Arzneimittelrückstände in Trinkwasser - Glas mit Wasser und Tabletten aus dem Wasserhahn

Arzneimittelrückstände in Trinkwasser und Gewässern

  • Projektteam:

    Bernd Klauer (Projektleitung, UFZ), Christoph Aicher, Tanja Bratan, Ulrike Eberle, Thomas Hillenbrand, Klaus Kümmerer, Wolfgang Reuter, Johannes Schiller, Nona Schulte-Römer, Engelbert Schramm, Felix Tettenborn, Carolin Völker, Anna Walz

  • Themenfeld:

    Biotechnologie und Gesundheit

    Energie und Umwelt

  • Themeninitiative:

    Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung

  • Analyseansatz:

    TA-Projekt

  • Starttermin:

    2014

  • Endtermin:

    2019

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Gegenstand und Ziel der Untersuchung

Arzneimittel dienen der Gesundheit von Menschen und Tieren. Mit der alternden Bevölkerung und erhöhtem Gesundheitsschutz nimmt ihr Verbrauch im Humanbereich seit Jahren zu. Die Arzneistoffe verbleiben größtenteils aber nicht im Körper, sondern werden wieder ausgeschieden und gelangen so in Gewässer und ins Grundwasser. Dort werden sie zwar stark verdünnt, aber manche Stoffe bauen sich nur langsam ab und können in der Umwelt akkumulieren. Arzneistoffe sind in der Regel schon in geringen Mengen wirksam, weshalb sich die Frage stellt, ob sie in Trinkwasser und Gewässern negative Wirkungen entfalten. Unter Umständen kommen sie über den Nahrungskreislauf oder das Trinkwasser wieder in den Körper von Menschen. Wegen ihres Vorkommens in der aquatischen Umwelt im Konzentrationsbereich µg/l werden Arzneimittelrückstände zur Gruppe der Spuren(schad)-stoffe oder Mikroverunreinigungen gezählt, wie auch viele weitere chemische Stoffe, die zum Beispiel aus Bioziden, Pflanzenschutzmitteln, Industriechemikalien oder Körperpflege- und Waschmitteln stammen.

In Politik und Gesellschaft wird zunehmend diskutiert, inwiefern Mikroverunreinigungen von Trinkwasser und Gewässern durch Arzneimittel in Deutschland ein Problem darstellen. Das Bundesumweltministerium hat daher im Jahr 2016 den mehrjährigen Stakeholderdialog »Spurenstoffstrategie des Bundes« initiiert. Im Projekt des TAB sollte ein Überblick über den Wissensstand zu Mengen, Qualitäten und Wirkungen der Mikroverunreinigungen auf Mensch und Umwelt erarbeitet sowie Vorschläge zur Vermeidung der Verunreinigungen zusammengetragen, Wissenslücken identifiziert und mögliche Handlungsstrategien erörtert werden.

Zentrale Ergebnisse

Der resultierende Bericht bietet eine detaillierte Übersicht dazu, welche Human- und Tierarzneimittel in welchen Quantitäten in Deutschland verwendet werden und nach aktuellem Kenntnisstand ihrer Menge oder ihrer Wirkung nach in human- und ökotoxikologischer Hinsicht relevant sind.

Analysiert wird der Zielkonflikt zwischen individuellen Ansprüchen auf Heilung durch Medikamente einerseits und den potenziellen Risiken von Arzneimittelrückständen für die allgemeine Gesundheit und Umwelt andererseits. Weil das Eintreten negativer Effekte unsicher ist, wird diskutiert, welche Anhaltspunkte und Hilfestellung das Vorsorgeprinzip bei der Bewältigung dieser Konflikte leisten kann.

Systematisch vorgestellt werden Überlegungen zu technischen Maßnahmen und regulatorischen Strategien zur Verringerung der Risiken von Arzneimittelrückständen in Gewässern, darunter die derzeit intensiv diskutierte sogenannte vierte Reinigungsstufe von Kläranlagen, die Mikroverunreinigungen zu großen Teilen aus Abwässern entfernen kann. Stärker an der Quelle der Verunreinigung setzen regulatorische Maßnahmen an, beispielsweise im Zusammenhang mit dem Prozess der Arzneimittelzulassung, oder Informationsmaßnahmen, die bei Verbraucherinnen und Verbrauchern, Ärzteschaft und Apotheken ein Problembewusstsein zu schaffen versuchen. Diskutiert wird, wie die verschiedenen Maßnahmenoptionen sinnvoll miteinander kombiniert und in eine umfassende Strategie eingebettet werden können und welche Rolle bei der Strategiefindung, -entscheidung und -umsetzung den verschiedenen staatlichen und privaten gesellschaftlichen Akteuren zukommt.

Kontakt

Prof. Dr. Bernd Klauer (UFZ)
(Projektleitung)
bernd.klauerufz.de
+49 341-235-1702

TAB-Sekretariat
buero∂tab-beim-bundestag de
+49 30 28491-0

Publikationen


Arzneimittelrückstände in Trinkwasser und Gewässern. Endbericht zum TA-Projekt.
Klauer, B.; Aicher, C., [Mitarb.]; Bratan, T., [Mitarb.]; Eberle, U., [Mitarb.]; Hillenbrand, T., [Mitarb.]; Kümmerer, K., [Mitarb.]; Reuter, W., [Mitarb.]; Schiller, J., [Mitarb.]; Schulte-Römer, N., [Mitarb.]; Schramm, E., [Mitarb.]; Tettenborn, F., [Mitarb.]; Völker, C., [Mitarb.]; Walz, A., [Mitarb.].
2019. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). doi:10.5445/IR/1000134593VolltextVolltext der Publikation als PDF-Dokument
Pharmaceutical residues in drinking water and water bodies. TAB-Fokus.
Klauer, B.
2019, September. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) VolltextVolltext der Publikation als PDF-Dokument
Arzneimittelrückstände in Trinkwasser und Gewässern. TAB-Fokus.
Klauer, B.
2019, September. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) VolltextVolltext der Publikation als PDF-Dokument

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