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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Synthetische Biologie

Themenbereich: Bio- und Medizintechnologien
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Status: abgeschlossen
Laufzeit: 2011 bis 2015

Gegenstand und Ziel der Untersuchung

Seit gut zehn Jahren werden mit dem Begriff »Synthetische Biologie« (kurz Synbio) Forschungsvorhaben, Methoden und Verfahren zu einem »Umbau« natürlicher Organismen bezeichnet, der weiter geht, als es bislang mithilfe der Gentechnik möglich war. Perspektivisch wird die Schaffung (komplett) künstlicher »biologischer« Systeme (Synbio i.e.S.) anvisiert, deren praktische Nutzung allerdings noch in weiter Ferne liegt und daher in den kommenden Jahren wenig gesellschaftliche und politische Relevanz entfalten dürfte. Ganz anders ist dies bei der Synbio i.w.S. – verstanden als nächste Stufe der Bio- bzw. Gentechnologie, wozu insbesondere auch die in jüngster Zeit entwickelten Methoden des sogenannten Genome Editing (u.a. CRISPR/Cas) gehören. Durch die zunehmend einfachen und schnelleren Möglichkeiten der gezielten molekularbiologischen Veränderung bekannter Organismen ist in den nächsten Jahren mit einer großen Zahl von Anwendungen bei Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren zu rechnen.

Die Beauftragung des TAB durch den Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (ABFTA) ging auf eine erste Behandlung des Themas Synthetische Biologie im früheren Ethikbeirat des Deutschen Bundestages zurück. Die Untersuchung, die im Frühjahr 2011 begonnen wurde, sollte sich neben naturwissenschaftlich-technologischen Aspekten insbesondere auf Fragen der Ethik, der Sicherheit (Biosafety und Biosecurity), des geistigen Eigentums, der Regulierung (bzw. Governance), der öffentlichen Wahrnehmung sowie einer adäquaten und frühzeitigen Chancen- und Risikokommunikation richten.

Ergebnisse

Durch die vergleichsweise lange Dauer ist die Untersuchung zu einer Art Monitoring der Synbio geworden – mit der durchaus günstigen Konsequenz, dass seit 2011 eine gewisse Entwicklung im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE), vor allem aber der Debatte stattgefunden hat, wodurch einige Positionen und Herausforderungen der Beteiligten klarer geworden sind und mit größerer Sorgfalt analysiert werden konnten.

Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 164 bietet eine umfassende Darstellung zum Stand von Forschung, Entwicklung und Anwendung, zu Sicherheits- und Governancefragen der Synbio sowie ein ausführliches Porträt von Akteuren und Perspektiven der Do-it-yourself-Biologie. Er ordnet die Debatten über die Potenziale und Perspektiven der Synbio in größere wissenschafts-, forschungs- und innovationspolitische Kontexte ein und arbeitet zentrale Zukunftsfragen und Handlungsfelder für Bundestag und speziell den ABFTA heraus – u.a. im Bereich der Biosicherheitsforschung sowie mit Blick auf die Erweiterung der Akteurskreise bei der Planung und Durchführung von Forschungsprogrammen und -vorhaben:

  • Anwendungsbereiche liegen in der Chemie- und Energieproduktion, in der Medizin und im Umweltschutz. Welche Ansätze der Synbio sich durchsetzen werden gegenüber Verfahren, die die vorhandene biologische Vielfalt nutzen oder sich auf subtile Eingriffe beschränken, ist beim heutigen Stand von Forschung und Entwicklung nicht verlässlich prognostizierbar. Die wichtigste Perspektive der öffentlichen FuE-Förderung sollte das Offenhalten bzw. Erweitern von Optionen sein – insbesondere angesichts einer so großen Herausforderung, wie sie das Erreichen einer globalen, nachhaltigen Bioökonomie darstellt.
  • Die Partizipationsmöglichkeiten der Gesellschaft an einer verantwortungsvollen Weiterentwicklung der Synbio reichen von einer Stakeholderbeteiligung an der Forschungsprogrammatik bis zur DIY-Biologie. Die Entwicklung von gesellschaftlich potenziell umstrittenen Technologien sollte sich an der Lösung konkrete Probleme orientieren. Hierbei ist die Beteiligung gesellschaftlicher Akteure außerhalb des Wissenschafts- bzw. klassischen Innovationssystems besonders wichtig, weil diese z.B. aus der Landwirtschaft oder der Gesundheitsversorgung Erfahrungs- und Alltagswissen einbringen können, das wissenschaftliche Analysen und Herangehensweisen alleine nicht bieten.
  • Eine neue forschungspolitische Programmatik der Biosicherheitsforschung zur Synbio i.w.S. erscheint notwendig. Da bei der Risikobewertung von GVO die naturwissenschaftlichen Aspekte nur einen Teil der relevanten Fragen abdecken, müsste ein zukünftiges Biosicherheitsprogramm von vorneherein auch sozial-, geistes-, wirtschafts- und rechtswissenschaftlich ausgerichtet sein, langfristig und ressortübergreifend konzipiert werden und echte Beteiligungsmöglichkeiten für die Kompetenz und Interessen aller relevanten gesellschaftlichen Akteure bieten.
  • Nicht nur in den Biowissenschaften wird der Umgang mit geistigem Eigentum unter den Bedingungen einer zunehmend digitalen Ökonomie intensiv diskutiert. Das Ziel ist, den Wissenszuwachs möglichst nachhaltig, d.h. sozial gerecht, ökologisch verträglich und ökonomisch langfristig ertragreich zu nutzen. Die Entwicklung von innovativen Regelungsmodellen stellt eine der großen Herausforderungen für Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik und damit auch für die Technikfolgenabschätzung in den nächsten Jahren dar.
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