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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Robotik und assistive Neurotechnologien in der Pflege — gesellschaftliche Herausforderungen

Vertiefung des Projekts »Mensch-Maschine-Entgrenzungen«

Themenbereich: Bio- und Medizintechnologien
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss Digitale Agenda sowie Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Status: laufend
Bearbeitungsstand: Bericht fertiggestellt. Abnahme durch den ABFTA
Laufzeit: 2016 bis 2017

Thematischer Hintergrund

Das Projekt »Mensch-Maschine-Entgrenzungen« beschäftigt sich mit technologischen Trends, die zu einer zunehmenden Verschmelzung von Mensch und Maschine führen. Angetrieben wird die Entgrenzungsdynamik im Wesentlichen durch Entwicklungen in zwei Technologiefeldern: den Neurotechnologien auf der einen Seite, die zu einer fortschreitenden Technisierung des Menschen führen (durch die direkte Kopplung elektronischer Geräte an das Gehirn resp. Nervensystem), sowie der autonomen Robotik auf der anderen Seite, die Maschinen hervorbringt, die nicht nur immer eigenständiger handeln, sondern dem Menschen auch immer ähnlicher werden.

Das Projekt »Mensch-Maschine-Entgrenzungen« wird zweistufig durchgeführt: Die technologische Bestandsaufnahme im Rahmen der abgeschlossenen Sondierungsphase unter der Überschrift »Zwischen künstlicher Intelligenz und Human Enhancement« hat ergeben, dass – entgegen prominenter Zukunftsdiskurse – die politische Brisanz dieser Entwicklungen weniger darin liegt, dass in absehbarer Zeit mit der technischen Optimierung der Natur des Menschen (in einem gesellschaftlich relevanten Maßstab) oder einer »Machtübernahme« intelligenter Roboter zu rechnen ist. Die Herausforderungen ergeben sich vielmehr auf einer subtileren Ebene, beispielsweise, indem fundamentale anthropologische Kategorien – wie Selbstbestimmung, Identität, Verantwortung –, welche die Grundlage unserer jetzigen moralischen und rechtlichen Ordnung bilden, durch die Technisierungsprozesse ins Wanken geraten. Die Ergebnisse der Sondierungsphase wurden in dem Sachstandsbericht »Technologien und Visionen der Mensch-Maschine-Entgrenzungen« (TAB-Arbeitsbericht Nr. 167) dokumentiert.

In der laufenden Vertiefungsphase des TAB-Projekts sollen nun die ethisch-rechtlichen Fragen, die sich daraus ergeben, am Beispiel eines konkreten Anwendungskontextes – der Pflege – näher bestimmt und vertieft werden. Dazu werden Fragen aufgegriffen und untersucht, die in einem weiteren Projektvorschlag (Robotik in der Pflege) an das TAB herangetragen wurden.

Angesichts des demografischen Wandels gilt der Bereich der Pflege und Gesundheit für Deutschland zu Recht als paradigmatisches Anwendungsfeld für Technologien der Mensch-Maschine-Entgrenzung. Denn zukünftig ist mit einer starken Alterung der Bevölkerung und damit mit einem wachsenden Anteil pflegebedürftiger Menschen an der Gesamtbevölkerung zu rechnen. Der drohende Pflegenotstand gilt als eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen, die – so wird postuliert – nur mit dem verstärkten Einsatz neuer Technologien zu bewältigen ist. Dieser sich abzeichnende Trend und seine Implikationen werden jedoch auch kritisch diskutiert. Denn dadurch, dass zunehmend autonom agierende Maschinen immer näher an besonders hilfs- und damit schutzbedürftige Personen heranrücken, spitzen sich gleichzeitig viele ethisch-rechtliche Fragen zu.

Ziel und Vorgehensweise

Speziell autonom agierenden Service- bzw. Pflegerobotern sowie der Kombination assistiver Technologien mit nichtinvasiven Neurotechnologien (Steuerung von Exoskeletten, Kommunikationsgeräten etc. mittels Brain-Computer-Interface) wird großes Potenzial zugeschrieben, Pflegekräfte entlasten sowie Pflegebedürftige im Alltag und bei der Rehabilitation unterstützen zu können – entsprechende Anwendungen befinden sich in der Entwicklung und Erprobung.

Folgende Aspekte sollen vertieft untersucht werden:

  • Welche moralischen Problematiken ergeben sich durch die zunehmende Technisierung und insbesondere Automatisierung des Pflegealltags für die unterschiedlichen Akteure (z.B. Verlust menschlicher Interaktion sowie von Autonomie und Privatsphäre)? Welche Lösungsansätze gibt es beispielsweise im Hinblick auf das angemessene Design der Systeme oder die Gestaltung des Pflegesettings?
  • Wie sehen die aktuellen Regelungen zum Umgang mit diesen Technologien aus, insbesondere in Bezug auf Sicherheits-, Haftungs- und Datenschutzfragen, und sind sie den anstehenden Herausforderungen angemessen? Besteht absehbar Handlungs-/bzw. Regelungsbedarf?
  • Wie könnte eine angemessene Governance und Gestaltung der Technikentwicklung aussehen, um möglichst bedarfsorientierte und akzeptanzfähige Lösungen zu erhalten?

Diese Fragen sollen auf Basis einer kritischen und möglichst realistischen Bestandsaufnahme der tatsächlich zu erwartenden Leistungsfähigkeit der Technologien einerseits sowie von gesellschaftlichen Erwartungen und Wertevorstellungen andererseits untersucht werden.

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