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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme – Herausforderungen und Perspektiven

Themenbereich: Ernährung, Landwirtschaft, Grüne Gentechnik
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft sowie Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Status: laufend
Bearbeitungsstand: Erstellung von externen Gutachten
Laufzeit: 2017 bis 2018

Thematischer Hintergrund

Das übergeordnete Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung bildet naturgemäß auch den Orientierungsrahmen der Debatten über die Entwicklungen und Herausforderungen der Landwirtschaft. Wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen gibt es allerdings keinen Konsens darüber, wie eine nachhaltige Landwirtschaft aussehen müsste und wie sie erreicht werden kann. Dementsprechend gehen auch die Meinungen über den aktuellen Zustand und die wünschenswerten politischen Gestaltungsmaßnahmen auseinander.

Die Landwirtschaft in Deutschland und der EU unterliegt einem kontinuierlichen Strukturwandel hin zu weniger, dafür stärker spezialisierten und größeren Betrieben. Vor diesem Hintergrund gibt es seit Jahren eine breite und kontroverse Diskussion, welche Betriebsgrößen und Formen der Landbewirtschaftung und Lebensmittelproduktion den Zielstellungen einer nachhaltigen Landwirtschaft am besten entsprechen. Dabei wird in der Debatte oftmals eine simplifizierende Gegenüberstellung von kleinstrukturierter, bäuerlicher und ökologischer Landwirtschaft auf der einen Seite und industriell organisierter, konventioneller Landwirtschaft mit Großbetrieben auf der anderen Seite vorgenommen. Eine solche Polarisierung bildet jedoch die tatsächliche Vielfalt der vor allem regional unterschiedlichen Bedingungen und Herausforderungen der Landwirtschaft nicht ab.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat einen allgemeinen Rahmen zur Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Betriebe wie auch von Wertschöpfungsketten bzw. Unternehmen im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittel geschaffen (Sustainability Assessment of Food and Agriculture Systems [SAFA]). In Deutschland und der Schweiz gibt es weitere Ansätze zur Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Betriebe. Eine Nachhaltigkeitsbewertung der deutschen Landwirtschaft insgesamt erfolgt z. B. im Rahmen der Berichterstattung zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung mit drei unmittelbar relevanten Indikatoren (Artenvielfalt und Landschaftsqualität in der Agrarlandschaft, Stickstoffüberschuss sowie Flächenanteil ökologischer Landbau). Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) legt seit 2015 jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht für den deutschen Agrarsektor vor, der neben Indikatoren aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung einen aggregierten Nachhaltigkeitsindex umfasst.

Aggregationsstufen zwischen dem einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb und dem gesamten Agrarsektor sind bisher hingegen kaum erfasst. Lediglich zum Vergleich von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft sind in den letzten Jahren zahlreiche Veröffentlichungen erschienen, wobei meist spezifische Aspekte wie Ertragsniveau, ökologische Wirkungen oder wirtschaftliche Ergebnisse verglichen wurden.

Eine bessere Erkenntnislage bei der Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme ist für die zukünftige Agrar- und Umweltpolitik auf nationaler und europäischer Ebene von zentraler Bedeutung. Dass enorme Herausforderungen bei der notwendigen nachhaltigen Ausgestaltung der Landwirtschaft bestehen, ist interessen-, partei- und akteursübergreifender Konsens und wurde im Kontext der Internationalen Grünen Woche Anfang 2017 als zentrale Zukunftsaufgabe für Politik, Gesellschaft und Wissenschaft breit kommuniziert. Dabei geht es insbesondere um den Erhalt landwirtschaftlicher Betriebe sowie darum, den weiteren landwirtschaftlichen Strukturwandel möglichst sozial- und umweltverträglich zu gestalten.

Ziel und Vorgehensweise

Durch das Projekt »Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme – Stand und Perspektiven« sollen Informationen zur Frage bereitgestellt werden, welche Ansätze einer Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme geeignet erscheinen, um als Orientierungsrahmen für eine ökonomisch tragfähige, sozial- und umweltverträgliche Gestaltung der zukünftigen Agrar- und Umweltpolitik dienen zu können. Besonderes Augenmerk liegt auf der Bestimmung eines sinnvollen Aggregationsniveaus der zu bewertenden landwirtschaftlichen Systeme und den bestehenden Hemmnissen, die sich aus einer möglicherweise unzureichenden Datenlage ergeben sowie auf den Optionen, diese Hemnisse zu überwinden. Das Projekt soll vier Schwerpunkte umfassen:

  1. Analyse des landwirtschaftlichen Strukturwandels: Vielfalt in der Agrarstruktur Deutschlands (und der EU); Veränderungsdynamiken in der deutschen (und europäischen) Landwirtschaft – Entwicklungen in der Vergangenheit und Tendenzen für die Zukunft; technologische, ökonomische, soziale und politische Treiber (Ursachen) des Strukturwandels; Nachhaltigkeitsrelevanz des Strukturwandels bzw. vom Strukturwandel beeinflusste Nachhaltigkeitsprobleme (national und international).
  2. Stand und Perspektiven der Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Betriebe und des Agrarsektors in Deutschland und international: Vergleichender Überblick über Kontext, Methoden, Indikatoren, Datenlage, Ergebnisdarstellung; Stand der Anwendung; Stärken und Schwächen sowie Perspektiven der Weiterentwicklung; Nachhaltigkeitsbewertung von internationalen Wertschöpfungsketten bzw. Agrarrohstoffen wie Palmöl, Soja, Biokraftstoffe; Möglichkeiten der Verschneidung mikroskaliger (z. B. auf Ebene des Einzelbetriebs) und makroskaliger Bewertung (z. B. im Zuge der Berichterstattung der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie).
  3. Vergleich von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft als Beispiel einer vergleichenden Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme: Aufbereitung vorliegender Ergebnisse; Übertragbarkeit der konzeptionellen Ansätze insb. im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Daten, offene Methodenfragen sowie Perspektiven der Weiterentwicklung.
  4. Herausarbeitung agrar-, umwelt- und forschungspolitischer Handlungsoptionen: Einerseits Darstellung nötiger Schritte und evtl. bestehenden Forschungsbedarfs hin zu einer Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme: Konzept, Datenerhebung und -aufbereitung, Interpretation; andererseits Identifikation von Gestaltungsfeldern, Akteurszuständigkeiten und Kooperationsformen für die Ausgestaltung einer nachhaltigeren landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland.

Stand der Projektbearbeitung

Zu den ersten drei Teilthemen wurden im Juni 2017 externe Gutachten durch den Deutschen Bundestag in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der Gutachten werden die Grundlage für die Ableitung und Diskussion der Handlungsmöglichkeiten in Punkt 4 und den Abschlussbericht bilden.

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