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Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Welt ohne Bargeld – Veränderungen der klassischen Banken- und Bezahlsysteme

Themenbereich: Informationstechnik
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Status: laufend
Bearbeitungsstand: Start im Herbst 2019
Laufzeit: 2019 bis 2020

Thematischer Hintergrund

Kaum ein Land hält der Zahlung mit Bargeld so die Treue wie Deutschland. Gut zwei Drittel aller Zahlungen erfolgen noch immer mit Scheinen und Münzen und in vielen Restaurants und Geschäften ist Girocardzahlung bis heute nicht möglich. In Schweden hingegen erfolgt der Umsatz im Einzelhandel bereits zu 95 % bargeldlos und häufig akzeptieren schwedische Geschäfte und Servicestellen kein Bargeld mehr. Bis 2030 will das Land die Bargeldzahlung abschaffen. Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen scheint in vielen Ländern unaufhaltsam, in China wurde selbst die Ära der Kartenzahlung gleichsam übersprungen: Mittels Smartphone und Plattformapplikationen wie »WeChatPay« wird der Löwenanteil von Zahlungsvorgängen abgewickelt – auch von Kleinstbeträgen an mobilen Ständen, in Garküchen etc.

Trotz des traditionellen Zahlungsverhaltens sind Girocard- und Kreditkartenzahlung sowie Onlinebezahldienste wie PayPal natürlich auch in Deutschland etabliert. Mit Produkten wie Apple Pay sowie Banking- und Bezahl-Apps verschiedener deutscher Start-ups erwächst der Bargeldnutzung neue Konkurrenz. Zudem stellen für bestimmte Transaktionen (wenn auch gegenwärtig noch in Nischen) Kryptowährungen ein alternatives Zahlungsmittel dar.

Als wichtiges Argument für die Beibehaltung des Bargelds wird neben der Diskriminierungsfreiheit meist die Anonymität von Zahlungsvorgängen angeführt, da Bargeld nicht mit personenbezogenen Daten verknüpft ist. Gleichzeitig wird diese Privatheit durch die auch in Deutschland sehr weit verbreitete Nutzung von Paybackkarten oftmals konterkariert. Die Privatheit des Bargeldes erleichtert zudem die Geldwäsche. Fragen der Sicherheit stellen sich sowohl für Münzen und Scheine (Fälschungssicherheit) als auch für elektronisches Zahlen (Cyberkriminalität). Die Entwicklungen in Richtung bargeldloses Zahlen scheinen beständig voranzuschreiten und könnten einen Handlungsdruck für Deutschland erzeugen.

Ziel und Vorgehensweise

Die Kurzstudie soll einen Überblick über unterschiedliche internationale Beispiele für disruptive, durch technologische Innovationen hervorgerufene Veränderungen der Banken- und Bezahlsysteme geben. Dies umfasst neben den eher etablierten kartengestützten Zahlungsweisen die neueren Bezahlsysteme verschiedener größerer Onlinebezahldienste (z.B. PayPal) und großer Technologiekonzerne (z.B. Google Pay, AmazonPay, Apple Pay, WeChatPay) sowie verschiedene Banking- und Bezahl-Apps von FinTech-Start-ups (z.B. Numbrs, Revolut, Outbank).

Dabei sollen auch verschiedene neue Anwendungsfelder beschrieben und jene Länder in den Blick genommen werden, die bereits heute Vorreiter in der Abschaffung des Bargelds sind. Dies schließt auch die Betrachtung völlig neuer Akteure wie FinTech-Start-ups ein, die zunehmend in einem Wettbewerb zu den Banken stehen und wichtige Aufgaben im Zahlungsverkehr übernehmen. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Erfassung der verschiedenen technologischen Voraussetzungen wie etwa die Nahfeldkommunikation (z.B. per USB, Bluetooth, WLAN) oder die Blockchaintechnologie und deren Potenzial für einen möglichen Ersatz von Bargeld sein. Schließlich sollen die sich daraus ergebenden Chancen und Risiken bzw. Entwicklungspfade z.B. mit Blick auf Fälschungssicherheit, Privatheit, Autonomie der Banken, Akzeptanz oder Cyberkriminalität thematisiert werden.

Die Grundlage der Kurzstudie ist eine Literatur- und Quellenanalyse, ergänzt um Interviews mit Vertretern verschiedener Akteursgruppen. Dabei werden die Argumente der Befürworter von Bargeld gleichrangig berücksichtigt. Zudem sollen bis zu drei Kurzgutachten zu den Aspekten blockchainbasierte Kryptowährungen, Einflusspotenziale auf Bankensysteme sowie sicherheitsrelevante Aspekte bei einem Verzicht auf Bargeld erstellt werden. Schließlich ist ein öffentliches Fachgespräch geplant, um die aus den vorhergehenden Arbeitsschritten abgeleiteten Thesen zu validieren sowie eventuell sich ergebende Handlungs- und Regulierungsbedarfe zu eruieren.

Stand der Projektbearbeitung

Der Konsortialpartner VDI/VDE-IT wird mit der Bearbeitung ab September 2019 beginnen. Den Ausgangspunkt bildet das im Horizon-Scanning 2017 erarbeitete Themenkurzprofil »Welt ohne Bargeld«
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