entspräche.

Innerhalb der Gruppe der erneuerbaren Energien wird der Biomasse zunächst eine größere Bedeutung zugesprochen als der Solarenergie oder der Wind- und Wasserkraft. Alle Szenarienanalysen zeigen, dass es sich um eine "robuste" Entwicklung handelt und in diesem Bereich erhebliche Marktpotenziale erschlossen werden können. Moderate Wachstumsraten werden voraussichtlich die Marktentwicklung bis zum Jahr 2020 kennzeichnen, in der es zunächst wichtig sein wird, Marktpositionen zu besetzen. Danach gehen die Szenarienanalysen von einer zunehmend beschleunigten Ausweitung des Marktes aus, der ein mindestens ebenso großes Volumen haben wird wie der von Anlagen, die mit fossiler Energie betrieben werden.

Nutzung von Bioenergieträgern in Entwicklungsländern

In den Entwicklungsländern werden Biofestbrennstoffe vor allem in Form von Holz, Nebenprodukten aus der landwirtschaftlichen Produktion (Ernterückstände) und Tierdung genutzt. Dabei ist Holz der mit Abstand bedeutendste biogene Energieträger. Teilt man die Entwicklungsländer in drei Regionen (Afrika, Lateinamerika einschl. Karibik, Asien) auf, stellt man fest, dass Biomasse in sehr unterschiedlicher Form und Menge genutzt wird. Der Biomasseanteil am Energieträgermix liegt in Lateinamerika dreimal und in Afrika zweimal so hoch wie in Asien. Unter den drei genannten Biomassefraktionen dominiert Holz (bzw. Holzkohle) in allen drei Regionen. Ernterückstände werden vor allem in Asien energetisch genutzt, wobei besonders in Lateinamerika von einem hohen ungenutzten Potenzial ausgegangen wird. In vielen Entwicklungsländern und besonders in Brasilien gewinnt die energetische Nutzung von Bagasse aus der Zuckerrohrverarbeitung an Bedeutung. Auch Tierdung wird v.a. in den Teilen Asiens genutzt, in denen höherwertige Brennstoffe entweder nicht oder nur unzureichend vorhanden sind.

Betrachtet man die einzelnen Wirtschaftssektoren in den drei Regionen, wird deutlich, dass ein Großteil der Biomasse in privaten Haushalten zum Kochen und Heizen verwendet wird. Die gewerbliche Nutzung von Biomasse ist jedoch nicht unbedeutend und viele landwirtschaftliche Betriebe, Brauereien sowie Ziegelbrennereien u. Ä. sind auf Biomasse als Primärenergiequelle angewiesen.

Herde, Brenner und Öfen sind die gängigen Konversionstechniken zur Umwandlung von Primär- zu Nutzenergie in den Entwicklungsländern. Ein wichtiger Indikator für die Nutzung von Biomasse ist die Effizienz dieser Anlagen. Dabei lässt sich beobachten, dass entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung die Nutzungsgrade dieser Technologien in Lateinamerika durchschnittlich am höchsten (bis zu 35 %) und in Afrika am niedrigsten (bis zu 21 %) sind. In der Vergangenheit wurde vielfach versucht, den durchschnittlichen Nutzungsgrad der Anlagen durch die gezielte Verteilung verbesserter Herde und Öfen anzuheben. Diese Strategie war aber nur bedingt erfolgreich, da die neuen Technologien oft nicht kulturell angepasst waren oder technische Mängel aufwiesen.

Der Einsatz von Biofestbrennstoffen muss sowohl heute als auch in Zukunft im Zusammenhang mit der Nutzung fossiler Energieträger gesehen werden. In den meisten Entwicklungsländern mit Ausnahme einiger afrikanischer Staaten (z.B. Simbabwe) dominiert der Anteil fossiler Energieträger am Gesamtenergieträgermix. In allen drei Regionen wird in den nächsten Jahren ein moderates wirtschaftliches Wachstum und infolgedessen auch ein Anstieg des Energieverbrauchs erwartet. Besonders in Asien und Afrika erhöht sich dieser Verbrauch zusätzlich durch die schnell wachsende Bevölkerung. In diesem Zusammenhang liegt der Vorteil der Biofestbrennstoffe darin, dass sie Energie weitgehend ohne die zusätzliche Emission von Kohlendioxid und anderen klimawirksamen Gasen bereitstellen. Schon heute werden große Mengen Kohlendioxid durch den Einsatz von Bioenergieträgern vermieden.

