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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Inwertsetzung von Biodiversität

Themenbereich: Energie, Ressourcen, Umwelt
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Status: abgeschlossen
Laufzeit: 2012 bis 2014

Gegenstand und Ziel der Untersuchung

Die biologische Vielfalt wird als eines der wichtigsten natürlichen Schutzgüter angesehen, das über eine große Eigendynamik verfügt, zunehmend aber von anthropogenen Einflüssen enorm geprägt und massiv bedroht ist. Fragen des Schutzes von biologischer Vielfalt werden seit über 20 Jahren auf globaler, europäischer und nationaler Ebene intensiv diskutiert, und zwar sowohl in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, ohne dass es bislang gelungen wäre, den Biodiversitätsverlust zu stoppen.

Vor diesem Hintergrund setzt die Politik in den letzten Jahren verstärkt auf einen ökonomischen Paradigmenwechsel. Von ökonomischen Konzepten und Instrumenten erhofft man sich in zweierlei Hinsicht neue Impulse für den Biodiversitätsschutz:

  • Erstens soll der Wert der Natur und ihrer Güter durch eine ökonomische Bewertung überhaupt sichtbar gemacht und damit ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt werden.
  • Zweitens sollen die Kosten der Naturnutzung den jeweils verantwortlichen Akteuren in Rechnung gestellt werden. Dies kann mit geeigneten umweltökonomischen Politikinstrumenten erreicht werden.

Allerdings werden diese beiden ökonomischen Naturschutzstrategien, die unter dem gemeinsamen Schlagwort »Inwertsetzung« verhandelt werden, vor allem in Naturschutzkreisen sehr kritisch gesehen. Aber auch in der Wissenschaft sind ihr Sinn und Zweck hochumstritten. Dies hängt nicht zuletzt mit der Komplexität und Vielschichtigkeit des Schutzgutes zusammen. Denn die biologische Vielfalt lässt sich bei Weitem nicht auf die Artenvielfalt reduzieren, sondern umfasst sowohl die enorme Vielfalt der Gene als auch der Ökosysteme. Angesichts einer kontroversen und teils schwer überschaubaren Diskussionslage ist das TAB beauftragt worden, einen Überblick über den Forschungsstand zur ökonomischen Inwertsetzung der Biodiversität zu geben und damit verbundene politische Perspektiven aufzuzeigen.

Ergebnisse

Bei der ökonomischen Bewertung des »Naturkapitals« und der Internalisierung externer Effekte mittels ökonomischer Politikinstrumente handelt es sich um zwei voneinander weitgehend unabhängige Ansätze, die folglich auch getrennt zu bewerten sind.

In Bezug auf die ökonomische Bewertung ist festzustellen, dass die verschiedenen Bewertungsinstrumente – unterscheiden lassen sich prinzipiell Markt- und Präferenzanalysen – in vielen Fällen noch mit größeren Unsicherheiten zu kämpfen haben. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass die ökonomische Bewertung vor allem bei abstrakteren Nutzendimensionen der Biodiversität an grundsätzliche methodische Grenzen stößt. Zum anderen sind aber auch die komplexen Wechselwirkungen in Ökosystemen noch nicht ausreichend verstanden, um abschätzen zu können, wie sich Eingriffe in die Natur konkret auswirken. Solange dies nicht der Fall ist, so lange können die Auswirkungen aber natürlich auch nicht adäquat ökonomisch bewertet werden. Insofern sind noch viele Forschungsanstrengungen gerade im Grundlagenbereich vonnöten, um die praktische Nutzbarkeit ökonomischer Bewertungsstudien für die Politik nicht nur im Einzelfall, sondern prinzipiell sicherzustellen.

In Bezug auf ökonomische Politikinstrumente gibt es bislang noch kaum belastbare Erfahrungen im Kontext von Natur- und Biodiversitätsschutz. Der Blick auf den europäischen Emissionshandel macht jedoch deutlich, dass mit vielfältigen Steuerungsmängeln und Nebeneffekten zu rechnen ist, die sich aufgrund der Komplexität des Schutzgutes »Biodiversität« noch einmal deutlich verschärfen. Aus diesem Grund erscheint es wenig zielführend, Biodiversität direkt zu steuern. Erfolgversprechender ist ein indirekter Steuerungsansatz, der bei quantitativ besser erfassbaren Steuerungsgrößen ansetzt, die in einem engen Zusammenhang mit dem Biodiversitätsverlust stehen (z. B. Flächenverbrauch). Grundsätzlich besteht die Herausforderung darin, einen maßgeschneiderten Instrumentenmix für den Biodiversitätserhalt zu erreichen, der dem Querschnittscharakter dieser Aufgabe auch gerecht wird.

Insgesamt wird deutlich, dass der Schutz der Biodiversität mehr denn je eine politische Gesamtaufgabe ist, die keinesfalls allein dem Markt überlassen werden sollte.

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