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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Digitale Medien in der Bildung

Themenbereich: Informationstechnik
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Status: abgeschlossen
Laufzeit: 2015 bis 2016

Gegenstand und Ziel der Untersuchung

Die Bedeutung der digitalen, zunehmend internetbasierten Informations- und Kommunikationssysteme (die sog. »digitalen Medien«) in Bildung und Ausbildung wächst kontinuierlich. Im Hinblick auf den entsprechend zunehmenden Einsatz von digitalen Medien in allen Bildungsbereichen, ihre Voraussetzungen und Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft stellen sich grundsätzliche Fragen nach den Auswirkungen einer »Omnipräsenz« digitaler Medien auf die Leistungsfähigkeit des Ausbildungs- und Bildungssystems, dessen Chancengleichheit und Integrationskraft. Von besonderer Bedeutung ist die Frage, inwieweit die durch die digitalen Medien zunehmend beeinflusste Bildung den Lebensverlauf hinsichtlich erwerbsbezogener Optionen prägt. Und es stellen sich Fragen danach, welche Auswirkungen die digitalen Medien auf den institutionellen Aufbau des Bildungssystems, auf Schule, duale Ausbildung, Berufsakademien und Hochschulen haben.

Vor diesem Hintergrund widmete sich das Projekt u.a. folgenden Aspekten bzw. Leitfragen: Wie verändert die Mediatisierung und Digitalisierung der gesamten Gesellschaft die Art und Weise, wie Kinder und Jugendliche aufwachsen? Wie verändern sich die Formen der Bildung? Inwiefern müssen sich Inhalte und Ausrichtung von Bildung ändern, um den gesellschaftlichen Herausforderungen, die die Digitalisierung stellt und zu deren Bewältigung die Bildung einen adäquaten Beitrag leisten soll und muss, entsprechen zu können? Wie sind die prinzipiellen Potenziale bzw. Einsatzmöglichkeiten der digitalen Medien in den Bildungsbereichen beschaffen? Welche Fragen zum bestehenden regulatorischen und institutionellen Rahmen werden aufgeworfen, vor welche Herausforderungen sieht sich die Bildungsinfrastruktur gestellt?

Ergebnisse

Grundsätzlich kann die Digitalisierung mit den neu entstehenden Onlinewerkzeugen und -anwendungen zahlreiche Potenziale für den Bildungsbereich in Aussicht stellen: Unter didaktischen Gesichtspunkten betreffen diese die Qualität der Lehre bzw. die qualitative Bereicherung bestehender Angebote sowie die Qualität und Quantität der Lernmöglichkeiten und die Motivation der Lernenden. Als weitere Aspekte lassen sich die Zeit- und Ortsunabhängigkeit, eine erleichterte Steuerung von Bildungsprozessen und deren Überprüfung, die erweiterte Nutzbarkeit von Lehrinhalten sowie die soziale bzw. sozioökonomische Chancengleichheit anführen. Grundsätzlich gilt jedoch, dass das Arbeiten mit digitalen Medien v. a. dann als vorteilhaft gelten kann, wenn das Lernen für die Lernenden tatsächlich und substanziell verbessert wird.

Die technologischen Charakteristika der digitalen Bildungsmedien – ihre Interaktivität, Konvergenz und Konnektivität – bedingen, dass sich prinzipiell Bildungskonzeptionen unterschiedlichster Art erstellen und verwenden lassen. Die resultierenden Bildungsmedien substituieren sich hierbei nicht, sondern können sich ergänzen. Auch sind mögliche Synergieeffekte an strukturelle Voraussetzungen (z. B. Vorbereitung und Fortbildung der Lehrenden, Klärung rechtlicher Vorgaben, unterstützende Medienpolitik, positives Image digitaler Medien) gekoppelt. Zugleich bedeutet die technische Zunahme an Interaktivitäts-, Partizipations- und Kollaborationspotenzial immer auch für die Lernenden eine Zunahme an Selbstorganisation und für die Lehrenden eine Zunahme an konzeptioneller Mehrarbeit.

Für den Einsatz neuer digitaler Bildungsangebote müssen die erforderlichen technischen Infrastrukturen geschaffen werden. Im Bereich Schule geht es vor allem um die Verbesserung der technischen Ausstattung auf einen aktuellen Standard – auch unter Berücksichtigung von Aspekten digitaler (Un-)Gleichheit – und die Versorgung mit entsprechenden Netz-Infrastrukturen. Notwendig sind auch der Aufbau von Plattformen zur Bereitstellung und Suche von Open Educational Resources sowie eine Prüfung, inwieweit die Bildungsserver der Länder für den Bereich Schule diese Funktion übernehmen können. Von Relevanz ist zudem der Aufbau der technischen Infrastruktur für ein einheitliches Rechte- bzw. Lizenz- sowie Qualitätsmanagement für freie Bildungsinhalte – hier insbesondere die Entwicklung von Mechanismen zur Auswahl geeigneter Lizenzen sowie zur Vergabe von Metadaten für einzelne Inhalte.

Ein Desiderat ist bislang die Verbindung von formellen und informellen Lernprozessen. Noch relativ überschaubar ist zudem die Anzahl an sozialwissenschaftlichen Studien zu Bildungsprozessen und digitalen Medien, diese sind zudem in Fragestellungen und Operationalisierung weitgehend heterogen. Da Bildungspolitik sicherstellen soll, dass die mit den neuen Medien verbundenen Chancen der beruflichen, kulturellen und sozialen Teilhabe möglichst von allen kompetent genutzt werden können, liegt die Bearbeitung dieser Forschungslücken auch im öffentlichen Interesse.

Forschungsbedarf besteht insbesondere beim genauen Zusammenhang zwischen der Nutzung von digitalen Medien in der Bildung und ihren Effekten auf das Lernen. Entsprechend feingliedriger müsste untersucht werden, in welchen Formen digitale Medien in Bildungsprozessen genutzt werden – und nicht nur, in welchem Umfang dies der Fall ist. Ergänzend könnte sich ein Bildungsmonitoring positiv auswirken, das auch den Umgang mit digitalen Medien erfasst. Internationale Beispiele zeigen, dass entsprechende Rückmeldungen wertvolle Anregungen zur Verbesserung des Bildungssystems geben können. Dies ist nicht nur für den schulischen Bereich interessant, sondern auch für die Hochschullehre und den Umgang Studierender mit digitalen Medien liegen bis dato keine ausreichenden Daten vor.

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