Weltweit stehen ca. 104 EJ/Jahr an Energie aus Biofestbrennstoffen zur Verfügung. Zurzeit wird aber nur ein Drittel dieser Menge energetisch genutzt. Dabei ist zu bedenken, dass Biofestbrennstoffe nicht immer dort verfügbar sind, wo sie benötigt werden. So gibt es in Asien kaum ungenutztes Biomassepotenzial und vielerorts treten sogar ökologische Schäden durch Übernutzung der Wälder auf. Allenfalls in Afrika gibt es noch Regionen, in denen Biomasse im Übermaß vorhanden ist. Im Sinne einer nachhaltigen energetischen Nutzung des Biomassepotenzials sollten daher zwei unterschiedliche Ziele verfolgt werden. Auf der einen Seite muss v.a. regional für Nachhaltigkeit in der Bereitstellung von Biofestbrennstoffen gesorgt sein, d.h. es darf nicht mehr Biomasse verbraucht werden als nachwächst und Wälder müssen ggf. entsprechend bewirtschaftet werden. Auf der anderen Seite muss die Effizienz in der Energiekonversion gesteigert werden, um die Verbrauchsmenge zu reduzieren.

Ölpflanzen und insbesondere Ölpalmen sind die zweite Kategorie von Bioenergieträgern, die im Rahmen des TA-Projekts untersucht wurden. Neben ihrer Bedeutung als Nahrungsmittelfette und in der oleochemischen Industrie hat v.a. die energetische Nutzung von Pflanzenölen an Bedeutung gewonnnen und ansatzweise zur Substitution von fossilen Energieträgern geführt. Weltweit konnte die Produktion von Pflanzenölen in den letzten 30 Jahren um fast 250 % gesteigert werden.

Ölpalmen werden v.a. in West- und Äquatorialafrika, Südostasien und Mittel- bzw. Südamerika angebaut und zeichnen sich durch vergleichsweise hohe Erträge bei niedrigem Düngeaufwand aus. Sowohl in der Produktion als auch in der Verarbeitung, also der Extraktion von Palm- und Palmkernöl, hat sich eine eher industrielle Produktionsform durchgesetzt. Die kleinbäuerliche Produktion ist jedoch trotz des geringeren Ertragsniveaus wirtschaftlich relevant und wird als förderungswürdig erachtet, da sie geringere Umweltbelastungen verursacht.

Sowohl die industrielle als auch die kleinbäuerliche Produktion kann hinsichtlich der energetischen Effizienz durch die Nutzung von Neben- und Sekundärprodukten (z.B. Frucht- und Steinschalen und Ölmühlenabwässer) erheblich optimiert werden.

Ein Potenzial zur Minderung von Emissionen durch die energetische Nutzung von Pflanzenölen wird v.a. in der Substitution von flüssigen Energieträgern im Transportsektor gesehen. Zu diesem Zweck kann Pflanzenöl entweder direkt oder in veränderter Form, z.B. durch Mineralölraffineriekonversion oder Veresterung als Kraftstoff, nutzbar gemacht werden.

Eine Ausweitung der Pflanzenölproduktion hängt von einer Vielzahl verschiedener Faktoren ab. Ökonomisch betrachtet konkurriert der Preis für Pflanzenöl mit dem Ölpreis, und da Kraftstoffe fossilen Ursprungs vielerorts subventioniert werden, ist Pflanzenöl bisher nur in Einzelfällen konkurrenzfähig. Ein Konkurrenzverhältnis besteht auch zwischen der energetischen Nutzung von Pflanzenöl und dessen Funktion als Nahrungsmittel. Eine Preissteigerung infolge einer politisch induzierten, erhöhten Nachfrage nach Pflanzenöl für die energetische Nutzung würde die ohnehin schon prekäre Ernährungssituation v.a. in Pflanzenöl importierenden Ländern (z.B. China und Indien) verschärfen und damit im Widerspruch zum Grundrecht auf Ernährung stehen.

