Abstrakte Darstellung eines Virus, einer DNA-Helix und eines Schwans aus Datenpunkten.TAB (KI-generiert)

Biotechnologie und künstliche Intelligenz: Risiken der Forschung für die Sicherheit und die Proliferation von Biowaffen

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Thematischer Hintergrund

Die rasanten Fortschritte bei der Analyse und Synthese von Erbgut (DNA) sowie bei der gezielten Veränderung von Genen in verschiedensten Organismen durch Genomeditierungs-Techniken haben die Möglichkeiten der Erforschung und der Veränderung biologischer Systeme bzw. Organismen in den letzten 10 bis 15 Jahren vereinfacht und stark erweitert. Ein zunehmend wichtiges Werkzeug sind dabei computergestützte Analyse- und Designprozesse. Diese oft unter den Begriffen „Synthetische Biologie“ (vgl. TAB-Arbeitsbericht Nr. 164: Synthetische Biologie – die nächste Stufe der Bio- und Gentechnologie) zusammengefassten Entwicklungen der Molekularbiologie und Biotechnologie haben nicht nur in der Grundlagenforschung zu neuen Möglichkeiten geführt, etwa bei der Erforschung von Gen- und Molekülfunktionen sowie von Krankheitsursachen. Auch in Anwendungsfeldern, wie insbesondere der industriellen Biotechnologie etwa zur Generierung neuer Synthesewege für Chemikalien in Mikroorganismen und der Entwicklung neuer Medikamente bzw. Behandlungsmöglichkeiten, darunter Gentherapien für bisher unheilbare Krankheiten sowie gen- und zellbasierte Krebsimmuntherapien, haben diese neuen Möglichkeiten bereits revolutionäre Entwicklungen eingeleitet.

Diese Fortschritte in der Molekularbiologie und Biotechnologie konvergieren zunehmend mit jüngeren Entwicklungen in Bereichen der künstlichen Intelligenz (KI) sowie der Automatisierung von Laborprozessen. Ermöglicht durch größere Datensätze zu biologischen Molekülen und deren Funktionen entstehen zunehmend leistungsfähigere KI-Modelle, die für die Analyse und das Design von biologischen Molekülen und Prozessen sowie von Forschungs- und Entwicklungsprozessen entsprechender Anwendungen eine immer wichtigere Rolle spielen.

Die Synthetische Biologie und ihre Anwendungsmöglichkeiten wurden seit ihren Anfängen von Diskussionen über Risiken durch mögliche (Labor-)Unfälle oder eine missbräuchliche Verwendung begleitet. Insbesondere wurde dabei die Zugänglichkeit zu den technologischen Entwicklungen zur Veränderung von Molekülen oder Organismen (wie DNA-Synthese oder Genomeditierung) für Nichtexpert/innen bzw. Personen, die nicht in etablierte wissenschaftliche Einrichtungen eingebunden sind, thematisiert. Mit der zunehmend wichtigeren Rolle von KI und deren Zusammenspiel mit biotechnologischen Möglichkeiten haben sich diese Diskussionen erneut intensiviert. Vor allem international hat sich in den letzten Jahren eine Sicherheitsdebatte entwickelt, die sich stark auf Missbrauchsrisiken durch die mögliche Herstellung biologischer Waffen sowie die damit verbundenen (nationalen) Sicherheitsfragen fokussiert. Im Mittelpunkt dieser Debatte stehen im Wesentlichen drei Bedenken: erstens, dass die Entwicklungen es insbesondere Nichtexpert/innen bzw. nicht staatlichen Akteuren (weiter) erleichtern könnten, gefährliche biologische Agenzien herzustellen bzw. Biowaffen zu entwickeln; zweitens, dass die Entwicklung noch gefährlicherer bzw. neuer solcher Agenzien und Biowaffen möglich wird, die das Schadenspotenzial oder ‑ausmaß erhöhen könnten; und drittens, dass die Wirksamkeit von Biosicherheits- und Abwehrmaßnahmen (Biodefense) verringert oder unterlaufen werden könnte.

Ziel und Vorgehensweise

Das Projekt sieht zum einen eine breit angelegte, aber konzentriert aufgearbeitete Analyse möglicher Sicherheitsrisiken neuerer biotechnologischer Entwicklungen und ihrer Wechselwirkungen mit Entwicklungen im Bereich der KI vor. Zum anderen sollen Kontroll- und Regulierungsmöglichkeiten dargestellt sowie Möglichkeiten zu deren Weiterentwicklung diskutiert werden, um diese Sicherheitsrisken zu minimieren und die Nichtverbreitung potenzieller Biowaffen zu stärken.

Dazu wird zunächst ein aktueller Überblick über relevante Entwicklungen in der Biotechnologie und der Synthetischen Biologie sowie deren Konvergenz mit jüngeren KI-Entwicklungen erstellt. Darauf aufbauend werden mögliche Sicherheitsrisiken, die in der fachwissenschaftlichen Literatur sowie von verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren (z. B. Entwicklern/Unternehmen, Forschenden, politikberatenden Organisationen, Sicherheitsexpert/innen) diskutiert werden, vorgestellt und zugrunde liegende Argumente oder Evidenzen erörtert. Schließlich sollen auf dieser Basis die bestehenden Kontroll- und Regulierungsmöglichkeiten auf nationaler (deutscher) und supra- bzw. internationaler Ebene charakterisiert, die fachwissenschaftliche, gesellschaftliche und politische Debatte zu ihrer Hinlänglichkeit bzw. der Notwendigkeit neuer Maßnahmen aufbereitet und Handlungsoptionen abgeleitet werden. Die Analyse des TAB wird wie üblich auf öffentlich zugänglichen Wissensbeständen basieren, die durch Experteneinschätzungen in Form von schriftlichen Ausarbeitungen ergänzt werden.

Stand der Projektbearbeitung

Im Rahmen des TA-Projekts wurden zwei Gutachten vergeben: eines zum aktuellen Stand existierender Regulierungen und Kontrollmaßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene, ein weiteres zu technischen Voraussetzungen und notwendigen Kenntnissen und Erfahrungen für die Herstellung von Biowaffen. Die Auswertung dieser Gutachten bildet gemeinsam mit umfangreichen weiteren Recherchen des TAB die Basis des sich im Abnahmeprozess befindenden Abschlussberichts. Projektergebnisse werden in einem Fachgespräch am 8. Juli 2026 vorgestellt und mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie Expertinnen und Experten öffentlich diskutiert.