Power-to-X-Infrastrukturen ermöglichen es, aus Strom andere Formen von Energie (z.B. Wärme, flüssige Kraftstoffe) zu erzeugen. So soll beispielsweise ein Teil der Leitungen, die bisher für Ferngas genutzt wurden, so umgebaut werden, dass sie künftig auch Wasserstoff transportieren können (dena 2021, S. 184). Der Ausbau von Power-to-X-Infrastrukturen wird von den meisten befragten Expert/innen (Abb. 1a/b) als Beitrag zur Resilienz des Systems gesehen, wobei das Risiko einer ungenügenden Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien besteht. Das produzierte Volumen von Wasserstoff in Deutschland ist im vergangenen Jahrzehnt tendenziell gesunken (Abb. 3), obwohl die Anzahl der in Betrieb genommenen Power-to-X-Anlagen in Deutschland seit 2018 deutlich zugenommen hat (2018: 17 Anlagen; 2019: 33; Anfang 2023: 36). Zahlreiche weitere Anlagen sind in Planung (vor allem Power to Gas), die ganz überwiegend das Ziel haben, Wasserstoff zu produzieren (Statista 2023e). Allerdings können auch beim Ausbau von Power-to-X-Infrastrukturen (z.B. Wasserstoff) Pfadabhängigkeiten und neue Formen von Abhängigkeiten von ausländischen Lieferanten entstehen, die durch die zunehmenden geopolitischen Konflikte Risiken mit sich bringen (EPRS 2023b; EWI 2023; Heilmann et al. 2023; Merten/Scholz 2023).

Zum Ausbau der Power-to-X-Infrastrukturen gehört auch die zunehmende Verbreitung alternativer Wärmeerzeuger, die unter Einsatz von Strom Wärme bereitstellen (z.B. Wärmepumpen), deren Beitrag zur Resilienz des Infrastruktursystems von den Expert/innen (Abb. 1a/b) als besonders hoch eingeschätzt wurde. Wärmepumpentechnologien, die mittels Strom und Umgebungswärme (aus dem Boden, Wasser, Luft oder rückgewonnene Abwärme) Wärme bereitstellen, erfahren stetige Verbesserung und Effizienzsteigerungen, wodurch sie perspektivisch auch zur Dekarbonisierung der Industrie beitragen könnten (MIT 2024). In Deutschland wird beispielsweise die Erzeugung von Prozesswärme mit Hochleistungswärmepumpen erprobt, die mit dem Arbeitsmedium Wasser bis zu 200 °C erreichen (IWR 2023). Auch Großwärmepumpen werden für die großstädtische Wärmeversorgung in Großbritannien, in Deutschland und in der Schweiz aufgebaut bzw. schon genutzt und könnten einen Eckpfeiler für Fernwärmenetze darstellen (ITA 2023b). Neue Ansätze wie flexible Wärmepumpen (s. aufkommende technologische Entwicklungen) ermöglichen es, höhere Prozesstemperaturen zu erreichen, und könnten perspektivisch auch mit Systemen der saisonalen Wärmespeicherung (s. aufkommende technologische Entwicklungen) gekoppelt werden. Ein noch zu lösendes Problem stellt die Substitution des Einsatzes von Fluorkohlenwasserstoffen als Arbeitsmedium dar.