Schließlich sind einer Erhöhung der Pflanzenölproduktion durch den Mangel an geeigneten Flächen Grenzen gesetzt. Ökologisch vertretbar ist nur eine Ausdehnung des Anbaus auf marginalisierten Flächen wie z.B. Savannen oder die Umwidmung von Flächen, die ohnehin schon landwirtschaftlich genutzt werden. Ferner ist eine Steigerung des Ertragsniveaus durch Verfahrensoptimierung und Züchtung verbesserter Sorten denkbar. Langfristig stellt sich in einigen Ländern zusätzlich die Frage nach der Verfügbarkeit von landwirtschaftlichen Arbeitskräften. Verglichen mit den Biofestbrennstoffen stehen der energetischen Nutzung von Pflanzenölen ungleich mehr Probleme im Weg. Das Potenzial zur Emissionsminderung liegt zudem weit niedriger als im Falle der Biofestbrennstoffe oder der Biogastechnologie.

Die Vorteile der Biogastechnologie liegen in ihrem doppelt positiven Beitrag zur Reduzierung der Klimagasemissionen. In einem Fermenter werden organische Abfälle und Exkremente unter Sauerstoffabschluss vergärt, es entsteht ein Gasgemisch mit 60-70 % Methangehalt. Dabei werden zum einen die klimawirksamen Emissionen beim natürlichen Verfall dieser Materialien vermieden und zum anderen fossile Brennstoffe durch die Nutzung des Gases substituiert. Dieses Biogas kann ebenso wie Erdgas zum Heizen, Kochen sowie zum Betreiben von Motoren bzw. Blockheizkraftwerken genutzt werden. Besonders in Asien, aber auch in Lateinamerika und in einigen Gebieten Westafrikas, wird diese Technologie erfolgreich eingesetzt. Ihrer Verbreitung sind aber durch klimatische Bedingungen und die Verfügbarkeit von Gärsubstraten Grenzen gesetzt. Der Kontakt mit Fäkalien ist zudem in einigen Kulturen mit einem schlechten Image verbunden.

In China und Indien ist die Biogastechnologie besonders im kleinbäuerlichen Bereich verbreitet. Zusammengenommen gibt es in diesen beiden Ländern ca. 8 Mio. Biogasanlagen. In Indien konnten im Jahre 1996 6 Mio. Tonnen Brennholz durch Biogas ersetzt werden. In allen Entwicklungsländern muss die Biogastechnologie jedoch technologisch und verfahrenstechnisch weiter optimiert werden. Oftmals führen technische Mängel, unzureichende Wartung und mangelnde Kompetenz der Betreiber zu Ausfällen. In den beiden oben genannten Ländern gehört die Biogastechnologie heute zum technologischen Standard. In Zukunft wird jedoch ein erhöhter Bedarf an Verfahrenslösungen für die Behandlung von Abwässern aus der Nahrungs- und Biorohstoffindustrie erwartet. Die geeigneten Technologien dafür sind aber bisher nur in einigen Industrieländern vorhanden, so dass hier in Zukunft ein Potenzial für technische Zusammenarbeit gesehen wird.

Umsetzungsrestriktionen

Der Förderung von Bioenergieträgern im Allgemeinen und der Umsetzung von Projekten in der Entwicklungszusammenarbeit im Speziellen stehen eine Vielzahl von technischen und nichttechnischen Hemmnissen im Weg. Diese ergeben sich teils aus den gegenwärtigen und zukünftigen Veränderungen im Energiebereich und teils aus den sehr heterogenen ökonomischen, ökologischen und sozialen Bedingungen in den Entwicklungsländer. In der Vergangenheit traten technische Hemmnisse vor allem dann auf, wenn versucht wurde, Technologien ohne Rücksicht auf klimatische Bedingungen, Produktionstechniken oder mangelnde Infrastruktur in Entwicklungsländern einzuführen. Nichttechnische Hemmnisse hingegen sind vielfach komplexer. Man unterscheidet ökonomische, ökologische, soziokulturelle und politisch/institutionelle Bereiche und meint damit die jeweiligen Umstände, mit denen sich eine Strategie z.B. zur Förderung von Bioenergie auseinandersetzen muss. Die meisten Vorschläge zum Abbau von nichttechnischen Hemmnissen beziehen sich auf den Umgang mit den soziokulturellen Gegebenheiten eines Landes bzw. einer Zielregion, eine bessere Ausbildung von Fachpersonal und Anwender(innen) sowie auf die Verbesserung der politischen und institutionellen Rahmenbedingungen für den Energieeinsatz.

