→Springe direkt zum Inhalt

Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Informationen zur Untersuchung

Chancen und Risiken von Wasserstoffpartnerschaften und -technologien in Entwicklungsländern

Themenbereich: Energie, Ressourcen, Umwelt
Analyseansatz: TA-Projekt
Themeninitiative: Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie Ausschuss für Wirtschaft und Energie
Status: laufend
Bearbeitungsstand: Gutachtenvergabe
Laufzeit: 2021 bis 2022

Thematischer Hintergrund

Wasserstoff, der auf der Basis von erneuerbaren Energien (EE) hergestellt wird (sogenannter grüner Wasserstoff), gilt als eine Schlüsseltechnologie zur Realisierung des Ziels der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050. Der hierfür erwartete Bedarf an Wasserstoff als Energieträger bzw. Grundstoff für Industrieprozesse wird aus heutiger Sicht nicht allein durch die Mengen gedeckt werden können, die in Deutschland bzw. in der EU produziert werden. Daher wird Deutschland bis auf Weiteres auf Importe von grünem Wasserstoff (bzw. daraus gewonnener Folgeprodukte) angewiesen sein. Geeignete Produktionsstandorte finden sich insbesondere in Regionen mit günstigen geografischen und klimatischen Bedingungen für die EE-Erzeugung, etliche davon in Entwicklungsländern (z. B. Photovoltaik und Windenergie in Nordafrika). Das Thema Wasserstoffpartnerschaften mit Entwicklungsländern ist somit von hoher politischer und gesellschaftlicher Relevanz.

Deutschland und die EU haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Die Abkehr von fossilen Energieträgern und Rohstoffen ist dafür eine zentrale Voraussetzung. Wasserstoff kommt hier eine Schlüsselrolle zu, da er sich etwa aus erneuerbar erzeugtem Strom via Elektrolyse herstellen lässt und in vielen Bereichen, u.a. als Kraftstoff und als Grundstoff für Industrieprozesse, flexibel einsetzbar ist. In seiner Funktion als Speichermedium kann er Fluktuationen in der erneuerbaren Stromerzeugung ausgleichen und darüber hinaus als Bindeglied für die Sektorkopplung (Strom-Wärme-Verkehr) dienen.

Da die für einen großskaligen Wasserstoffeinsatz in Deutschland erforderlichen Mengen aus heutiger Sicht nicht ausschließlich im Inland bzw. in der EU produziert werden können, wird die Option des Imports von nachhaltig erzeugtem Wasserstoff aus anderen Ländern diskutiert. In vielen Entwicklungsländern herrschen gute Bedingungen zur kostengünstigen Erzeugung etwa von Wind- und Solarenergie für die Wasserstoffproduktion.

Wasserstoffpartnerschaften mit Entwicklungsländern können vor Ort große Chancen für deren wirtschaftliche Entwicklung eröffnen. Durch die Exporterlöse für den Wasserstoff können Mittel generiert werden, um Infrastruktur im Partnerland aufzubauen und die lokale Wirtschaft zu stimulieren. Darüber hinaus können hochwertige Arbeitsplätze in diesen Ländern geschaffen werden.

In Abhängigkeit von der Situation vor Ort sind allerdings auch nachteilige ökologische, sozioökonomische oder politische Effekte zu vergegenwärtigen. Beispielsweise könnte der Export von Wasserstoff den häufig dringend notwendigen Ausbau und klimaneutralen Umbau der heimischen Energiewirtschaft im Partnerland verzögern oder negative Auswirkungen auf die Ressourcenverfügbarkeit vor Ort haben (z. B. Trinkwasser). In vielen bisherigen Analysen und Strategien für eine Wasserstoffwirtschaft wird den Belangen der Partnerländer wenig Beachtung geschenkt.

Gleichzeitig sind auch aus deutscher Perspektive Chancen und Risiken zu thematisieren, die Wasserstoffpartnerschaften mit Entwicklungsländern ggf. mit sich bringen können. Hierzu gehören insbesondere Fragen hinsichtlich der Zuverlässigkeit, Sicherheit und Resilienz der Versorgung mit Energie bzw. mit wichtigen Grundstoffen. Es sind Wege zu suchen, wie Abhängigkeiten in den Lieferbeziehungen vermieden werden können, etwa von Staaten mit instabilen politischen bzw. gesellschaftlichen Strukturen bzw. Defiziten bei Demokratie und Menschenrechten.

Ziel und Vorgehensweise

Das TA-Projekt zielt darauf ab, die Realisierungsbedingungen sowie mögliche Auswirkungen, Chancen und Risiken einer Wasserstoffinfrastruktur entlang der gesamten Nutzungskette in möglichen Partnerländern zu identifizieren und zu diskutieren. Es sollen technologische Ansätze, Kriterien und Umsetzungsmöglichkeiten für die Ausgestaltung entsprechender Projekte untersucht werden, die darauf abzielen, zugleich einen größtmöglichen entwicklungs- und umweltpolitischen Nutzen zu stiften.

Stand der Projektbearbeitung

Derzeit werden Gutachter/innen gesucht. Es sind zu vier Themenbereichen Gutachten zu vergeben: (Modul 1) Der Stand der Technik, systemische Aspekte und Infrastrukturerfordernisse sollen dargestellt werden. (Modul 2) Es soll eine breit angelegte Analyse zu Kosten, Nutzen und Risiken erfolgen. (Modul3) Die Umsetzungsbedingungen vor Ort sollen mittels Länderstudien detailliert untersucht werden. (Modul 4) Außerdem ist die Durchführung eines Experten- und Stakeholderworkshops vorgesehen.

Zum Seitenanfang