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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Lichtverschmutzung – Ausmaß, gesellschaftliche und ökologische Auswirkungen sowie Handlungsansätze

Themenbereich: Energie, Ressourcen, Umwelt
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Status: laufend
Bearbeitungsstand: Erstellung von externen Gutachten
Laufzeit: 2017 bis 2018

Thematischer Hintergrund

Die Etablierung elektrischer Lichtquellen in den 1880er Jahren ermöglichte erhebliche Veränderungen bzw. Fortschritte der Arbeits- und Lebensweisen der Menschen. Die seitdem ungebrochene Ausbreitung künstlicher Lichtquellen lässt aber auch eine unbeabsichtigte Folge dieser Entwicklung immer stärker in den Vordergrund treten, die sogenannte Lichtverschmutzung. Damit wird die Aufhellung der Umwelt und des Nachthimmels durch künstliches Licht bezeichnet, die eine unerwünschte Nebenwirkung von privater und öffentlicher Straßen-, Parkwege und Uferbeleuchtung, dekorativen oder werblichen Anstrahlungen oder von Lichtkunst ist. Gerade über Großstädten entstehen sogenannte Lichtglocken, die sich im Zuge von Urbanisierung und Zersiedelung des ländlichen Raumes immer weiter ausbreiten.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema Lichtverschmutzung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. In verschiedenen Disziplinen werden die teilweise negativen biologischen, ökologischen, gesundheitlichen, soziokulturellen und wirtschaftlichen Folgen künstlicher Beleuchtung bei Nacht untersucht:

  • Menschliche Gesundheit: Die erhebliche Exposition mit künstlichem Licht beeinflusst die körpereigenen biologischen Rhythmen des Menschen mit möglichen Folgen für die physische und psychische Gesundheit. Dazu können etwa Stress oder hormonelle Wirkungen zählen (mit ggf. steigenden Risiken für Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Als gesundheitlich problematisch angesehen wird vor allem die tagsüber verringerte, nachts hingegen erhöhte Exposition mit Licht, die die natürlichen Dunkel- und Ruhephasen beeinträchtigt.
  • Flora und Fauna: Lichtverschmutzung kann zu Störungen von Lebensbedingungen und Verhaltensweisen führen, etwa bei nachtaktiven Insekten oder bei Zugvögeln, deren Orientierung in der Nacht durch künstliche Lichtquellen beeinträchtigt werden kann. Auch bei Pflanzen gibt es Hinweise auf Auswirkungen der Lichtverschmutzung in Gestalt einer verfrühten Ausbildung von Blüten bzw. einer verspäteten Winterruhe.
  • Wirtschaftliche und soziokulturelle Folgen: Ursache für die Lichtverschmutzung ist häufig eine ineffiziente Beleuchtungstechnik, die wiederum gesellschaftliche Folgekosten durch einen zu hohen Energiebedarf verursacht. Soziokulturelle Folgen der Lichtverschmutzung sind das visuelle Verschwinden des Sternenhimmels durch Überblendung und die Beeinträchtigung der erdgebundenen Weltraumforschung.

Aktuell eröffnen die lichttechnischen und -planerischen Entwicklungen und die Massenverfügbarkeit lichtemittierender Dioden (LEDs) für Beleuchtungszwecke ein Möglichkeitsfenster für neue technische und gestalterische Innovationen und Lösungen: LED-Produkte bieten aufgrund ihrer Fokussierbarkeit und digitalen Steuerbarkeit das Potenzial, Streulicht und Lichtverschmutzung gezielt einzudämmen und sparen zudem im Vergleich zu Glühlampen erhebliche Mengen an Energie ein. Zugleich birgt LED-Beleuchtung aber auch neue Risiken hinsichtlich der Lichtverschmutzung, unter anderem wegen des hohen Blauanteils im Lichtspektrum, dessen Auswirkungen auf Flora, Fauna und die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind. Neue Trends in der städtischen Lichtplanung, der Lichtindustrie und in Normungsverfahren auf nationaler und europäischer Ebene bieten zugleich Ansätze zur Verringerung der Trade-offs zwischen Zielen und unerwünschten Folgen künstlicher Beleuchtung.