Bioenergieträger dürfen in diesem Zusammenhang nicht als eine homogene Gruppe von Energieträgern betrachtet werden. Eine individuelle Auseinandersetzung mit den in Kap. III des Berichts behandelten Bioenergieträgern zeigt, dass sich die optimalen Einsatzbedingungen für Biofestbrennstoffe, Pflanzenöl und Biogas unter Einbeziehung von soziokulturellen Kriterien z.T. sehr stark unterscheiden. Da optimale Lösungen von Energieproblemen zumeist den gleichzeitigen Einsatz mehrerer Technologien erfordern, erscheint es nicht sinnvoll, einseitige Förderungsstrategien für Bioenergieträger zu verfolgen.

Auswirkungen einer verbesserten und verstärkten Nutzung von Bioenergie

Einer der entscheidenden Gründe für die Förderung von Bioenergieträgern ist die Vermeidung von Klimagasemissionen, so dass die positiven ökologischen Auswirkungen einer verbesserten und verstärkten Nutzung von Bioenergie im Vordergrund stehen. Besonders im Falle Asiens und Lateinamerikas kann in Zukunft ein großer Beitrag zur Reduzierung von klimawirksamen Gasen wie zum Beispiel Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O) und Methan (CH4) geleistet werden. Durch den Einsatz von Biofestbrennstoffen werden schon heute ca. 1.300 Mio. Tonnen CO2 vermieden. Im optimalen Fall, also bei Ausnutzung des gesamten technischen Potenzials und einer nachhaltigen Bewirtschaftung der entsprechenden Brennstoffressourcen, geht man von ca. 3.580 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr aus, die durch die Nutzung von Biofestbrennstoffen eingespart werden könnten. Da die Klimawirksamkeit von Methan und Lachgas um ein Vielfaches höher ist als die von Kohlendioxid, müssen die Emissionsfaktoren dieser beiden Gase bei der Entwicklung von verbesserten Technologien mit berücksichtigt werden.

Im Ölpflanzenanbau werden Emissionen direkt durch landwirtschaftliche Aktivität und die dafür benötigten Betriebsmittel und indirekt durch die Freisetzung von Lachgas aus stickstoffhaltigen Düngemitteln verursacht. In der Weiterverarbeitung des Pflanzenöls entstehen je nach Verfahren unterschiedlich hohe Emissionen; die ökologischen Bilanzen dieser Verfahren hängen vom Umfang der energetischen Nutzung von Nebenprodukten ab. Grundsätzlich ist festzustellen, dass das Potenzial von Pflanzenöl zur Minderung der Klimagasemissionen mit weltweit 40 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr erheblich niedriger liegt als das der Biofestbrennstoffe. Zudem hängt eine positive Emissionsbilanz von Palm- und Palmkernöl, aber auch von anderen Pflanzenölen, in der energetischen Nutzung in hohem Maße von der Gestaltung des Verarbeitungsprozesses und der Standortwahl ab, weshalb diese so optimal wie möglich gestaltet bzw. getroffen werden müssen. Bisher wird Pflanzenöl nur in sehr beschränktem Maße energetisch genutzt, so dass kaum Erfahrungen über den großflächigen Einsatz vorliegen.

Das Ziel der Biogasnutzung in Entwicklungsländern ist es, einen mangels Energieinfrastrukturen oder Energieträgern nicht gedeckten Energiebedarf zu befriedigen oder traditionelle Brennstoffe und gesundheitsschädigende Energieumwandlungstechniken zu ersetzen. Vor allem in Asien wird die Biogastechnologie diesen Anforderungen durchaus gerecht. Die Biogastechnologie bringt noch weitere Vorteile wie die Verminderung von Hygieneproblemen und Geruchsemissionen sowie die bessere Verfügbarkeit von Pflanzennährstoffen mit sich. Während diese Umweltaspekte in den Entwicklungsländern bislang eher wenig förderrelevantes Gewicht besitzen, genießen sie bei Anwendern in Industriestaaten einen mindestens ebenso großen Stellenwert wie die Substitution zugekaufter fossiler Energie. Problematisch gestaltet sich die Verbreitung der Biogastechnologie, wenn sie nicht oder nur schwer mit kulturellen Werten vereinbar ist. Der Erfolg einer Strategie zur Förderung der Biogastechnologie unter Umweltschutzgesichtspunkten steht und fällt also mit dem Grad der Technologieanpassung an soziokulturelle Gegebenheiten.

