Abstrakte Karte von Deutschland als blaue Leiterplatte mit Tech-Symbolen und leuchtenden Knotenpunkten.Rifai/elenvd/Adobe Stock

Open-Source-Software in der öffentlichen Verwaltung: Erfolgsfaktoren, Hemmnisse und politische Handlungsoptionen

Thematischer Hintergrund

Open-Source-Software (OSS) bildet eine zentrale Grundlage zahlreicher digitaler Anwendungen und Infrastrukturen und hat entsprechend eine wichtige technologische und wirtschaftliche Bedeutung. Für die öffentliche Verwaltung werden mit ihrem Einsatz unter anderem Erwartungen an Kosteneffizienz, Anpassungsfähigkeit, IT-Sicherheit sowie an eine Stärkung der technologischen Unabhängigkeit verbunden. Zugleich kommt dem Staat als Nachfrager und Regulierungsakteur eine besondere Rolle bei der Ausgestaltung von Markt- und Rahmenbedingungen für Softwareentwicklung und -einsatz zu, indem er durch seine Nachfrage und Vergabepraxis sowie durch finanzielle und regulatorische Instrumente die Marktbedingungen für Software gezielt verändern kann. OSS kann auch dazu beitragen, Kosten einzusparen, Anpassungsfähigkeit zu erhöhen, die IT-Sicherheit durch Transparenz zu stärken, unabhängig von Technologieanbietern (und damit auch von anderen Ländern) zu sein. Für Privatanwender/innen, Unternehmen wie auch die öffentliche Hand als IT-Nutzende ist OSS daher eine relevante Option. 

Die Potenziale von OSS für die öffentliche Verwaltung sind seit Langem Gegenstand politischer und fachlicher Diskussionen und Empfehlungen auf nationaler und europäischer Ebene. Dabei wird OSS vielfach nicht als einzelnes Softwareprodukt, sondern als Bestandteil eines Ökosystems verstanden, das neben dem Quellcode auch Aspekte wie organisatorische Einbettung, Kompetenzaufbau, Governance, Weiterentwicklung und Zusammenarbeit zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren umfasst. In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Initiativen und institutionelle Strukturen etabliert, um den Einsatz von OSS in der öffentlichen Verwaltung zu fördern, darunter das beim Bundesinnenministerium gegründete Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS). Auch auf europäischer Ebene werden entsprechende Entwicklungen systematisch beobachtet und dokumentiert.

Gleichzeitig zeigt sich, dass der Einsatz von OSS in der Verwaltung bislang uneinheitlich ausgeprägt ist und in vielen Bereichen weiterhin Abhängigkeiten von proprietären Softwarelösungen bestehen. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage (BT-Drs. 20/9641) weist die Bundesregierung darauf hin, dass zwar Maßnahmen zur Förderung von OSS ergriffen wurden, bestehende Abhängigkeiten jedoch fortbestehen. Auch weitergehende Strategien und Initiativen auf Länder- oder kommunaler Ebene – wie zuletzt im Bundesland Schleswig-Holstein –  haben bislang jedoch nicht zu einer flächendeckenden oder systematischen Nutzung geführt. Vor diesem Hintergrund besteht Bedarf an einer differenzierten Analyse der Faktoren, die den Einsatz von OSS im konkreten Verwaltungshandeln fördern oder hemmen.

Zielsetzung und Vorgehensweise

Ziel der TA-Kompakt-Studie ist es, förderliche und hemmende Faktoren beim Einsatz von Open-Source-Software in der öffentlichen Verwaltung zu analysieren und vergleichend einzuordnen. Die Untersuchung erfolgt anhand eines exemplarischen Anwendungsfalls, der zentrale Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten beim Einsatz von OSS verdeutlicht.

Als Anwendungsfall wird die Einführung eines allgemeinen digitalen Arbeitsplatzes in der öffentlichen Verwaltung auf Basis von OSS betrachtet, wie er gegenwärtig im Bundesland Schleswig-Holstein umgesetzt wird. Dieser Anwendungsfall betrifft mehrere Verwaltungsebenen und ist in besonderem Maße durch software-spezifische, organisatorisch und governance-bezogene Fragestellungen geprägt, währendtechnisch in erster Linie software-spezifische Herausforderungen zu bewältigen sind.

Die OSS-basierte Lösung wird  entsprechenden Closed-Source-Lösungen gegenübergestellt. Dabei werden insbesondere Implikationen für die digitale Souveränität und IT-Sicherheit sowie relevante wirtschaftliche und organisatorische Aspekte berücksichtigt.

Die TA-Kompakt-Studie zielt darauf ab, einen kompakten Überblick zum aktuellen Stand der Nutzung von OSS in der öffentlichen Verwaltung, zu wahrgenommenen Hemmnissen, zu förderlichen Rahmenbedingungen sowie zu  möglichen politischen Handlungsoptionen zu geben.

Die Analyse orientiert sich an folgenden  Leitfragen:

  • Wie stellt sich der aktuelle Stand der Nutzung von Open-Source-Software in der deutschen öffentlichen Verwaltung dar, und in welchen Bereichen bestehen weiterhin Abhängigkeiten von proprietären Anbietern?
  • In welchem Umfang wird Open-Source-Software in der Verwaltung als langfristige Strategie verstanden und . in ´Bereichen wie Beschaffung, Betrieb, Weiterentwicklung und Governance berücksichtigt?
  • Welche technischen, organisatorischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Faktoren  hemmen oder behindern in konkreten Anwendungsfällen eine stärkere Nutzung von Open-Source-Software?
  • Welche politischen, institutionellen und regulatorischen Rahmenbedingungen erweisen sich als förderlich für den Einsatz von Open-Source-Software, und wo bestehen Umsetzungsdefizite?
  • Welche Handlungsoptionen und Steuerungsinstrumente stehen Staat und Verwaltung zur Verfügung, um den Einsatz von Open-Source-Software systematisch zu stärken und digitale Souveränität zu fördern?

Die Bearbeitung des TA-Kompakts umfasst die Analyse des exemplarischen Anwendungsfalls, Literatur- und Dokumentenanalysen, Experteninterviews sowie die Diskussion zentraler Thesen im Rahmen eines Werkstattgesprächs. Die Ergebnisse werden systematisch ausgewertet und in einer TA-Kompakt-Studie zusammengeführt.