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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Monitoring

e-Learning in der beruflichen Aus- und Weiterbildung

Themenbereich: Informationstechnik
Analyseansatz: Monitoring
Themeninitiative: Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Status: abgeschlossen
Laufzeit: 2003 bis 2005

Die Möglichkeiten einer computer- und netzgestützten Aus- und Weiterbildung sind Gegenstand von vielfältigen Erörterungen und Anwendungen in Wissenschaft und Praxis. Dies gilt im Blick auf die Bedeutung von eLearning für die Veränderungen der Forschungslandschaft und Wissensgesellschaft einerseits, aber auch für die Entwicklung von Unternehmen und ihrer jeweiligen Kommunikations- und Organisationskultur andererseits.

Gegenstand und Ziel der Untersuchung

eLearning bedeutet die Unterstützung von Lernprozessen mittels elektronischer Medien. Die Medien können dabei der selbstgesteuerten Informationsgewinnung dienen, die Kommunikation unterstützen oder Träger didaktisch strukturierter Lernmodule sein. eLearning umfasst multiple Formate und hybride Methoden, den Einsatz von Software, Internet, CDRoms, Onlinelernformen sowie von weiteren elektronischen oder interaktiven Medien (Text, Grafik, Audio, Video, Animation). Dabei werden Lernprozesse durch netzbasierte Kommunikationsformen (zwischen Lernenden, Tutoren und Dozenten) und durch kollaborative Arbeitsumgebungen erweitert. Interaktive Tests dienen der Lernkontrolle bezüglich des behandelten Stoffs. Doch Lernen ist und bleibt immer auch ein psychologischer, personengebundener Prozess. Die besondere Bedeutung von eLearning für die Entwicklung einer internationalen Wissensgesellschaft, der europäischen Forschungslandschaft und Wirtschaftsstruktur wird in zahlreichen Konzepten und Strategien für das sog. »virtuelle« Lernen deutlich und zunehmend gewürdigt. Gerade weil unterschiedliche Akteure – auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene als Anbieter, Anwender, Mediäre oder Organisation – im Bereich eLearning aktiv sind, hat das Themenfeld diese enorme Dynamik entfaltet. Zu konstatieren ist jedoch auch, dass nach einigen Jahren der Anwendung Ernüchterung eingetreten ist und die Akteure nach Orientierung und soliden Perspektiven suchen. Vor diesem Hintergrund hat – auf Anregung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung – das TAB Ende 2003 mit einem Monitoring zum Themenfeld »eLearning« begonnen. Über einen längeren Zeitraum werden aktuelle und innovative Entwicklungen identifiziert, analysiert und politische Handlungskonzepte und -optionen reflektiert. Zu ausgewählten Teilaspekten werden entsprechende Hintergrundpapiere und Sachstandsberichte vorgelegt.

Stand der Arbeiten / Ergebnisse

Eine wesentliche Aufgabe beruflichen Lernens und auch Lehrens ist es, Lernpotenziale kontinuierlich zu aktivieren. Unternehmen investieren daher in das Know-how ihrer Mitarbeiter und setzen dabei zunehmend auf eLearning und das entsprechende Wissensmanagement. Dafür scheinen viele Gründe zu sprechen:

Mitarbeiter können schnell(er) und flexibler für neue Inhalte und Anforderungen geschult werden, die Kosten lassen sich im Vergleich zu herkömmlichen Lehr-/Lerninstrumenten senken, Lernen wird relativ unabhängig von Zeit und Ort, der Lernerfolg ist durch bedarfsangepasste intelligente Gestaltung der Lehr-/Lernprozesse deutlich verbessert, die bedarfsgerechte Reaktionsgeschwindigkeit der Unternehmen kann gesteigert werden.

