Abgabetermin für Angebote ist der 13. August 2026.

Überblick zum aktuellen Stand der Tiefengeothermie in Deutschland

Gutachter/innen gesucht

Im Rahmen des TA-Projekts „Soziale, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte der KI-Nutzung für die Kultur- und Medienbranche“ sollen zwei Gutachten vergeben werden. Sie sollen zum einen KI-Technologien und -Anwendungen mit Bedeutung für die Kreativ-, Kultur- und Medienbranche darstellen, zum anderen untersuchen, welche Bedeutung KI-Systeme für diese Branche über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg haben.

Inhaltsübersicht

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Thematischer Hintergrund

Erdwärme ist ein zur Verfügung stehender regenerativer Energieträger, der flächendeckend auch in Deutschland verfügbar ist. Seine Nutzung bleibt bisher deutlich hinter seinen Potenzialen zurück. Die gegenwärtige Nutzung konzentriert sich auf oberflächennahe Geothermie, meist in Verbindung mit Wärmepumpen zur Heizung und Warmwasserbereitung in Gebäuden.

In Abgrenzung zur oberflächennahen Geothermie wird Erdwärmenutzung ab einer Bohrtiefe von etwa 400 m als Tiefengeothermie bezeichnet. Diese besitzt ein enormes Potenzial, um zu einem erheblichen Anteil zur Wärme- und Stromversorgung Deutschlands beizutragen. Im Gegensatz zu etwa Solar- und Windenergie steht Tiefengeothermie ganzjährig und wetterunabhängig zur Verfügung und kann nachfrageorientiert genutzt werden. Wasserführende Gesteinsschichten (sog. Aquifere), die sich besonders gut für die tiefengeothermische Nutzung eignen, gibt es in Deutschland vor allem im Norddeutschen Becken, im Oberrheingraben und im Süddeutschen Molassebecken am Alpennordrand.

Zur Energiegewinnung aus Tiefengeothermie lassen sich zwei technische Konzepte unterscheiden:

  • Bei geschlossenen Systemen wird untertägig ein Rohrsystem installiert, das gegenüber dem Gestein dicht ist und als Wärmetauscher dient. In diesem befindet sich ein Wärmeträgerfluid, das in einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert, d.h. es wärmt sich im Untergrund auf, wird nach oben gepumpt und nach Entzug von Wärme wieder nach unten.
  • Bei offenen Systemen wird warmes, meist stark salzhaltiges Wasser über Bohrungen aus tiefen Gesteinsschichten an die Oberfläche gefördert. Dort wird dem Wasser über Wärmetauscher Wärme entzogen und sodann das abgekühlte Wasser wieder in den Untergrund verpresst.

In bestimmten Regionen – in Deutschland etwa im Oberrheingraben und im Norddeutschen Becken – ist im nach oben geförderten Wasser (bei offenen Systemen) eine beachtliche Menge Lithium enthalten, das als kritischer Rohstoff u.a. für die Batterieherstellung gilt. Es existieren bereits Pilotprojekte, in denen gleichzeitig Wärme und Lithium aus dem Untergrund gewonnen werden. Diese Methode der Lithiumgewinnung weist eine relativ gute CO2-Bilanz auf und stellt eine zusätzliche Erlösquelle für Geothermieprojekte dar. Allerdings sind noch etliche Fragen hinsichtlich möglicher Umweltwirkungen, der Wirtschaftlichkeit und der gesellschaftlichen Akzeptanz der Technologie offen.

Trotz der großen Potenziale und günstigen Eigenschaften der Tiefengeothermie hat sich ihre Nutzung in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien deutlich weniger dynamisch entwickelt. Einige Gründe dafür wurden bereits in einem TAB-Bericht aus dem Jahr 2003 zum Thema „Möglichkeiten geothermischer Stromerzeugung in Deutschland“ identifiziert: Die erforderlichen Tiefenbohrungen sind relativ aufwändig und teuer, zudem besteht ein nicht unerhebliches Fündigkeitsrisiko, insbesondere beim Aufsuchen von untertägigen wasserführenden Gesteinsschichten. Um genügend Abnehmer für die gewonnene Wärme zu erschließen, ist oft die Einbindung in bestehende Nah- und Fernwärmenetze bzw. der Neu- und Ausbau von Netzen eine Voraussetzung. Hinzu kommt, dass es bei einigen Projekten im Zuge der Stimulation des Untergrundes zu seismischen Ereignissen kam, die zu Befürchtungen bei Anrainern und daraus resultierend zu Widerstand in der Bevölkerung geführt haben.

Seit der Veröffentlichung des genannten TAB-Berichts haben sich sowohl die Technik weiterentwickelt als auch die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend verändert. Daher soll jetzt der aktuelle Forschungs- und Entwicklungsstand in Deutschland sowie im internationalen Vergleich erhoben und im Hinblick auf Chancen und Risiken für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft neu bewertet werden.

