Informationen zur Untersuchung
Geoengineering
Hintergrund, zentrale Aspekte des Themas
Die vorgeschlagenen Konzepte lassen sich in zwei große Gruppen einteilen. Zum einen ist dies die Beeinflussung des globalen Strahlungshaushalts (Solar Radiation Management, SRM) in einer Weise, dass entweder weniger Sonnenstrahlung auf die Erde trifft (z.B. Beschattung durch in der Erdumlaufbahn installierte Sonnensegel) oder ein größerer Anteil der auftreffenden Strahlung zurückgeworfen wird (z.B. Ausbringen von Schwefelaerosolen oder Aluminium-Nanopartikeln in die Stratosphäre oder künstliche Verstärkung der Wolkenbildung).
Zum anderen sind Eingriffe in den CO2-Kreislauf denkbar, um den atmosphärischen CO2-Gehalt zu senken und damit den Treibhauseffekt abzuschwächen. Hierzu zählen u.a. Konzepte zur großflächigen Düngung der Ozeane (z.B. mit Eisen), um das Algenwachstum und damit deren CO2-Aufnahme anzuregen, oder zur Umwandlung von Biomasse in stabile Kohlenstoffverbindungen (»Biokohle«), die großflächig zur Verbesserung von degradierten und wenig fruchtbaren Böden ausgebracht werden und so zur CO2-Entlastung der Atmosphäre beitragen könnten. Auch die direkte technische Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre mittels »künstlicher Bäume« (Air Capture) ist hier zu nennen.
Eine Intervention in klimabestimmende globale Kreisläufe ist notwendigerweise von großer Eindringtiefe und birgt möglicherweise schwer absehbare und kaum zu kontrollierende Langzeitfolgen für Öko- und sozioökonomische Systeme. Bisher wurden Geoengineering-Konzepte überwiegend mit einem technologisch-naturwissenschaftlichen Fokus diskutiert (Machbarkeit, Klimawirksamkeit, Umweltrisiken und -folgen etc.), während ethische, sozioökonomische, (völker)rechtliche, politische u.ä. Dimensionen weniger Aufmerksamkeit erfahren haben. Angesichts weitreichender und ggf. nichtintendierter Konsequenzen stellt sich jedoch eine Reihe gesellschaftsrelevanter Fragen, die vor einer konkreten Umsetzung von Eingriffen in den CO2- oder Strahlungshaushalt der Erde beantwortet werden müssten.
Die Wissenschaft hat gerade erst begonnen, sich mit diesen und weiteren Fragen auseinanderzusetzen, sodass diesbezüglich noch erhebliche Wissensdefizite bestehen. Dennoch waren diese Fragestellungen bereits Gegenstand erster politischer Debatten (z.B. in einer Serie von Anhörungen im britischen Parlament sowie im U.S. Congress seit dem Herbst 2009), da sich bereits ein spürbarer politischer Entscheidungsdruck aufbaut. Vor diesem Hintergrund ist das TAB durch den zuständigen Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung mit einem TA-Projekt zum Thema »Geoengineering« beauftragt worden.
Ziel und Vorgehensweise
Das Ziel des TAB-Projekts ist es, einerseits einen umfassenden Überblick über den Stand des Wissens bezüglich naturwissenschaftlich-technologischer Aspekte der verschiedenen vorgeschlagenen Geoengineering-Konzepte zu geben, andererseits deren (völker)rechtliche, ethische, sozioökonomische und politische Facetten zu diskutieren.
Das Projekt gliedert sich in drei Teile:
Eingriffe in den CO2-Kreislauf
Dieses Arbeitspaket befasst sich mit Konzepten und Technologien, die Eingriffe in den CO2-Kreislauf erlauben. Neben neuen Technologien wie z.B. »künstliche Bäume« werden auch mögliche Methoden und Verfahren aus dem Bereich der Landnutzung, Land- und Forstwirtschaft, welche teilweise in Nischenbereichen bereits zur Anwendung gelangen, diskutiert. Für die verschiedenen Technologien und Verfahren werden die Leistungsfähigkeit für die CO2-Minderung, Kosten, Risiken und Umweltauswirkungen dargestellt sowie der weitere Forschungsbedarf identifiziert. Ergänzt wird dieses Arbeitspaket mit einer Sichtung der Möglichkeiten, das aus der Atmosphäre oder den Rauchgasen von Industrieanlagen gewonnene CO2 für sinnvolle Produkte und Anwendungen einzusetzen, um damit einen Beitrag zur CO2-Minderung zu leisten.
Für dieses Arbeitspaket kann auf umfassende Vorarbeiten im Rahmen des laufenden TAB-Projekts »Technische Optionen zum Management des CO2-Kreislaufs« zurückgegriffen werden, dessen Ergebnisse im Zuge einer einheitlichen Berichterstattung in dieses Projekt integriert werden sollen.
Beeinflussung des globalen Strahlungshaushalts
In Rahmen dieses Arbeitspakets werden die Verfahren und Konzeptvorschläge zur Beeinflussung des globalen Strahlungshaushalts untersucht. Für die verschiedenen Technologien sollen das Potenzial zur Senkung der globalen Temperatur abgeschätzt sowie die damit verbundenen Kosten, Risiken und Umweltauswirkungen identifiziert werden. Da viele dieser Technologien erst als Ideen existieren bzw. sich im Stadium der Grundlagenforschung befinden, stellt die Identifizierung von Wissenslücken und des damit verbunden Forschungsbedarfs einen weiteren Schwerpunkt dieses Arbeitspaketes dar.
Regulierung, Bewertung und öffentlicher Diskurs zu Geoengineering-Eingriffen
Ziel dieses Arbeitsschrittes ist es, die relevanten ethischen, rechtlichen und politischen Fragestellungen, welche sich im Licht einer großmaßstäblichen Erforschung und Umsetzung von Geoengineering-Maßnahmen stellen, zu identifizieren und zu diskutieren. Besonderes Augenmerk wird dabei auf eine interdisziplinäre und international vergleichende Perspektive gelegt.
Im Einzelnen sollen im Rahmen dieses Arbeitspakets
- die bestehende (völker)rechtliche Situation analysiert,
- mögliche Regulierungsnotwendigkeiten und -optionen identifiziert,
- Fragen der Risikoabschätzung und -kommunikation thematisiert,
- mögliche Bewertungsansätze und Entscheidungskriterien diskutiert sowie
- die mediale, öffentliche und politische Debatte zu Geoengineering dargestellt werden.