Die sozioökonomischen Auswirkungen der Nutzung von Bioenergieträgern sind in Industrie und Entwicklungsländern gleichermaßen multidimensional und komplex. Die sich aus einer verstärkten Biomassenutzung in Entwicklungsländern ergebenden Auswirkungen auf die Ökonomie in Industrieländern sind dabei besonders schwierig abzuschätzen. Von einer qualitativen Verbesserung der Energieversorgung für arme Haushalte wird eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Verbesserung der Einkommensmöglichkeiten erwartet. Der Zugang zu modernen Energieträgern ist für diese Bevölkerungsschichten besonders problematisch, da sie nicht nur über weniger Kaufkraft verfügen, sondern meist in schwerer erschließbaren Gegenden leben (auf dem Land oder in ungeplanten Siedlungen), in denen der Zugang zu modernen Energieträgern entsprechend teurer und oft auch kompliziert ist.

Die spezifischen kulturellen Anpassungsschwierigkeiten des verstärkten Einsatzes einzelner Technologien dürfen dabei nicht unterschätzt werden, da sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen meist schneller verändern als die in Verbindung damit gewachsenen sozialen und kulturellen Strukturen. An die politische und institutionelle Ausgestaltung dieser Rahmenbedingungen sind deshalb besonders hohe Anforderungen hinsichtlich der langfristigen Planung und Regelung der Energieversorgung gestellt.

Die verstärkte Nutzung von Bioenergieträgern in Entwicklungsländern kann sich entweder direkt oder indirekt, v.a. aber ökonomisch auf Industrieländer auswirken. Ein direkter Nutzen ergäbe sich aus einem wachsenden Markt für moderne und Großtechnologien im Bereich von Biofestbrennstoffen und Biogas. Indirekte Auswirkungen hätten langfristig eine Linderung der u.a. durch Energiemangel bedingten Armutssituation in vielen Entwicklungsländern. Ein steigender Lebensstandard und politische Stabilität beispielsweise beeinflussen in der Regel den internationalen Handel und das Investitionsklima positiv.

Gemeinsame Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen

Unter den im Kyoto-Protokoll vorgesehenen Instrumenten für den internationalen Klimaschutz spielt vor allem der Clean Development Mechanism (CDM) für die Förderung von Bioenergieträgern in Entwicklungsländern eine Rolle. Dieser erlaubt den Industrieländern die Anrechnung der Emissionsverringerung aus Projekten in Entwicklungsländern und resultiert aus der Tatsache, dass die Verminderung von Emissionen in vielen Entwicklungsländern kostengünstiger zu bewerkstelligen ist als in den Industrieländern selbst.

Der CDM kann nicht isoliert von einem System des internationalen Handels mit Emissionsrechten betrachtet werden, sondern stellt vielmehr einen integrierten Bestandteil eines solchen dar. Deshalb hängt die erfolgreiche Einführung dieses Instruments wesentlich vom Verlauf der internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz ab. Ökonomisch betrachtet ist mit dem CDM im Rahmen eines internationalen Handels mit Emissionsrechten ein effizientes Mittel zur Erreichung von Emissionsreduktionen gegeben, das nicht zuletzt auch von der Industrie in den entwickelten Ländern positiv beurteilt wird. Ob der CDM aber auch, wie von vielen Entwicklungsländern gefordert, zur Entwicklung in den Gastgeberländern führt, hängt von seiner institutionellen Ausgestaltung ab. Letztere ist bis heute Gegenstand der politischen Verhandlungen, und obwohl schon heute CDM-Pilotprojekte durchgeführt werden, sind noch viele Fragen (z.B. Vertragsgestaltung, Monitoring und Sanktionsmaßnahmen sowie die Art der zugelassenen Projekte) zu klären.

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