In Deutschland werden Energiespeicherkapazitäten ausgebaut (z.B. PV-Stromspeicher).#1 Die Anzahl der insgesamt installierten PV-Stromspeicher ist zwischen 2017 und 2023 um mehr als das 13-Fache gewachsen (Statista 2023b, S. 18). Ende 2022 waren bereits ca. 5,5 GWh an Speicherkapazität installiert (Figgener et al. 2023). Auch batteriebetriebene Fahrzeuge lassen sich mit neuen Technologien wie Vehicle to Grid (s. aufkommende technologische Entwicklungen) als dezentrale Speicher in das Stromnetz einbinden. Des Weiteren sind in 2023 eine Reihe an Großbatteriespeicher in Betrieb gegangen (RWE 2023). Die Kapazität von Großbatteriespeichern in Deutschland könnte sich bis 2030 mehr als verzehnfachen (frontier-economics 2023). Allerdings sind für den Einsatz von Batteriespeichern für großtechnische stationäre Anwendungen (z.B. für die Versorgung ganzer Quartiere) noch bedeutsame technologische und wirtschaftliche Hürden zu überwinden (EPRS 2023b). Großtechnische Batteriespeicher werden derzeit primär im Rahmen von Forschungs- und Demonstrationsprojekten entwickelt und aufgebaut. Es entstehen zwar zunehmend kommerzielle Anwendungen, allerdings stellt das Hochskalieren der Produktion eine große Herausforderung dar (ITA 2023a) und ist nicht unter allen Stromnetzausbauszenarien vorteilhaft. Vor allem Lösungen zur Nutzung von Abwärme und saisonaler Wärmespeicherung werden von den meisten befragten Expert/innen (Abb. 1a/b) als förderlich für die Resilienz des Infrastruktursystems angesehen. Thermische Energiespeichertechnologien (kurz: Wärmespeicher) werden in Deutschland Medienberichten zufolge (rbb 2022; ZfK 2024) zunehmend gebaut. Ihnen kommt eine Schlüsselrolle zu, um die Kopplung zwischen Wärme- und Stromsektor voranzutreiben und zur Flexibilisierung der Energiebereitstellung sowie zur Dekarbonisierung des Wärmesektors beizutragen. Werden sie auf Quartiersebene eingesetzt, können sie lokal verfügbare und überschüssige regenerative Energie speichern und diese bei Bedarf wieder verfügbar machen (Kallert et al. 2023).

Eine flexible Wärmepumpe (Yu et al. 2022) unterscheidet sich von einer gewöhnlichen Wärmepumpe lediglich durch einen zusätzlichen Wassertank oder Wärmespeicher, welcher die Restwärme des Kältemittels aufnimmt. Dadurch wird die sonst vergeudete Wärme zur Effizienzerhöhung genutzt. Weitere Effizienzpotenziale werden durch eine Technologie erschlossen, mit welcher Wärme mittels thermischer Solarkollektoren in den Sommermonaten in den Boden gespeichert wird. Sobald die Luft wieder kälter wird, nutzt die Wärmepumpe einen Teil der gespeicherten Wärme (Beraniuk 2023, S. 74). Darüber hinaus können Wärmepumpen auch mehr Flexibilität im Netz schaffen, indem sie Spitzenlastnachfragen reduzieren. Dafür wird der Strombezug auf die Verfügbarkeit von erneuerbarem Strom softwaregestützt optimiert und die Gleichzeitigkeit ihrer Spitzenlastnachfrage reduziert (Agora Energiewende/Agora Industry 2023a, S. 39 f.; Allhutter et al. 2022, S. 61). Hier kann KI eingesetzt werden, um Lademuster und -dauer zu ermitteln, optimale Ladezeiten zu identifizieren, um den Kund/innen mittels SMS oder App-Benachrichtigung Empfehlungen für kostengünstige Zeiträume zum Aufladen ihrer Fahrzeuge oder zur Einsparung von Kosten und/oder Energie zu bieten (June 2023).

Zur Wärmespeicherung bieten sich zahlreiche Technologien an (z.B. Kies-/Wasserwärmespeicher, Aquiferspeicher, Eisspeicher). Manche Technologien eignen sich eher zur Kurzzeitwärmespeicherung (Stunden bis Tage), andere für die saisonale Wärmespeicherung (mehrere Monate). Für die Langzeitspeicherung lässt sich ggf. auch industrielle Abwärme nutzen – hier besteht jedoch noch Forschungsbedarf (Kallert et al. 2023). Welche Technologie sich für ein konkretes Vorhaben am besten eignet, ist standortabhängig bzw. vorhabenspezifisch zu ermitteln. Großes Entwicklungspotenzial für die kommunale Wärmeversorgung haben insbesondere latente Wärmespeicher, die die Nutzung von Phasenwechsel (von fest zu flüssig) des Speichermediums nutzen, sowie thermochemische Speicher, bei welchen die Wärmespeicherung als reversible thermochemische Reaktion erfolgt. Während erstere kommerziell bereits vereinzelt für einzelne Gebäude zum Einsatz kommen, befinden sich thermochemische Speicher noch in einem vorkommerziellen Entwicklungsstadium. In Berlin wird die thermochemische Speicherung in einer Pilotanlage getestet.

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