Leistungsbeschreibung des zu vergebenden Gutachtens

Das Gutachten hat die Aufgabe, einen Überblick über den aktuellen Stand der Tiefengeothermie in Deutschland zu geben. Dabei sollen folgende Themen bearbeitet werden:

  1. Gegenwärtige Nutzung und Potenziale
    • Überblick zur gegenwärtigen Nutzung und konkret geplanten Vorhaben zur Erschließung geothermischer Ressourcen
    • Abschätzung der technisch bzw. wirtschaftlich erschließbaren Potenziale für Wärme- und Stromgewinnung in den relevanten deutschen Regionen
  2. Stand der Technik, Forschungs- und Entwicklungsbedarfe
    • Skizzieren der technologischen Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte und des erreichten Standes (ggf. Einstufung in Technology Readyness Levels (TRL)), noch vorhandene Entwicklungsbedarfe, Effizienzgewinne etc.) sowohl beim untertägigen als auch beim obertägigen Anlagenteil
    • Identifikation von Forschungs- und Entwicklungsbedarfen
  3.  Bewertungsdimension Wirtschaft
    • Darlegung der Kostenstrukturen und Abschätzung der Gestehungskosten für Strom bzw. Wärme
    • Identifizierung von Potenzialen zu Kostensenkung und Effizienzsteigerung
    • Vergleich der Wirtschaftlichkeit mit konkurrierenden Energieträgern/-systemen
    • Bewertung von Bohr- und Fündigkeitsrisiken
    • Auswirkungen auf Wertschöpfung und Beschäftigung
    • Bedingungen für die Einbindung in Wärme- und Stromversorgungssysteme
    • Identifikation von Wissenslücken und Forschungsbedarfen
  4. Bewertungsdimension Umwelt
    • Abschätzung der Umweltauswirkungen bei Erkundung, Erschließung, Bau, Betrieb (Normalbetrieb und mögliche Störfälle), Rückbau und Nachsorge von tiefengeothermischen Anlagen
    • Bei der Abschätzung sind insbesondere Treibhausgasemissionen, Primärenergieverbrauch, Schadstoffausstoß, Ressourcenverbräuche sowie nicht zuletzt mögliche geologische Risiken bei Bohrungen und der Stimulation des Untergrundes zu berücksichtigen.
    • Identifikation von Wissenslücken und Forschungsbedarfen
  5. Bewertungsdimension Gesellschaft
    • Analyse gesellschaftlich relevanter Auswirkungen der Tiefengeothermie
    • Betrachtung der öffentlichen Wahrnehmung der Chancen und Risiken der Geothermie (inklusive Wahrnehmung von Entscheidungsprozessen und Akteuren)
    • Möglichkeiten und Erfolgsfaktoren von Governance-Strukturen, um Interessen und Anliegen der lokalen Bevölkerung zu berücksichtigen (z.B. inklusive Beteiligungsverfahren, um die lokale Bevölkerung einzubinden, finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten sowie Ausgestaltung von Regelungen im Schadensfall)
    • Identifikation von Wissenslücken und Forschungsbedarfen
  6. Hemmnisse und Handlungsoptionen
    • Analyse von Hemmnissen, die einem zügigen Ausbau der Nutzung von Tiefengeothermie entgegenstehen (technisch, ökonomisch, organisatorisch, regulierungsseitig etc.)
    • Ausarbeitung von Handlungsoptionen für den Gesetzgeber, Behörden und die öffentliche Hand, um die Hemmnisse abzubauen

Es ist geplant, zu einem späteren Zeitpunkt ein weiteres Gutachten zum Thema „Lithiumgewinnung aus geothermischen Tiefenwässern“ zu vergeben.

Bearbeitungsaufwand und Termine

Der vergütbare Bearbeitungsaufwand beträgt etwa 6 bis 8 Personenmonate.

Aus dem Angebot muss klar hervorgehen, welcher Arbeitsaufwand und welche Kosten kalkuliert werden. Änderungen oder Konkretisierungen der Untersuchungsaspekte sind möglich und sollten ggf. zwischen TAB und potenziellen Auftragnehmer/innen im Rahmen der Angebotserstellung abgestimmt werden. Die grundsätzliche Bereitschaft zur engen Kooperation mit dem TAB wird vorausgesetzt.

  • Abgabetermin für Angebote ist Donnerstag der 13. August.2026.
  • Mit der Bearbeitung des Gutachtens soll am 1. Oktober 2026 begonnen werden.
  • Ein Auftakttreffen soll voraussichtlich Mitte Oktober 2026 im TAB stattfinden.
  • Das Gutachten ist bis zum 30. April 2027 fertigzustellen.

