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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Chancen und Kriterien eines Nachhaltigkeitssiegels für Verbraucher

Themenbereich: Verschiedene Themen
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Status: abgeschlossen
Laufzeit: 2012 bis 2014

Gegenstand und Ziel der Untersuchung

Die Orientierung des Konsumverhaltens an ökologischen und sozialen Kriterien bedeutet für die Verbraucher einen hohen und in der täglichen Praxis oftmals nicht zu leistenden Informationsaufwand. In Fachkreisen wird daher seit längerem diskutiert, dass womöglich eine Produktkennzeichnung mit einem übergreifenden »Siegel«, das alle Kriterien der Nachhaltigkeit berücksichtigt, diesbezüglich die Verbraucher am Verkaufsort zuverlässig und klar informieren kann. Deshalb sei die Entwicklung eines »allgemeinen Nachhaltigkeitssiegels« sinnvoll, um so die Nachhaltigkeitseigenschaften von Produkten transparent zu machen und glaubwürdig, schnell und verständlich kommunizieren zu können.

Vor diesem Hintergrund hat der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages das TAB mit der Untersuchung »Chancen und Kriterien eines allgemeinen Nachhaltigkeitssiegels« beauftragt. Ziel des Projekts war nicht die Erarbeitung eines eigenen Vorschlags zur Entwicklung und Etablierung eines allgemeinen Nachhaltigkeitssiegels, sondern eine Darstellung und Analyse der Diskussionslage sowie eine Strukturierung und Einordnung vorliegender, zum Teil kontroverser Vorschläge und Konzepte.

Ergebnisse

Idealtypisch erreicht ein umfassendes Nachhaltigkeitssiegel das Ziel, einen substanziellen Beitrag zu einer nachhaltigeren Gesellschaft zu leisten, am besten bei einer hohen Marktdurchdringung und Anerkennung, wenn es genügend Anreize für die Entwicklung nachhaltigerer Produkte und Dienstleistungen setzt und somit sowohl die Bedürfnisse der Konsumenten als auch der Produzenten bedient. In der Praxis gestaltet sich die Umsetzung aber schwierig, da Restriktionen finanzieller und organisatorischer Art sowie unterschiedliche Akteursinteressen der Verwirklichung eines idealtypischen Siegels entgegenwirken und Kompromisse verlangen.

Für die Etablierung eines allgemeinen Nachhaltigkeitssiegels sind also spezifische Herausforderungen zu bewältigen. Methoden und Verfahren müssen entwickelt werden, um mittels Kriterien und Indikatoren die Anforderungen an die Nachhaltigkeitswirkungen eines Produkts oder einer Dienstleistung mess- und vergleichbar zu machen. Zudem besteht für ein allgemeines Nachhaltigkeitssiegel, das Verbrauchern bei so unterschiedlichen Gütern wie Lebensmittel, Kinderspielzeug, Autos oder Urlaubsreisen eine verlässliche Entscheidungshilfe geben soll, eine besondere Schwierigkeit darin, solche heterogenen Produkte auf konsistente Weise zu bewerten und ein vergleichbares Anspruchsniveau bei der Zeichenvergabe zu gewährleisten. Aufgrund dessen kann eine produktspezifische und lebenszyklusweite Nachhaltigkeitsbewertung wahrscheinlich am ehesten für Güter aus überschaubaren und stabilen Wertschöpfungsketten realisiert werden.

Die Breite der Aufgaben, die sich bei der Durchsetzung nachhaltigerer Produktions- und Konsummuster stellen, sowie die verschiedenen Ziele eines allgemeinen Nachhaltigkeitssiegels verdeutlichen, dass ein solches Siegel nicht alleiniges und wohl auch nicht das zentrale Instrument für nachhaltigeren Konsum sein kann. Seine spezifische Funktion besteht vielmehr in der Bereitstellung vereinfachter, verlässlicher Information für Verbraucher, um die Entscheidung für nachhaltigere Produkte zu erleichtern, verknüpft mit Anreizen für Hersteller, Dienstleister und Handel, ihre Prozesse und Produkte nachhaltiger zu gestalten.

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