Seit der Annexion der Krim (DIW 2020, S. 81) im Jahr 2014 und dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind geoökonomische Konflikte und Handelsbeschränkungen als Vulnerabilitätsfaktor für das Energiesystem stark in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines hat die Verletzlichkeit der Energieinfrastruktur besonders deutlich gemacht. Aber auch der globale Wettstreit um kritische Rohstoffe verschärft sich und die damit zusammenhängenden Risiken steigen, begünstigt durch strukturelle Faktoren wie eine hohe Importabhängigkeit bei kritischen Rohstoffen und begrenzte kurzfristige Substitutionsmöglichkeiten (EC 2020b; IRENA 2023, S. 36; 51). Geoökonomische Konflikte und Handelsbeschränkungen wurden von der überwiegenden Mehrheit der befragten Expert/innen (Abb. 1a/b) als ein relevanter Verletzlichkeitsfaktor für das System und damit als Versorgungsrisiko eingeschätzt. Generell drohen sich geopolitische Konflikte umso stärker auf das Infrastruktursystem auszuwirken, je größer die Lieferkettenabhängigkeiten sind (DIW 2020, S. 81). Entsprechend hat seit Beginn des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine das Bestreben nach Energieautarkie bzw. nach einem höheren Energieautarkiegrad und dabei insbesondere nach Unabhängigkeit von ausländischen Lieferanten beim Import fossiler Energieträger politisch und gesellschaftlich stark an Bedeutung gewonnen (Dieter 2021; UBA 2023a, 43).
Im Zuge des voranschreitenden Klimawandels ist seit einigen Jahren eine Zunahme von Wetterextremen festzustellen, die zu Schäden an der Energieinfrastruktur führen können. Infrastrukturen sind in der Regel nicht für extremes Wetter ausgelegt und unterliegen Investitionszyklen, die sich über Jahre oder Jahrzehnte erstrecken. Dies trägt laut der Expertenbefragung (Abb. 1a/b) zur steigenden Vulnerabilität des Infrastruktursystems bei.