Gutachtenvergabe und -erstellung zu den genannten Terminen erfolgen vorbehaltlich der rechtzeitigen Zustimmung bzw. Mittelbewilligung durch den Deutschen Bundestag.

Hinweise zur Angebotserstellung

Aufgabe des TAB ist es, eingehende Angebote zu sichten und wissenschaftlich zu bewerten sowie dem Deutschen Bundestag Vorschläge zur Gutachtenvergabe zu unterbreiten. Das TAB ist Ansprechpartner für alle projektspezifischen wissenschaftlichen Fragen und zuständig für die Prüfung und Abnahme Ihres Gutachtens. Die Bereitschaft zur intensiven Diskussion und engen Kooperation mit dem TAB wird vorausgesetzt.

Da der vorgesehene Zeitrahmen für die Erstellung der Gutachten keine langwierige Erschließung der Themen zulässt, wird erwartet, dass die Anbieter bereits über eine ausgewiesene Expertise im Feld verfügen und möglichst auf eigene Vor- und laufende Arbeiten zurückgreifen können.

Qualitative und formale Anforderungen an das Gutachtenangebot und Hinweise zur vergleichenden Bewertung der eingereichten Angebote

Um die Qualität der Gutachtenangebote (auch vergleichend) seitens des TAB bzw. des Deutschen Bundestages bewerten zu können, sind qualitative Kriterien bei der Angebotserstellung zu berücksichtigen bzw. zu erfüllen; diese Kriterien werden gleichwertig bei der Bewertung berücksichtigt:

  • Aus dem Angebot muss die besondere fachliche Kompetenz der Anbietenden sowie auch des konkret eingesetzten wissenschaftlichen Personals insgesamt im hier nachgefragten Themenfeld ausführlich, deutlich, fundiert und transparent hervorgehen und belegt werden. Anzuführen sind insbesondere die relevanten wissenschaftlichen und Forschungserfahrungen und/oder sonstigen hervorragenden Kompetenzen (inkl. Anerkennungen und Erfolge) im Themenfeld sowohl in der Breite als auch in der Tiefe. Nachzuweisen ist dies in der Regel durch die Darlegung von verantwortlich durchgeführten Projekten, themenrelevanten Tätigkeiten und (wissenschaftlichen) Beratungsleistungen sowie den Nachweis von themenrelevanten Publikationen (z.B. peer-reviewed).
  • Betrachtet und bewertet wird auch die Qualität der inhaltlichen und formalen Aufbereitung des Angebots insgesamt. Notwendig ist eine klare Strukturierung des Angebots. Ausführlich und nachvollziehbar müssen die beabsichtigte Vorgehensweise bei der Erstellung des Gutachtens und der notwendige und vorgesehene Bearbeitungsaufwand verdeutlicht und begründet werden. Relevant ist zudem die (möglichst vollständige) Beachtung bzw. Adressierung der in der Bekanntmachung angeführten Bearbeitungsaspekte.
  • Bewertet wird zudem die Beschreibung des beabsichtigten methodischen Vorgehens zwecks Generierung bzw. Aufbereitung der für das Gutachten relevanten wissenschaftlichen Expertisen und Arbeitsergebnisse. Die gewählte Methodik bzw. die besondere Eignung des methodischen Vorgehens muss nachvollziehbar dargelegt und überzeugend begründet werden. Transparent nachvollziehbar und begründet müssen zudem die inhaltliche Zuordnung und die zeitlichen Abläufe der jeweiligen Arbeitsschritte bzw. Arbeitspakete sein.
  • In die Bewertung der Gutachtenangebote fließt schließlich auch der Preis des jeweiligen Angebots ein.

Bitte beachten Sie bei der Erstellung Ihres Angebots die Hinweise zu Pflichtangaben. Senden Sie uns zunächst eine elektronische Version Ihres Angebots zusammen mit dem ausgefüllten Formblatt (Word-Dokument zum Ausfüllen) an unsere E-Mail-Adresse buero-tab-beim-bundestag.de. Unserer Erfahrung nach bedürfen detaillierte Angebote häufig einer schriftlichen, formalen und kalkulatorischen Überarbeitung. Sollten wir Ihr Angebot nach unserer Prüfung in die engere Wahl ziehen und dem Deutschen Bundestag zur Vergabe vorlegen wollen, werden wir Sie ggf. um eine entsprechende Modifizierung und anschließend um die erneute elektronische Übersendung des Angebots bitten.

Sollte es zu einer Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem TAB kommen, wird diese auf der Grundlage eines Vertrages zwischen dem Deutschen Bundestag und Ihnen erfolgen. 

Weitere Informationen und Downloads

Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)
Neue Schönhauser Straße 10
10178 Berlin
+49 30 28491-0
buero∂tab-beim-bundestag.de