Ziel und Vorgehensweise

In der Öffentlichkeit wächst das Bewusstsein für das Thema Lichtverschmutzung und den damit einhergehenden Beeinträchtigungen. Verstärkt engagieren sich Bürger in sogenannten Dark-Sky-Initiativen und in bürgerwissenschaftlichen Projekten. Auch politisch gewinnt das Thema zunehmend an Relevanz. Zwar existieren in Deutschland derzeit keine verbindlichen Grenzwerte für Lichtimmissionen, aber Licht wird im Bundesimmissionsschutzgesetz (BImschG) zu den Immissionsarten gezählt, von denen unter Umständen eine umweltschädliche Wirkung ausgeht. In Slowenien, Italien und Frankreich wurden erste Gesetze zur Eindämmung von Lichtverschmutzung verabschiedet.

Das TA-Projekt wird eine Zusammenstellung des Wissensstands zu Umfang, aktuellen Entwicklungstrends und Auswirkungen der Lichtverschmutzung vornehmen. Darauf aufbauend sollen Handlungsoptionen identifiziert werden, die zu einer Verringerung der Lichtverschmutzung bei gleichzeitiger Berücksichtigung der nutzbringenden Ziele der Beleuchtung beitragen. Dadurch soll die Debatte um die Vor- und Nachteile künstlicher, nächtlicher Beleuchtung intensiviert und eine evidenzbasierte politische Begleitung laufender lichtplanerischer und technischer Entwicklungen ermöglicht werden.

Stand der Projektbearbeitung

Vor dem oben beschriebenen Hintergrund und den Zielstellungen des TA-Projekts sind zwei externe Gutachten durch den Deutschen Bundestag vergeben worden, ein weiteres externes Gutachten ist durch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig vergeben worden:

  • Ein Gutachten wird eine Bestandsaufnahme über Ausmaß und Wachstum der künstlichen Beleuchtung im Außenbereich in Deutschland sowie aktuelle Entwicklungstrends in technologischer und lichtplanerischer Hinsicht erarbeiten. Darauf aufbauend sollen Handlungsoptionen zur Verringerung der Lichtverschmutzung bei gleichzeitiger Berücksichtigung der nutzbringenden Ziele der Beleuchtung identifiziert und beschrieben werden.
  • Ein Gutachten arbeitet den Wissensstand zu den Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf verschiedene Tierklassen (z. B. Vögel, Insekten, Fische etc.) und Pflanzen auf. Insbesondere soll dabei dargestellt werden, welche Wirkzusammenhänge durch entsprechende wissenschaftliche Forschung als gesichert gelten, für welche Wirkzusammenhänge zwar Anzeichen existieren, diese aber noch genauer zu untersuchen sind, bzw. welche weiteren plausiblen Wirkaspekte bislang auch in der Forschung noch unterrepräsentiert sind.
  • Ein weiteres Gutachten soll zum einen den Wissenstand zu humanmedizinisch relevanten Wirkungen künstlicher Beleuchtung bei Nacht überblicksartig darstellen, insbesondere welche humanmedizinisch relevanten Wirkungen künstliche Beleuchtung bei Nacht (z. B. akute und chronobiologische Wirkungen) hat und welche langfristigen gesundheitlichen (und seelischen) Auswirkungen in der Humanmedizin bekannt sind bzw. vermutet werden. Zum anderen soll das Gutachten darstellen, welche Bedeutung die ungewollte Lichtverschmutzung für die oben identifizierten humanmedizinisch relevanten Wirkungen der künstlichen Beleuchtung bei Nacht hat und welche Anpassungen und Innovation von Beleuchtungssystemen für eine Reduzierung der Wirkungsbeiträge der Lichtverschmutzung geeignet wären.

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