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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

06.04.2011 | Publikation

Energiepflanzen

Der TAB-Bericht »Chancen und Herausforderungen neuer Energiepflanzen« analysiert mögliche (Flächen-)Konkurrenzen im nationalen und internationalen Maßstab, beschreibt Herausforderungen eines umweltverträglichen Anbaus sowie der Zertifizierung biogener Energieträger und zeigt vier grundsätzliche, alternative Handlungsperspektiven der zukünftigen Energiepflanzennutzung mit ihren jeweils spezifischen Vor- und Nachteilen auf.

Auch wenn die Berichterstattung zur missglückten Einführung des E10-Treibstoffs andere Schlüsse nahelegt: Einfache Urteile zur Vorzüglichkeit oder Verwerflichkeit von Biokraftstoffen und anderen Bioenergieformen sind weder problemangemessen noch zukunftsweisend. Der TAB-Bericht, der nach seiner Abnahme durch den Ausschuss im vergangenen November nun als Arbeitsbericht Nr. 136 vorliegt, zeigt anschaulich die Vielfalt und Komplexität der Wirkungszusammenhänge in Abhängigkeit u.a. von Ausbauzielen, Förderstrategien, technischen Entwicklungen, globalen Handelsbedingungen, Agrarstruktur und landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsintensität. Die vier Handlungsperspektiven sind:

  • Priorität für Biokraftstoffe beibehalten: Im Mittelpunkt steht hier das Festhalten an dem bindenden Ausbauziel von 10 % Biokraftstoffanteil für die EU und dem deutschen Ausbauziel von 12 bis 15 % (jeweils für das Jahr 2020). Damit verbunden ist das Ziel, einen Beitrag des Verkehrsbereichs zur Reduktion von Klimagasemissionen zu leisten sowie eine höhere Versorgungssicherheit zu erreichen.
  • Priorität auf Strom- und Wärmeerzeugung aus Energiepflanzen verschieben: Diese Ausrichtung zielt darauf, die landwirtschaftlichen Energiepflanzenpotenziale mit möglichst klimaeffizienten Produktlinien zu nutzen. Ausbauziele für die Strom- und Wärmegewinnung auf der Basis von Energiepflanzen wären festzulegen und die Förderpolitiken anzupassen. Angestrebt würde eine möglichst hohe Energieproduktivität pro Fläche, ein relativ hoher Beitrag zur regenerativen Energieversorgung und ein möglichst großer Beitrag zur Vermeidung von Treibhausgasen.
  • Auf die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe umsteuern: Biomasse wäre hier eine immer wichtiger werdende Grundlage eines breiten Spektrums stofflicher Nutzungen. Eine energetische Nutzung sollte erst am Ende von Koppel- und Kaskadennutzungen erfolgen. Hauptziel wäre der Ersatz von Erdöl als Grundstoff der chemischen Industrie und sonstiger industrieller Anwendungen aus Rohstoff- und Klimaschutzgründen.
  • Bioenergieträger importieren: Aufgrund der höheren Flächenproduktivität, der stärkeren Vermeidung von Treibhausgasemissionen sowie der niedrigeren Produktionskosten würden Biokraftstoffquoten im Wesentlichen durch Importe aus tropischen Ländern erfüllt. Ein weiterer Abbau von Zöllen und Subventionsregelungen für Bioenergieträger in der EU wäre notwendig. Ziel wäre es, die Energiepflanzennutzung möglichst flächen-, klimaschutz- und kosteneffizient zu gestalten.
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