Die Landwirtschaft in Deutschland unterliegt seit den 1950er Jahren einem kontinuierlichen Strukturwandel. Dieser ist gekennzeichnet durch eine stetige Abnahme der Betriebe insgesamt (von rund 1,5 Mio. im Jahr 1960 auf rund 260.000 im Jahr 2022), während gleichzeitig die Zahl der großen Betriebe mit 100 ha und mehr zunimmt (DBV 2023). Festzustellen ist außerdem eine zunehmende Spezialisierung der Betriebe sowie ein rasanter technischer Wandel, der zu einer erhöhten Arbeits- und Flächenproduktivität geführt hat.12 Der Anteil an Saisonarbeitskräften wie auch das Alter der
Erwerbstätigen ist in der Landwirtschaft höher als in anderen Branchen (BMEL 2020). Generell scheint sich ein zunehmender Arbeitskräftemangel (Debonne et al. 2022, S. 3) in der Landwirtschaft bemerkbar zu machen – laut Ansicht der meisten befragten Expert/innen trägt dieser Trend stark zur Vulnerabilität des Ernährungssystems bei (Abb. 5a/b).

Ein weiterer prägender Trend für das Infrastruktursystem ist die Zunahme nachhaltiger Ernährungsgewohnheiten sowie nachhaltiger Anbaumethoden. Beide Entwicklungen tragen laut den befragten Expert/innen zur Resilienz des Infrastruktursystems bei (Abb. 5a/b). Die Zunahme nachhaltigerer Ernährungsgewohnheiten lässt sich in Deutschland wie auch in anderen Industrieländern beobachten (JRC 2021b). So steigt die Zahl der Personen in Deutschland, die sich überwiegend pflanzlich ernähren (BMEL 2023b), während der Fleischkonsum seit einigen Jahren tendenziell abnimmt (BLE 2023b). Auch die Nachfrage nach regionalen und saisonalen Produkten nimmt in Deutschland zu (BMEL 2021; BÖLW 2023) und der Pro-Kopf-Absatz von Fleischersatzprodukten wächst kontinuierlich an (Statista 2023f).

Zugleich sind aber auch – als gegenläufige Trends – Zunahmen des Konsums von Convenience- und Verzehrfertigprodukten sowie des Außer-Haus-Marktes (mit einem Rückgang 2020 und 2021 während der COVID-19-Pandemie) festzustellen (Statista 2023a). Die Zunahme nachhaltiger Anbaumethoden zeigt sich an der steigenden Bedeutung der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland. So hat der Anteil von Biolebensmitteln am Lebensmittelumsatz seit 2011 kontinuierlich zugenommen, wobei 2022 erstmals ein Rückgang zu beobachten war (BÖLW 2023). Auch der Anteil von Biobetrieben an den landwirtschaftlichen Betrieben ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, von 1,1 % im Jahr 1995 auf 16,4 % im Jahr 2021 (BMEL 2023c).

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