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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Herausforderungen für die Pflanzenzüchtung

Auswirkungen des Strukturwandels in der Pflanzenzüchtung auf die genetische Diversität, die Sortenvielfalt und die Leistungsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft

Themenbereich: Ernährung, Landwirtschaft, Grüne Gentechnik
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft
Status: laufend
Bearbeitungsstand: Berichterstellung
Laufzeit: 2016 bis 2017

Thematischer Hintergrund

Die Pflanzenzüchtung trägt erheblich zum Erhalt und zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität bei. Außerdem spielt sie eine wichtige Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel und bei der effizienteren Nutzung von Betriebsmitteln. Pflanzenzüchtung ist forschungsintensiv und auf das Zusammenspiel von öffentlicher und privater Forschung angewiesen.

International unterliegt die Pflanzenzüchtung einem erheblichen Strukturwandel. Viele Züchtungsunternehmen sind von multinationalen Agrochemieunternehmen übernommen worden. Die zehn größten Unternehmen haben mittlerweile einen Anteil von mehr als 60 % am globalen Saatgutmarkt. Dieser Konzentrationsprozess ist eng verknüpft mit der Entwicklung und Anwendung moderner Biotechnologien. Insbesondere die mit der Gentechnik verbundenen sehr hohen FuE-Kosten haben dazu geführt, dass nur wenige multinationale Unternehmen mit der notwendigen Finanzkraft entstanden und hier aktiv sind. Zu dieser Entwicklung gehört weiterhin, dass neben den klassischen Schutzrechten des Sortenschutzes das Patentrecht zunehmend Bedeutung für die Pflanzenzüchtung gewonnen hat. Züchtungsrelevante Patente aus dem Bereich der modernen Biotechnologie sind ebenfalls stark bei multinationalen Unternehmen konzentriert. Der weltweite Strukturwandel in der Züchtungsbranche ist auch in Deutschland spürbar, aber die deutsche Pflanzenzüchtung ist nach wie vor mittelständisch geprägt - etwa 60 Unternehmen mit eigenen Zuchtprogrammen. Insbesondere im Bereich der Kulturarten mit Nachbau (Getreide, Grobleguminosen, Kartoffeln) bestehen allerdings wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Im Jahr 2013 waren in Deutschland über 3.000 Sorten (landwirtschaftliche Kulturpflanzen und Gemüse) zugelassen. Trotz dieser Sortenvielfalt ist die genetische Vielfalt der Sorten in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Züchterische Vielfalt ist einerseits ein wichtiger Faktor, der die Biodiversität in der Landwirtschaft beeinflusst. Andererseits ist Züchtungsfortschritt auf Vorhandensein und Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen angewiesen. Neuere Ansätze wie Züchtung für den ökologischen Landbau und Multilinienzüchtung können zur Erhaltung landwirtschaftlicher Biodiversität beitragen.

Ziel und Vorgehensweise

Ziel der Untersuchung ist ein Überblick über Potenziale und Aufgaben, Stärken und Schwächen der deutschen (konventionellen und ökologischen) Pflanzenzüchtung gegenüber den Herausforderungen einer ressourcenschonenden, nachhaltigen Landwirtschaft angesichts von Klimawandel, Bedürfnissen einer weiter wachsenden Weltbevölkerung sowie dem Biomassebedarf einer zukünftigen Bioökonomie. Hierbei sollen die Potenziale sowohl von »HighTech«-Ansätzen (u.a. Genome-Editing-Verfahren) als auch von biodiversitätsorientierter Sortenentwicklung (u.a. Multilinien) in den Blick genommen werden.

Mithilfe externer Gutachten sollen folgende Teilaspekte behandelt werden:

  • Strukturwandel und seine Bestimmungsgründe in der Pflanzenzüchtung – global und national;
  • Züchtungsziele und -technologien in der konventionellen und der ökologischen Pflanzenzucht: Gemeinsamkeiten und Unterschiede (u.a. in Abhängigkeit von der Nutzung als Lebens- und Futtermittel, nachwachsende Rohstoffe oder zur Gewinnung von Bioenergie);
  • öffentliche und private Forschungsförderung, -finanzierung und -kooperation: Umfänge und Schwerpunkte, Stärken und Schwächen bei Kulturarten und Sorteneigenschaften;
  • genetische Diversität, Sorten-, Kulturarten- und Anbauvielfalt in der konventionellen und der ökologischen Landwirtschaft: Status quo, Entwicklungstendenzen und Aktivitäten von Stakeholdern, Einfluss von ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie öffentlicher Förderung/Subventionen;
  • Herausforderungen und Lösungsansätze im Spannungsfeld von Sorten- und Patentschutz auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.

Die Auswertung und Zusammenführung der Teilgutachten in einem Berichtsentwurf sollen als Grundlage für eine Diskussion mit Experten und Stakeholdern zu den Gestaltungsmöglichkeiten einer besseren Verzahnung von öffentlicher und privater, konventioneller und ökologischer Züchtungsforschung dienen. Ein weiterer Diskussionspunkt sollen Handlungsoptionen im Bereich der geistigen Schutzrechte sein, u.a. mit Blick auf die Situation bei den Nachbaugebühren.

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