
Biotechnologie und künstliche Intelligenz: Risiken der Forschung für die Sicherheit und die Proliferation von Biowaffen
- Projektteam:
- Themenfeld:
Biotechnologie und Gesundheit, Digitale Gesellschaft und Wirtschaft, Infrastrukturen und Sicherheit
- Themeninitiative:
Verteidigungsausschuss
- Analyseansatz:
TA-Projekt
- Starttermin:
September 2024
- Endtermin:
2026
Der Abschlussbericht zum TA-Projekt wurde am 8. Juli 2026 vom Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung abgenommen und erscheint demnächst als TAB-Arbeitsbericht Nr. 217.
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Thematischer Hintergrund
Die rasanten Fortschritte bei der Analyse und Synthese von Erbgut (DNA) sowie bei der gezielten Veränderung von Genen in verschiedensten Organismen durch Genomeditierungs-Techniken haben die Möglichkeiten der Erforschung und der Veränderung biologischer Systeme bzw. Organismen in den letzten 10 bis 15 Jahren vereinfacht und stark erweitert. Ein zunehmend wichtiges Werkzeug sind dabei computergestützte Analyse- und Designprozesse. Diese oft unter den Begriffen „Synthetische Biologie“ (vgl. TAB-Arbeitsbericht Nr. 164: Synthetische Biologie – die nächste Stufe der Bio- und Gentechnologie) zusammengefassten Entwicklungen der Molekularbiologie und Biotechnologie haben nicht nur in der Grundlagenforschung zu neuen Möglichkeiten geführt, etwa bei der Erforschung von Gen- und Molekülfunktionen sowie von Krankheitsursachen. Auch in Anwendungsfeldern, wie insbesondere der industriellen Biotechnologie etwa zur Generierung neuer Synthesewege für Chemikalien in Mikroorganismen und der Entwicklung neuer Medikamente bzw. Behandlungsmöglichkeiten, darunter Gentherapien für bisher unheilbare Krankheiten sowie gen- und zellbasierte Krebsimmuntherapien, haben diese neuen Möglichkeiten bereits revolutionäre Entwicklungen eingeleitet.
Diese Fortschritte in der Molekularbiologie und Biotechnologie konvergieren zunehmend mit jüngeren Entwicklungen in Bereichen der künstlichen Intelligenz (KI) sowie der Automatisierung von Laborprozessen. Ermöglicht durch größere Datensätze zu biologischen Molekülen und deren Funktionen entstehen zunehmend leistungsfähigere KI-Modelle, die für die Analyse und das Design von biologischen Molekülen und Prozessen sowie von Forschungs- und Entwicklungsprozessen entsprechender Anwendungen eine immer wichtigere Rolle spielen.
Die Synthetische Biologie und ihre Anwendungsmöglichkeiten wurden seit ihren Anfängen von Diskussionen über Risiken durch mögliche (Labor-)Unfälle oder eine missbräuchliche Verwendung begleitet. Insbesondere wurde dabei die Zugänglichkeit zu den technologischen Entwicklungen zur Veränderung von Molekülen oder Organismen (wie DNA-Synthese oder Genomeditierung) für Nichtexpert/innen bzw. Personen, die nicht in etablierte wissenschaftliche Einrichtungen eingebunden sind, thematisiert. Mit der zunehmend wichtigeren Rolle von KI und deren Zusammenspiel mit biotechnologischen Möglichkeiten haben sich diese Diskussionen erneut intensiviert. Vor allem international hat sich in den letzten Jahren eine Sicherheitsdebatte entwickelt, die sich stark auf Missbrauchsrisiken durch die mögliche Herstellung biologischer Waffen sowie die damit verbundenen (nationalen) Sicherheitsfragen fokussiert. Im Mittelpunkt dieser Debatte stehen im Wesentlichen drei Bedenken: erstens, dass die Entwicklungen es insbesondere Nichtexpert/innen bzw. nicht staatlichen Akteuren (weiter) erleichtern könnten, gefährliche biologische Agenzien herzustellen bzw. Biowaffen zu entwickeln; zweitens, dass die Entwicklung noch gefährlicherer bzw. neuer solcher Agenzien und Biowaffen möglich wird, die das Schadenspotenzial oder ‑ausmaß erhöhen könnten; und drittens, dass die Wirksamkeit von Biosicherheits- und Abwehrmaßnahmen (Biodefense) verringert oder unterlaufen werden könnte.
