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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Aktueller Stand und Entwicklungen von Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik

Themenbereich: Bio- und Medizintechnologien
Analyseansatz: Monitoring
Themeninitiative: Ausschuss für Gesundheit sowie Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Status: laufend
Bearbeitungsstand: Berichterstellung
Laufzeit: 2016 bis 2017

Thematischer Hintergrund

Die vorgeburtliche (genetische) Diagnostik ist geprägt von einer Weiterentwicklung der wissenschaftlich-technologischen Möglichkeiten sowie einer qualitativen und quantitativen Ausdehnung ihrer Anwendung, aber auch von einer Kontinuität damit verbundener ethischer, psychosozialer und gesamtgesellschaftlicher Debatten und Herausforderungen. Seit vielen Jahren problematisiert werden die Anforderungen und die Leistbarkeit einer umfassenden Beratung vor und nach pränataler Diagnostik sowie der Einfluss auf die gesellschaftliche Haltung gegenüber Menschen mit (angeborenen) Behinderungen.

Entgegen früheren Prognosen haben sich invasive chromosomale und auch DNA-Diagnostik jedoch nach wie vor nicht zur Standardversorgung der medizinischen Schwangerschaftsbegleitung entwickelt, sicher auch deshalb, weil Empfindlichkeit und Präzision der Ultraschalldiagnostik stark gestiegen sind.

Zwei Entwicklungen der vergangenen Jahre wird allerdings das Potenzial zugesprochen, das Angebot und die Reichweite der Pränataldiagnostik (PND) stark zu verändern: Zum einen die seit August 2012 in Deutschland zugelassene und angebotene nichtinvasive Chromosomendiagnostik (v.a. in Form des »Praenatests« der Firma Lifecodexx) und zum anderen die verschiedenen Varianten einer Gesamtgenomsequenzierung, sowohl vor- als auch nachgeburtlich bzw. zur Untersuchung der genetischen Konstitution der (künftigen) Eltern vor einer Schwangerschaft. Der Deutsche Ethikrat und die Wissenschaftsakademien Leopoldina, acatech und BBAW haben sich in den zurückliegenden Jahren mit diesen Entwicklungen befasst und Stellungnahmen zu den Perspektiven und Herausforderungen verfasst. Auch mehrere der vom BMBF derzeit geförderten Projekte zu den ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten der modernen Lebenswissenschaften behandeln Aspekte der Pränataldiagnostik, insbesondere den nichtinvasiven Pränataltest (NIPT).

Bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Umsetzung des im Dezember 2011 in Kraft getretenen Gesetzes zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik. Die Bundesregierung hat zu den Erfahrungen mit der Präimplantationsdiagnostik im Oktober 2015 einen ersten Bericht vorgelegt (Bundestagsdrucksache 18/7020).

Ziel und Vorgehensweise

Im Monitoringprojekt des TAB soll ein konzentrierter Überblick über den Stand der zugrundeliegenden wissenschaftlich-technischen Entwicklungen, die Anwendung, die sozialwissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte sowie wichtige Zukunftsfragen von PND und PID erarbeitet werden. Angesichts eines knappen Budget- und Zeitrahmens soll insbesondere zur PND die Basis der Analyse durch eine vergleichende Auswertung vorliegender nationaler und internationaler TA- und sonstiger interdisziplinärer Studien mithilfe eines Gutachtens geschaffen werden.

Behandelt sollen die folgenden Aspekte werden:

  • Methoden und Praxis der PND (Chromosomen-, DNA- und sonstige Diagnostik, bildgebende Verfahren);
  • Zwecke der PND: theoretisch und praktisch;
  • Datenlage: Inanspruchnahme, Bestimmungsfaktoren und Konsequenzen;
  • Forschung, Entwicklungstendenzen, Akteure, Treiber;
  • sozialwissenschaftlicher Forschungsstand zu Theorie und Praxis der Beratung.

Bei der Analyse der Situation der PID soll (ebenfalls auf der Basis eines Gutachtens) die Entwicklung der letzten Jahre in Deutschland insbesondere daraufhin untersucht werden, inwiefern die Erwartungen oder auch die Befürchtungen, die im Vorfeld der gesetzlichen Regelung diskutiert worden sind, eingetreten sind. Dabei soll nicht ein weiteres Mal die grundsätzliche (ethische) Pro- und Kontradebatte zur PID abgebildet werden, sondern vielmehr eine möglichst systematische Analyse von Einschätzungen bzw. Kritik wichtiger Stakeholder zur beginnenden und erwarteten weiteren Praxis der PID erfolgen.

Die Ergebnisse der Analyse des aktuellen Standes von PND und PID sollen dann als Basis für einen interdisziplinären Workshop des TAB dienen, in dem vorhandene Wissenslücken, Forschungsdesiderate und wichtige Zukunftsfragen für Politik, Gesellschaft und Technikfolgenabschätzung diskutiert werden sollen.

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