Nachhaltige und sichere Konzepte für eine klimaverträgliche Schifffahrt

Der neue TAB‑Bericht analysiert, wie der Umbau zu einer klimaverträglichen Schifffahrt gelingen kann und welche Chancen sich daraus für die maritime Wirtschaft in Deutschland ergeben
Cover AB Nr. 216 Großer Containerschiff im Hafen, mit Krananlagen im Hintergrund.
Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 216 zeigt Wege zu einer klimafreundlichen Schifffahrt auf.

Die internationale Seeschifffahrt ist für rund 80 % des weltweiten Gütertransports verantwortlich und verursacht etwa 3 % der globalen Treibhausgasemissionen. Internationale und europäische Klimaziele , insbesondere im Rahmen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) und der Europäischen Union, zielen darauf ab, den Sektor bis 2050 weitgehend klimaneutral zu gestalten. Die Dekarbonisierung der Schifffahrt ist eine globale Herausforderung, bei der Deutschland eine wichtige Rolle übernehmen kann – als exportorientierte Handelsnation mit einer der größten Flotten weltweit sowie als führender Standort für Schiffbau und maritime Zulieferindustrie. Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 216 analysiert vor diesem Hintergrund zentrale technologische, infrastrukturelle und regulatorische Handlungsoptionen sowie deren Voraussetzungen und Grenzen.

Erneuerbare Kraftstoffe als zentraler Baustein

Ein zentraler Baustein für eine klimaverträgliche Schifffahrt ist der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Kraftstoffe. Dazu zählen synthetische Kraftstoffe auf Basis von grünem Wasserstoff (E-Fuels) ebenso wie biogene Kraftstoffe aus Abfall- und Reststoffen (B-Fuels). Der Bericht macht deutlich, dass die derzeit begrenzten Produktionskapazitäten für grünen Wasserstoff und CO₂-Abscheidung einen erheblichen Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung sowie entsprechender Produktionsinfrastrukturen erfordern.

Effizienz als Schlüssel zur Kraftstoffeinsparung 

Der Bedarf an erneuerbaren Kraftstoffen kann durch Effizienzsteigerungen im Schiffsbetrieb und -design teilweise deutlich gesenkt werden. Dazu zählen optimierte Rumpfformen bei Neubauten, nachrüstbare Windzusatzantriebe, betriebliche Maßnahmen wie Geschwindigkeitsreduktionen sowie eine verbesserte Reinigung von Rumpf und Propeller. Je nach Schiffstyp und operativen Rahmenbedingungen unterscheiden sich die Umsetzbarkeit sowie die erreichbaren Einspareffekte erheblich. Der Bericht weist zudem auf mögliche Zielkonflikte hin, etwa mit Blick auf Transportkapazitäten oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Infrastruktur für die Energiewende im Hafen

Es werden Bunkeranlagen sowie geeignete und Umschlagkapazitäten für erneuerbare Kraftstoffe benötigt, die im Hafen liegenden Schiffe müssen mit grünem Landstrom versorgt werden. Die Studie betont die Bedeutung einer verlässlichen Versorgung mit grünem Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen und diskutiert Optionen zur Stärkung der Versorgungssicherheit.

Politische Leitplanken für klimaneutrale Schifffahrt

Die Realisierbarkeit technologischer Optionen hängt maßgeblich von den regulatorischen und ökonomischen Rahmenbedingungen ab. Der internationale Regulierungsrahmen weist derzeit noch etliche Lücken auf. Instrumente wie die CO₂-Bepreisung, der europäische Emissionshandel oder Vorgaben zur Treibhausgasintensität von Schiffskraftstoffen sind zentrale Hebel, um Investitionsanreize für klimafreundliche Technologien zu schaffen. Darüber hinaus spielen Finanzierungs- und Förderinstrumente als zusätzliche Hebel für den Transformationsprozess eine wichtige Rolle.

Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 216 macht deutlich, dass die Transformation der Seeschifffahrt ein koordiniertes Zusammenspiel mehrerer Akteure – von Schiffsbetreibern und Kraftstoffherstellern über Hafenbetreiber, Werften und Zulieferer bis hin zu Investoren und Regulierungsbehörden –  erfordert. Nur wenn der Ausbau erneuerbarer Kraftstoffe, die Umsetzung schiffbaulicher und betrieblicher Effizienzmaßnahmen, der Ausbau geeigneter Infrastrukturen sowie die Weiterentwicklung des internationalen und europäischen Regulierungsrahmens parallel vorangetrieben werden, lassen sich die langfristigen Klimaziele im Schifffahrtssektor erreichen.

 

Die wichtigsten Ergebnisse sind im vierseitigen TAB-Fokus Nr. 50 und auf der Projektseite zusammengefasst. Eine übersichtliche Visualisierung bietet die Infografik „Wege zur klimaverträglichen Schifffahrt“.  

05.02.2026

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