Eine stringente Strategie hinsichtlich einer systematischen Integration der Vorteile von eLearning in die einzelnen Ausbildungsberufe ist derzeit zwar noch nicht zu erkennen, doch zeigt sich ein prinzipiell hoher Bedarf der Unternehmen an geeigneten innovativen Lehr- und Lernmethoden, Medien als auch Konzepten der Lernorganisation sowie neuen Konzepten für eine prozessorientierte Ausbildung. Ziel ist zunehmend das Verstehen von und die Befähigung zum Arbeiten in Prozessen (Arbeits-, Geschäfts-, Qualitätssicherungs- und Verbesserungsprozesse) und Wertschöpfungsketten. Eine (vormals) rein auf die Ablauforganisation von Arbeitstätigkeiten bezogene Qualifizierung wird den aktuellen Unternehmensanforderungen nicht mehr gerecht. Es kommt in Unternehmen darauf an, dass die Mitarbeiter aktiv nach Informationen zur Verbesserung ihrer Leistungsprozesse suchen und ihre Informationen auch anderen Mitarbeitern verfügbar machen. Der Einsatz elektronischer Medien allgemein und verschiedener eLearning- Instrumente im Besonderen bildet hierfür die Grundlage. Beispielsweise werden über den Aufbau prozessorientierter Datenbanken für die Auszubildenden (sowie die übrigen Beschäftigten des Unternehmens) Möglichkeiten geschaffen, jederzeit aktuelle Informationen zur Vorbereitung und Durchführung betrieblicher Aufgaben abzurufen, aktiv die Verwendbarkeit der gespeicherten Daten zu überprüfen und darüber hinaus mit eigenen Vorschlägen zur Verbesserung der gemeinsamen Wissensbasis beizutragen.

Derzeitige Erfahrungen zeigen jedoch auch, dass selbst größere Betriebe mit der ständigen Aktualisierung von Ausbildungsinhalten an Kapazitätsgrenzen stoßen. Deshalb wächst das Interesse in vielen Unternehmen, in so genannten eLearning-Qualifizierungsverbünden bzw. Onlinecommunities und unter Nutzung eines gemeinsamen Bildungsnetzes prozessorientierte Lerndatenbanken aufzubauen, zu nutzen und zu pflegen.

Auch in der beruflichen Weiterbildung spielen die eLearning-Instrumente insbesondere dort eine wichtige Rolle, wo neben den tradierten Formen des Vermittelns von notwendigem Wissen im Unternehmen verstärkt auch Maßnahmen »on the job«, wie beispielsweise systematischer Wechsel der Arbeitsaufgaben für Mitarbeiter innerhalb eines Betriebes, in den Vordergrund treten. Hier beeinflusst eLearning Art und Umfang der Qualifikationsmodalitäten durch einen »Just-in-Time-Qualifizierungsansatz«.

Die Möglichkeiten und Modalitäten des eLearning werden das berufliche Bildungswesen insgesamt gesehen vermutlich auf vergleichbare Weise verändern wie das »eBusiness« die gesamte Wirtschaft bereits verändert hat. Jedoch wird eLearning andere Bildungsinstrumente nicht völlig verdrängen, sondern sie qualitativ ergänzen. Dies wird mit der Entwicklung von einem angebots- zu einem medien und integrationsorientierten (Aus-)Bildungsmanagement einhergehen (müssen). Seine Kennzeichen sind:

  • Integration der eLearning-Instrumentarien in die Ausbildungsordnungen,
  • Integration von eLearning in die Unternehmensstrategien,
  • Verzahnung von Lern- und Geschäftsprozessen sowie
  • organisatorisch-technische Abbildung in der betrieblichen Informations- und Kommunikationstechnik.

Darstellung und Qualität der eLearning-Inhalte bilden die entscheidenden Erfolgsfaktoren sowohl für die Vermittler als auch die Lernenden, und diesbezüglich gibt es noch reichlich Entwicklungspotenzial. Auch im betrieblichen Alltag wird sich eLearning nur dann nachhaltig durchsetzen, wenn die Akzeptanz und die Implementierung gesichert sind und die eLearning- Angebote allen Beteiligten den gewünschten Mehrwertbieten. Dazu bedarf es zum einen noch wesentlich genauerer Einsichten in die lebens- bzw. arbeitsweltliche Einbettung von Lernprozessen und zum anderen solcher Instrumente, die die Qualität der eLearning-Inhalte nicht nur im Nachhinein realisieren, sondern schon bei der Entstehung bzw. im Einsatz gewährleisten. Erst wenn diese Hürden genommen sind, könnte eLearning sein ganzes Potenzial für die berufliche Aus- und Weiterbildung entfalten.

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