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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Autonome Waffensysteme

Themenbereich: Technik, Gesellschaft, Innovation
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Status: abgeschlossen
Laufzeit: 2017 bis 2019

Gegenstand und Ziel der Untersuchung

Robotische Waffensysteme, die ohne menschliches Zutun Ziele auswählen und bekämpfen können, waren vor nicht allzu langer Zeit ausschließlich in der Domäne der Science-Fiction beheimatet. Technologische Fortschritte, die in den letzten Jahren in den Bereichen Robotik und künstliche Intelligenz erzielt wurden, haben diese Vorstellung autonom agierender Waffen nun an die Schwelle zur konkreten Umsetzung gerückt. Automatisierung und Autonomie werden bereits heute für eine breite Palette an Funktionen bei Waffensystemen genutzt (u. a. Suche und Identifizierung potenzieller Ziele mithilfe von Sensordaten, Zielverfolgung, Priorisierung und Bestimmung des Zeitpunkts für den Angriff auf diese Ziele). Die Erweiterung autonomer Funktionen von Waffensystemen steht daher in allen technologisch fortgeschrittenen Ländern auf der Agenda. Bislang erfolgen jedoch die Zielauswahl, die Angriffsentscheidung und schließlich die Freigabe des Waffeneinsatzes durch einen menschlichen Kommandeur bzw. Operator. Ein autonomes Waffensystem (AWS) wäre in der Lage, alle diese Schritte einschließlich der Zielauswahl und -bekämpfung selbsttätig und ohne (bzw. mit nur minimaler) menschlicher Mitwirkung durchzuführen. Befürworter dieser Entwicklung argumentieren, dass mit AWS unter Umständen humanitäre Vorteile verbunden wären, da militärische Operationen präziser durchgeführt und somit die Zivilbevölkerung und zivile Infrastrukturen besser geschützt werden könnten. Kritiker äußern hingegen Bedenken, ob es ethisch vertretbar, politisch verantwortbar und (völker)rechtlich erlaubt wäre, die Entscheidung über Leben und Tod von Menschen an Maschinen zu delegieren. Auch wären mit der Entwicklung und dem möglichen Einsatz von AWS sicherheitspolitische Risiken sowie die Gefahr von Rüstungsspiralen und unkontrollierter Verbreitung potenziell riskanter Technologien verbunden.

Zentrale Ergebnisse

Der Bericht verfolgt einen breiten Analyseansatz und deckt eine Vielzahl von Facetten des Themas ab. Als erstes erfolgt eine Darstellung des technologischen Reifegrads und der Entwicklungsperspektiven von AWS. Anhand einer Bestandsaufnahme von existierenden und in der Entwicklung befindlichen Systemen wird illustriert, welche Funktionen moderne Waffensysteme bereits heute und in absehbarer Zukunft autonom ausüben können. Auf Grundlage dieser militärischen Fähigkeiten werden mögliche Einsatzszenarien für AWS diskutiert und sich daraus ergebende sicherheitspolitische Implikationen analysiert. Hier stehen die Fragen im Mittelpunkt, ob der mögliche Einsatz von AWS zu mehr oder weniger kriegerischer Gewalt führen würde, welche Auswirkungen auf die regionale Stabilität und das strategische Gleichgewicht zu erwarten wären und ob neue Rüstungswettläufe ausgelöst werden könnten. Ob und ggf. inwiefern die Anwendung tödlicher Gewalt durch autonom agierende Maschinen moralisch zulässig ist, ist die Kernfrage der ethischen Debatte um AWS. Diese Debatte wird im Bericht ausführlich dargestellt. Stichworte sind hier u. a. Menschenwürde und Verantwortung. Eng verbunden damit ist die Thematik, ob bzw. unter welchen Umständen AWS im Einklang mit den Normen des humanitären Völkerrechts eingesetzt werden könnten.

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