The spread of antibiotic resistance and new options for combatting it
- Project team:
- Thematic area:
Biotechnology and health, Energy and environment, Agriculture and food
- Topic initiative:
Committee on Research, Technology, Space and Technology Assessment, and the Parliamentary Advisory Council on Sustainable Development and Future-Related Matters
- Analytical approach:
TA project
- Startdate:
September 2026
- Enddate:
2028
(project description currently in German only)
Thematischer Hintergrund
Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe (AMR), insbesondere Antibiotikaresistenzen in Bakterien, haben sich weltweit zu einer der größten Gefahren für die öffentliche Gesundheit entwickelt. Über Probleme bei der Behandlung von Infektionskrankheiten hinaus, stellen antibiotikaresistente bakterielle Keime – einschließlich solcher, die gegen verschiedene Antibiotika oder Antibiotika der letzten Wahl („Last-Line“-Antibiotika) resistent sind – eine große Herausforderung für wichtige gängige Verfahren der modernen Medizin dar. Allein in Deutschland starben 2021 ca. 41.000 Menschen im Zusammenhang mit bakteriellen Antibiotikaresistenzen, darunter 8.000 Menschen, deren Tod direkt auf AMR zurückzuführen ist. Darüber hinaus spielen Antibiotikaresistenzen eine wichtige Rolle bei septischen (d.h. den schwersten) Verläufen von Infektionen, die bei Überlebenden oft mit Langzeitschäden und Pflegebedürftigkeit einhergehen. Manche Prognosemodelle sagen voraus, dass die weltweit mit Antibiotikaresistenzen verbundenen Todesfälle bis zum Jahr 2050 um ca. 70 % auf dann rund 9 Mio. Fälle jährlich ansteigen werden, sofern keine erfolgreichen Gegenmaßnahmen ergriffen werden. In reichen Ländern würde der vorhergesagte Anstieg durch eine Verdoppelung der Todesfälle bei Personen über 70 Jahren bestimmt sein.
Als Ursache der globalen Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen bzw. antibiotikaresistenter Keime gelten sowohl eine übermäßige und zu undifferenzierte Nutzung in der Humanmedizin als auch ein wenig kontrollierter Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft, v.a. in der intensiven Nutztierhaltung. Der Beitrag der Nutzung von Antibiotika in der Tierhaltung zur Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen ist insbesondere bei nicht von Tieren auf den Menschen übertragbaren Erregern jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen werden Maßnahmen in verschiedenen Bereichen als wichtig erachtet. Diese sind typischerweise Bestandteile von Antibiotikaresistenz-Strategien und -Aktionsplänen vieler Länder, darunter Deutschland. Hierzu gehören zum einen Maßnahmen in Bezug auf den Verbrauch bzw. die Nutzung von Antibiotika, einschließlich der Aufklärung und Bewusstseinsbildung, die Verhinderung von Infektionen durch bessere Hygiene und Impfungen sowie die Reduktion des umfangreichen Einsatzes von Antibiotika in der Medizin und der Landwirtschaft und deren Eintrag in die Umwelt („One-Health“-Ansatz). Zum anderen ist es notwendig, neue wirksame Antibiotika oder alternative antibakterielle Medikamente zu entwickeln und diese im Anschluss möglichst gezielt einzusetzen. Hierbei gelten sowohl die Förderung von Forschung und Entwicklung als auch neue innovationspolitische bzw. regulatorische Ansätze als essenziell, um die speziellen wirtschaftlichen Herausforderungen und Profitabilitätsprobleme neuer antibakterieller Medikamente nach deren Marktzulassung zu überwinden.
Zielsetzung und Vorgehensweise
Auf Initiative des Ausschusses für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung sowie des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen befasst sich das TAB im Rahmen eines TA-Projekts mit der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen, neuen Möglichkeiten zu deren Bekämpfung sowie möglichen innovativen Handlungsansätzen für die deutsche Gesundheitspolitik.
Hierfür sollen vier Fragenkomplexe untersucht werden:
- Aktueller Kenntnisstand zu Eintrags- und Ausbreitungswegen von Antibiotikaresistenzen bzw. (multi)resistenter Bakterien und deren bisherige und erwartete Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und mögliche gesellschaftliche Kosten – unter verschiedenen Annahmen (Szenarien), weltweit, in verschiedenen Regionen (einschließlich der EU) und national.
- Entwicklungen und neue Möglichkeiten in der biotechnologischen und pharmazeutischen Forschung zu neuen Antibiotika, alternativen antibakteriellen Substanzen bzw. Therapien (z. B. Phagen und Phagenproteine, Antikörper, immunmodulatorische Ansätze) sowie Impfstoffen.
- Möglichkeiten der Nutzung von künstlicher Intelligenz im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen, insbesondere zur schnelleren Diagnose bakterieller Infektionen in der Humanmedizin und Nutztierhaltung/Landwirtschaft, zur Überwachung von Antibiotikaresistenzen in der Umwelt oder zur Entwicklung neuer antibakterieller Medikamente und Impfstoffe.
- Diskutierte innovationspolitische und regulatorische Modelle (und gegebenenfalls Ergebnisse aus sich in Testphasen befindlichen Modellen), welche die Entwicklung neuer pharmazeutischer Produkte und Therapien befördern oder Herausforderungen für die Profitabilität solcher Produkte nach der Zulassung adressieren sollen.
Auf Basis der Ergebnisse und Analysen zu diesen Fragekomplexen wird ein aktueller Überblick in Form eines TAB-Berichts erstellt, der die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen und die aktuellen Entwicklungen zur Bekämpfung sowie die damit verbundenen Möglichkeiten und Herausforderungen evidenzbasiert darstellt und Handlungsoptionen ableitet.