Ziel und Vorgehensweise
Das Projekt sieht zum einen eine breit angelegte, aber konzentriert aufgearbeitete Analyse möglicher Sicherheitsrisiken neuerer biotechnologischer Entwicklungen und ihrer Wechselwirkungen mit Entwicklungen im Bereich der KI vor. Zum anderen sollen Kontroll- und Regulierungsmöglichkeiten dargestellt sowie Möglichkeiten zu deren Weiterentwicklung diskutiert werden, um diese Sicherheitsrisken zu minimieren und die Nichtverbreitung potenzieller Biowaffen zu stärken.
Dazu wird zunächst ein aktueller Überblick über relevante Entwicklungen in der Biotechnologie und der Synthetischen Biologie sowie deren Konvergenz mit jüngeren KI-Entwicklungen erstellt. Darauf aufbauend werden mögliche Sicherheitsrisiken, die in der fachwissenschaftlichen Literatur sowie von verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren (z. B. Entwicklern/Unternehmen, Forschenden, politikberatenden Organisationen, Sicherheitsexpert/innen) diskutiert werden, vorgestellt und zugrunde liegende Argumente oder Evidenzen erörtert. Schließlich sollen auf dieser Basis die bestehenden Kontroll- und Regulierungsmöglichkeiten auf nationaler (deutscher) und supra- bzw. internationaler Ebene charakterisiert, die fachwissenschaftliche, gesellschaftliche und politische Debatte zu ihrer Hinlänglichkeit bzw. der Notwendigkeit neuer Maßnahmen aufbereitet und Handlungsoptionen abgeleitet werden. Die Analyse des TAB wird wie üblich auf öffentlich zugänglichen Wissensbeständen basieren, die durch Experteneinschätzungen in Form von schriftlichen Ausarbeitungen ergänzt werden.
Öffentliches Fachgespräch
Nach Vorlage und Abnahme des Abschlussberichts wurden die Projektergebnisse in einem Fachgespräch am 8. Juli 2026 vorgestellt und mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie Expertinnen und Experten öffentlich diskutiert. Programm und Aufzeichnung stehen auf der Veranstaltungsseite zur Verfügung.
Publikationen (im Erscheinen)
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TAB-Arbeitsbericht Nr. 217 Biotechnologie und künstliche Intelligenz: Der TAB‑Arbeitsbericht Nr. 217 untersucht mögliche Sicherheitsrisiken durch den möglichen Missbrauch neuerer biotechnologischer Entwicklungen und ihrer Wechselwirkungen mit Entwicklungen im Bereich der KI. Diese werden ausführlich und evidenzbasiert analysiert und mit Blick auf mögliche Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit biologischen Waffen diskutiert. Darüber hinaus werden die gegenwärtigen Kontroll- und Regulierungsmöglichkeiten Biowaffen und sicherheitsrelevanter Forschung auf internationaler Ebene, in der Europäischen Union (EU) und national dargestellt und hinsichtlich vorhandener Lücken und möglicher Maßnahmen zu deren Schließung erörtert. doi:10.5445/IR/1000195981 Veröffentlichung am 12. August 2026. |
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TAB-Fokus Nr. 51 Biotechnologie und künstliche Intelligenz: Der TAB-Fokus bietet auf vier Seiten einen kompakten Überblick über Inhalt und Ergebnisse des TA-Projekts. doi:10.5445/IR/1000196056
TAB-Fokus no. 51 Biotechnology and artificial intelligence: research risks to security and the proliferation of biological weapons. TAB-Fokus The policy brief TAB-Fokus offers a compact overview of the content and results of our TA analyses on four pages. doi:10.5445/IR/1000196057 |
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Im Bundestag
Der Abschlussbericht zum TA-Projekt wurde am 8. Juli 2026 vom Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung abgenommen und geht damit in die parlamentarische Arbeit ein.
Vorgang - Bericht auf dem Parlamentsserver (DIP)
Technikfolgenabschätzung (TA)
Biotechnologie und künstliche Intelligenz: Risiken der Forschung für die Sicherheit sowie die Proliferation von Biowaffen
In den Medien
- aerzteblatt.de (07.08.2026), Erstmals vollständige Bakteriophagen mit Künstlicher Intelligenz generiert. Biosicherheitsfragen gewinnen an Bedeutung.
- table.media (+) (15.07.2026), Biowaffen: Warum die heimliche Produktion immer einfacher wird und was dagegen zu tun ist.
- table.media (15.07.2026), Biowaffen: Das Risiko einer heimlichen Produktion steigt stetig.
- background-tagesspiegel.de (+) (09.07.2026), Forschungsausschuss: Wohin führt der Wettlauf von Biotechnologie und KI?

